OeNB: Gouverneur Dr. Liebscher zu Chancen und Herausforderungen des Euro für Europa

Wien (OTS) - !!! Sperrfrist: 29. Jänner 2002, 14.00 Uhr !!!

Anläßlich eines Vortrages vor dem Swedish
Management Forum in Wien am 29. Jänner 2001 zog Dr. Liebscher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank und
EZB-Ratsmitglied, eine sehr positive Zwischenbilanz nach drei
Jahren Währungsunion.

Mit der erfolgreichen Einführung des Eurobargelds per
1. Jänner 2002 wurde die Währungsunion für rund 300 Millionen Menschen des Eurogebiets konkret faßbar. Das neue Bargeld
wurde in allen zwölf Euro-Ländern sehr positiv aufgenommen.
"Und die Idee dieser stabilitätsorientierten Währungsunion und einer gemeinsamen europäischen Währung ist so attraktiv, dass
sich viele Länder außerhalb der Europäischen Union schon bald aktiv am Erfolgsmodell "Euro" beteiligen möchten". Gouverneur Liebscher zeigte sich daher zuversichtlich, dass auch die drei EU-Mitgliedstaaten, die bisher nicht an der Währungsunion teilnehmen, nicht auf Dauer eine Zuschauerrolle einnehmen
wollen.

Die positiven Effekte von Währungsunion und Euro seien für
die Wirtschaft des Euroraumes bereits sehr konkret spürbar. Wechselkursschwankungen und daraus resultierende volkswirtschaftliche Verzerrungen gehören seit 1999 der Vergangenheit an. Darüber hinaus habe der Euro die Transaktionskosten für Handel und Tourismus im Eurogebiet
deutlich reduziert, zu grenzüberschreitender Preistransparenz
und damit Wettbewerb und Effizienz entscheidend beigetragen,
die europäische Kapitalmarktintegration beschleunigt und schließlich auch zu besser koordinierten und
qualitätsorientierten Wirtschaftspolitiken geführt.

Das unabhängige Eurosystem, wie sich die Europäische Zentralbank und die derzeit 12 an der Währungsunion
teilnehmenden nationalen Notenbanken bezeichnen, habe sich, so
der Gouverneur weiter, als stabiler Anker bewährt und seine Handlungsfähigkeit - auch in den schwierigen Zeiten nach dem
11. September 2001 - eindrucksvoll bewiesen. Der EZB-Rat habe
sich mit einer vorausschauenden Geldpolitik unbeirrt am
vorrangigen Ziel der Preisstabilität orientiert, und die rückläufige Inflationsentwicklung im Euroraum bestätige das
auch klar. Im Konjunkturabschwung sei die Wirtschaft des
Euroraums im Jahr 2001 deutlich stärker gewachsen als jene in
den USA. Und der Konjunkturausblick sei durchaus positiv. Nach
einem voraussichtlich noch etwas verhaltenen 1. Quartal 2002
sollte im weiteren Jahresverlauf der Wirtschaftsaufschwung
wieder zunehmend stärker werden.

Gouverneur Liebscher betonte, dass es nun nicht allein an
der Geldpolitik liege, dass die Währungsunion ein Erfolg
bleibt. Auf gesamteuropäischer Ebene bleiben insbesondere die Fiskal- und Strukturpolitik weiter gefordert.

In diesem Sinne begrüße er die verstärkten Koordinationsbemühungen der europäischen Regierungen und
speziell auch die entsprechenden Maßnahmen der
österreichischen Bundesregierung.

Nach der erfolgreichen Realisierung der Währungsunion trete
nun das nächste Zukunftsprojekt der EU stärker in den
Vordergrund: nämlich die Erweiterung der Union. Dieses Integrationsprojekt sei genauso visionär angelegt und füge
sich nahtlos in einen europäischen Integrationsweg ein, der
u.a. einen der weltweit größten Binnenmärkte schuf und mit der Einführung einer gemeinsamen europäischen Währung einen vorläufigen Höhepunkt dieses Integrationsprozesses erreichte.

Der Euro habe sich nicht nur als bedeutendste Weltwährung
neben dem US-Dollar etabliert, sondern auch - als Ausdruck
einer zunehmenden wirtschaftlichen Integration - zu einer Ankerwährung in Mittel- und Osteuropa entwickelt. Aus heutiger Sicht zeichne sich ab, dass eine volle währungspolitische Integration der Beitrittsländer in einem dreistufigen Prozess erfolgen werde: Zunächst werden die Beitrittsländer Mitglieder
der Europäischen Union. Der nächste Schritt auf dem Weg zur Währungsunion ist eine Teilnahme am Wechselkursmechanismus
(WKM II), der auf eine stabilitätsorientierte Währungspolitik abzielt und damit den Konvergenzprozess unterstützt.
Voraussetzung für die Einführung des Euro, also für die volle Teilnahme an der Währungsunion und die Integration der
Zentralbank des Beitrittslandes in das Eurosystem, sei
schließlich die strikte und nachhaltige Erfüllung der im Maastricht-Vertrag festgelegten Konvergenzkriterien. "Ich
plädiere dafür," - so der Gouverneur - " diese
Eintrittskriterien nicht aufzuweichen, aber auch nicht zu verschärfen. Sie sind die Messlatten für eine nachhaltige, stabilitätsorientierte Politik, die natürlich der jeweiligen individuellen Situation der EU-Beitrittskandidaten angepasst
sein muss. Insgesamt gesehen darf also das Integrationstempo
nicht auf Kosten der Qualität gehen."

Wirtschaftspolitisch gesehen bestehe die größte
Herausforderung für diese Staaten darin, die bestmöglichen Rahmenbedingungen für einen zügigen und nachhaltigen
Aufholprozess gegenüber den derzeitigen EU-Mitgliedstaaten zu schaffen. Zahlreiche Analysen kämen zu dem Schluss, dass
sowohl die Kandidatenländer als auch die bisherigen EU-Mitgliedstaaten wirtschaftliche Vorteile von der Erweiterung erwarten können, wobei Österreich wegen der geographischen
Nähe zu Zentral- und Osteuropa relativ stark von dieser
Erweiterung profitieren würde. Die EU-Erweiterung werde zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum, Beschäftigung, Wettbewerbsfähigkeit und Sicherung von Wohlstand und Frieden
in Europa beitragen.

Gouverneur Liebscher resümierte, dass der Euro auch künftig eine zentrale Rolle als Katalysator für die weitere
wirtschaftliche und politische Integration Europas auf dem Weg
zu einer politischen Union, als internationaler
Stabilitätsanker und schließlich auch als Identitätsstifter
für ein offenes, wettbewerbsfähiges und modernes Europa
spielen und damit einen entscheidenden Beitrag zu
internationaler Stabilität leisten werde.

!!! BITTE SPERRFRIST 14.00 Uhr BEACHTEN !!!

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