• 29.01.2002, 09:44:40
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ÖAMTC: Der neue VW Polo im Crashvergleich=

Vier Sterne für den Polo: Gut, aber nicht gut genug

Wien ( ÖAMTC-Presse) - Auch bei den Kleinwagen darf der
Sicherheitsaspekt nicht unter die Räder kommen, obwohl hier die
Entwicklungstechniker noch wesentlich mehr gefordert sind als bei
Mittel- und Oberklasse. "Es klingt zwar wie die sprichwörtliche
Quadratur des Kreises minimale Außenmaße, niedrige Anschaffungs- und
Betriebskosten und dazu ein ähnliches Maß an Sicherheit wie bei
deutlich größeren Fahrzeugen unter einen Hut zu bringen, aber es
gelingt, denn mittlerweile sind Vier-Stern-Autos auch unter den
Kleinen nahezu allgemeiner Standard", weiß ÖAMTC-Cheftechniker Max
Lang.

Jetzt wurde die jüngste Neuerscheinung der Kleinwagenriege, der VW
Polo, nach Euro NCAP-Normen vom ÖAMTC und seinen internationalen
Schwesterclubs gecrasht und sein Crashverhalten mit Fiat Punto, Opel
Corsa, Peugeot 206, Renault Clio, Toyota Yaris und Skoda Fabia
verglichen. Das Erfreuliche daran: Alle Fahrzeuge erreichten vier
Sterne.

Nach Euro NCAP-Normen wird das Versuchsfahrzeug beim Frontalcrash
mit 64 km/h und einer Überdeckung von 40 Prozent auf der Fahrerseite
gegen eine verformbare Barriere geknallt. Zwei Dummies vorne
simulieren zwei Erwachsene und hinten sitzen Kinderdummies in für
deren Größe vorgeschriebenen Kindersitzen. Beim Seitencrash
entspricht ein mit 50 km/h auf der Fahrerseite auftreffender
Crashwagen mit seiner bienenwabenförmigen Frontpartie einem
eindringenden Auto. Durch seine relativ geringe Breite ist die
Belastung für Türverbund und Säulen sehr hoch. Hunderte Messdaten
liefern schließlich die Grundlage für die Benotung in Form einer
Sternewertung, wobei als Ideal fünf Sterne gelten, die bislang aber
erst von einem Modell erreicht wurden.

Der neue VW Polo konnte sich im Vergleich zum Vorgängermodell
sowohl im Front- wie auch im Seitencrash etwas verbessern und
erreichte im Seitencrash sogar mit 16 Punkten die Höchstpunkteanzahl.
Eine moderate und insgesamt gleichmäßige Eindringung bringt im
Zusammenwirken mit den serienmäßigen Seiten-Airbags guten Schutz für
Brust und Becken, der Fahrerkopf schlug gegen die B-Säule, wodurch es
zwar zu keinem Punkteverlust in der Bewertung kam, jedoch eine
ruckartige Verdrehung des Kopfes auftrat. In naher Zukunft soll der
zur Zeit noch aufpreispflichtige Kopf-Airbag serienmäßig sein, dann
sind zusätzlich Verbesserungen zu erwarten.

Weniger gut lief es im Frontalaufprall. Denn da unterscheidet sich
der Polo mit 10 von 16 möglichen Punkten kaum vom alten Modell. Es
zeigte sich nämlich, dass der Gurtstraffer des Fahrers nicht optimal
arbeitete, weil die mittlere Gurtumlenkung ausreißt. Dadurch ergeben
sich höhere Brustbelastungen für den Fahrer. Im Aufprallbereich von
Knie und der ziemlich hoch belasteten Unterschenkel treten weitere
Verletzungsrisiken durch scharfkantige Teile (Lenkradhöhenverstellung
und Lenkschloss) auf. Dieses nicht überwältigende Ergebnis ließ VW
nicht ruhen: Nach gezielten Maßnahmen im Bein-Aufprallbereich - die
ab Mai in Serie gehen sollen - trat ein weiterer Polo zu einem
frontalem Nachtest an. Der Erfolg: 2 Punkte mehr im Frontcrash, das
heißt 28 Punkte gesamt.

Mit jeweils 29 Punkten im Front- und Seitencrash und damit an der
Spitze der getesteten Kleinwagen liegen der Toyota Yaris und der Opel
Corsa:

Der Toyota Yaris, das "Auto des Jahres 2000", erreichte im
Seitencrash auch ohne die - im Testwagen noch nicht vorhandenen -
Seiten-Airbags die Höchstpunkteanzahl, der Kopf des Dummies trifft
auf keinerlei harte Teile. Auch beim frontalen Aufprall auf die
Crashbarriere blieben die Belastungen an Kopf und Brust gering, die
relativ früh öffnenden Airbags schützten im Zusammenwirken mit den
Gurtstraffern nahezu optimal.

Der homogene Vorbau des Opel Corsa leitet die Aufprallenergie
großflächig in die formstabile Fahrgastzelle über. Die Airbags
stützen Kopf, Hals und Brust von Fahrer und Beifahrer jeweils bestens
ab. Positiv die gleichmäßige, aber etwas zu hohe Brustbelastung, ein
Zeichen für die gute Verteilung der Energie über den Vorbau. Bestens
entschärfte Aufprallbereiche für Knie und Schenkel sowie das
Pedal-Release-System - Kupplungs- und Bremspedal klinken aus ihren
Halterungen - bedeuten kaum ein Verletzungsrisiko. Beim Seitencrash
treten Belastungen auf, die im Bereich des Fahrerbeckens trotz
Seiten-Airbags ihr Maximum erreichen. Kopf- und Brust werden dagegen
nur moderat belastet.

Während Toyota Yaris und Opel Corsa besser liegen als der VW Polo,
liegen Fiat Punto, Renault Clio und Skoda Fabia mit 26 Punkten bei
Front- und Seitencrash jeweils 2 Punkte zurück.

Der Fiat Punto leistete sich in keinem Bereich gravierende
Schwächen. Zum Test musste er noch ohne Seiten-Airbags antreten, denn
die gab es nur als kostenpflichtiges Extra. Besonders eindrucksvoll
das exzellente Verhalten des Punto im Seitencrash, der ohne
Seiten-Airbags hier die Idealnote 16 erreichte.

Auch der Renault Clio bewährt sich im Seitencrash - ohne
Seiten-Airbags - und schneidet recht gut ab. Ein Schaumstoffblock in
der Tür bremst die Belastungen im Beckenbereich. Im Frontalaufprall
ist die Brustbelastung des Fahrers, und wie beim Polo die des linken
Beines, ziemlich hoch. Besonders lobenswert: die speziellen
Renault-Kindersitze.

Der Skoda Fabia schützt seine Insassen im Frontalaufprall
ausgezeichnet, lediglich die Oberschenkel des Fahrers werden durch
harte Strukturen unter dem Armaturenbrett verletzt. Auch im
Seitencrash verhält sich der Fabia recht gut, der Kopf des Fahrers
bekommt nur schwach Kontakt mit der gut gepolsterten Türsäule. Bauch
und Becken werden durch die eindringende Türverkleidung etwas
belastet.

Mit 25 Punkten im Front- und Seitencrash erreicht der Peugeot 206
nur knapp den vierten Stern. Trotzdem bietet er insgesamt einen sehr
guten Unfallschutz, lediglich die Knie können auf härtere Teile
unterm Armaturenbrett aufschlagen. Trotz Gurtkraftbegrenzern waren
die Belastungswerte für die Brust etwas hoch. Das Bremspedal
gefährdet die Füße. Auch beim Seitencrash bleibt das
Verletzungsrisiko bis auf etwas erhöhte Werte im Beckenbereich
relativ niedrig.

Aviso an die Redaktionen:
Grafiken und Fotos zu den Crashtests finden Sie im
ÖAMTC-Foto-Service, das Sie ebenso wie die ÖAMTC-Presseaussendungen
im Internet unter www.oeamtc.at/presse abrufen können.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Hannes Kerschl

Rückfragehinweis: ÖAMTC Pressestelle

Tel.: (01) 711 99-1218

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OCP/OCP

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