- 30.01.2002, 14:27:04
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HAIGERMOSER: "Habe Mandat immer als Auszeichnung angesehen"=
"Wir brauchen den Aufbruch, den diese Bundesregierung symbolisiert"
Wien, 2002-01-30 (fpd) - "Ich erlaube mir, jedem Mitglied dieses
Hohen Hauses persönliches Wohlergehen zu wünschen; politisch möchte
ich diese Wünsche der Reformkoalition aus Freiheitlichen und ÖVP
mitzugeben", sagte der freiheitliche Mittelstandssprecher Helmut
Haigermoser bei seiner heutigen letzten Rede im Plenum des
österreichischen Nationalrates. ****
Dieses Land sei zu schön und zu lebenswert, um es einer rot-grünen
Koalition zu übergeben, meinte Haigermoser. Das bundesdeutsche
Beispiel spreche ja Bände. "Wir brauchen den Aufbruch, den diese
Bundesregierung symbolisiert." Haigermoser forderte Peter
Westenthaler und Andreas Khol auf, diese Koalition, die ein zartes
Pflänzchen sei, zu hegen, um sie zu einem stattlichen Baum
weiterwachsen zu lassen.
Anläßlich der Abschiedsrede paare sich ein Schuß Wehmut mit
Dankbarkeit, insbesondere den Bürgern und Wählern gegenüber, die "es
gestattet haben, daß ich diesem Hohen Haus achtzehn Jahre und sieben
Monate angehören durfte", sagte Haigermoser. "Ich habe es immer als
Auszeichnung angesehen, in diesem heiligsten Hain der Republik am
Rednerpult stehend die politische Auseinandersetzung führen zu
dürfen."
Seinen besonderen Dank für ihre Kameradschaft stattete Haigermoser
seinen Kollegen Helene Partik-Pablé und Harald Ofner ab. Weiters
verbeugte er sich "in Hochachtung und Ehrfurcht" vor zwei großen
Persönlichkeiten der österreichischen Politik, vor Anton Benya und
vor Alois Mock. "Ich bin stolz, mit diesen beiden Österreichern
gemeinsam in einem Parlament gewesen zu sein."
Haigermoser erteilte noch einmal der Nachtöffnung eine Absage. "Hört
nicht auf die Sirenengesänge jener, die meinen, die totale Freiheit
sei alles. Ich sage Ja zur Freiheit, aber Nein zum Diktat der Großen,
Ja zum Unternehmertum, aber Nein zum Todesstoß für das
Familienunternehmen." Haigermoser zitierte Jean Baudrillard, der in
einem "Spiegel"-Gespräch kürzlich über die Globalisierung gesagt
hatte: "Sie gibt vor, die Menschen zu befreien, dabei dereguliert sie
nur. Die Abschaffung aller Regeln, genauer: die Reduzierung aller
Regeln auf das Gesetz des Marktes ist das Gegenteil von Freiheit -
nämlich deren Illusion. So altmodische und aristokratische Werte wie
Würde, Ehre, Herausforderung, Opfer zählen darin nicht mehr." "Ich
vermeine, wir sollten auf der Seite der Ehre und der Herausforderung
sein", erklärte Haigermoser.
Die Politik habe sich, bei allen notwendigen historischen
Betrachtungen, der Gegenwart und Zukunft zu widmen. Es könne gar
nicht hoch genug eingeschätzt werden, daß es dieser Koalition aus FPÖ
und ÖVP anheimgestellt sei, den Kriegsgefangenen eine bescheidene
Wiedergutmachung zukommen zu lassen. Dieser geschundenen Generation,
die blutjung in einen unseligen Krieg gehetzt worden sei, gebühre
unser Dank und unsere Anerkennung, weil sie es gewesen sei, die
dieses Land mit bloßen Händen zu neuer Blüte geführt habe.
"Nie wieder Krieg" bedeute auch, kein Europa auf dem Fundament des
erhobenen Zeigefingers zu bauen, sondern ein Europa, das die Vision
der Heimat, des Vaterlandes, als Bindeglied im Kontinent sehe. Nur
die Distanzierung von geschehenem unrecht von allen Seiten sei Garant
für die funktionierende und akzeptierte Baustelle Europa, "zu der ich
mich bekenne", betonte Haigermoser. "Auch wir haben daran zu
arbeiten, die Solidargemeinschaft wirklich sozial zu gestalten",
sagte Haigermoser. Viele Dinge seien noch ins Positive zu bringen.
Es sei eine der höchsten Auszeichnungen für jeden Bürger dieses
Landes, diesem Parlament anzugehören. "Glück auf der Republik
Österreich. Ich bin stolz, ein Österreicher zu sein", schloß
Haigermoser. (Schluß)
Rückfragehinweis: Freiheitliches Pressereferat
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