ÖAMTC: Der neue VW Polo im Crashvergleich

Vier Sterne für den Polo: Gut, aber nicht gut genug

Wien ( ÖAMTC-Presse) - Auch bei den Kleinwagen darf der Sicherheitsaspekt nicht unter die Räder kommen, obwohl hier die Entwicklungstechniker noch wesentlich mehr gefordert sind als bei Mittel- und Oberklasse. "Es klingt zwar wie die sprichwörtliche Quadratur des Kreises minimale Außenmaße, niedrige Anschaffungs- und Betriebskosten und dazu ein ähnliches Maß an Sicherheit wie bei deutlich größeren Fahrzeugen unter einen Hut zu bringen, aber es gelingt, denn mittlerweile sind Vier-Stern-Autos auch unter den Kleinen nahezu allgemeiner Standard", weiß ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang.

Jetzt wurde die jüngste Neuerscheinung der Kleinwagenriege, der VW Polo, nach Euro NCAP-Normen vom ÖAMTC und seinen internationalen Schwesterclubs gecrasht und sein Crashverhalten mit Fiat Punto, Opel Corsa, Peugeot 206, Renault Clio, Toyota Yaris und Skoda Fabia verglichen. Das Erfreuliche daran: Alle Fahrzeuge erreichten vier Sterne.

Nach Euro NCAP-Normen wird das Versuchsfahrzeug beim Frontalcrash mit 64 km/h und einer Überdeckung von 40 Prozent auf der Fahrerseite gegen eine verformbare Barriere geknallt. Zwei Dummies vorne simulieren zwei Erwachsene und hinten sitzen Kinderdummies in für deren Größe vorgeschriebenen Kindersitzen. Beim Seitencrash entspricht ein mit 50 km/h auf der Fahrerseite auftreffender Crashwagen mit seiner bienenwabenförmigen Frontpartie einem eindringenden Auto. Durch seine relativ geringe Breite ist die Belastung für Türverbund und Säulen sehr hoch. Hunderte Messdaten liefern schließlich die Grundlage für die Benotung in Form einer Sternewertung, wobei als Ideal fünf Sterne gelten, die bislang aber erst von einem Modell erreicht wurden.

Der neue VW Polo konnte sich im Vergleich zum Vorgängermodell sowohl im Front- wie auch im Seitencrash etwas verbessern und erreichte im Seitencrash sogar mit 16 Punkten die Höchstpunkteanzahl. Eine moderate und insgesamt gleichmäßige Eindringung bringt im Zusammenwirken mit den serienmäßigen Seiten-Airbags guten Schutz für Brust und Becken, der Fahrerkopf schlug gegen die B-Säule, wodurch es zwar zu keinem Punkteverlust in der Bewertung kam, jedoch eine ruckartige Verdrehung des Kopfes auftrat. In naher Zukunft soll der zur Zeit noch aufpreispflichtige Kopf-Airbag serienmäßig sein, dann sind zusätzlich Verbesserungen zu erwarten.

Weniger gut lief es im Frontalaufprall. Denn da unterscheidet sich der Polo mit 10 von 16 möglichen Punkten kaum vom alten Modell. Es zeigte sich nämlich, dass der Gurtstraffer des Fahrers nicht optimal arbeitete, weil die mittlere Gurtumlenkung ausreißt. Dadurch ergeben sich höhere Brustbelastungen für den Fahrer. Im Aufprallbereich von Knie und der ziemlich hoch belasteten Unterschenkel treten weitere Verletzungsrisiken durch scharfkantige Teile (Lenkradhöhenverstellung und Lenkschloss) auf. Dieses nicht überwältigende Ergebnis ließ VW nicht ruhen: Nach gezielten Maßnahmen im Bein-Aufprallbereich - die ab Mai in Serie gehen sollen - trat ein weiterer Polo zu einem frontalem Nachtest an. Der Erfolg: 2 Punkte mehr im Frontcrash, das heißt 28 Punkte gesamt.

Mit jeweils 29 Punkten im Front- und Seitencrash und damit an der Spitze der getesteten Kleinwagen liegen der Toyota Yaris und der Opel Corsa:

Der Toyota Yaris, das "Auto des Jahres 2000", erreichte im Seitencrash auch ohne die - im Testwagen noch nicht vorhandenen -Seiten-Airbags die Höchstpunkteanzahl, der Kopf des Dummies trifft auf keinerlei harte Teile. Auch beim frontalen Aufprall auf die Crashbarriere blieben die Belastungen an Kopf und Brust gering, die relativ früh öffnenden Airbags schützten im Zusammenwirken mit den Gurtstraffern nahezu optimal.

Der homogene Vorbau des Opel Corsa leitet die Aufprallenergie großflächig in die formstabile Fahrgastzelle über. Die Airbags stützen Kopf, Hals und Brust von Fahrer und Beifahrer jeweils bestens ab. Positiv die gleichmäßige, aber etwas zu hohe Brustbelastung, ein Zeichen für die gute Verteilung der Energie über den Vorbau. Bestens entschärfte Aufprallbereiche für Knie und Schenkel sowie das Pedal-Release-System - Kupplungs- und Bremspedal klinken aus ihren Halterungen - bedeuten kaum ein Verletzungsrisiko. Beim Seitencrash treten Belastungen auf, die im Bereich des Fahrerbeckens trotz Seiten-Airbags ihr Maximum erreichen. Kopf- und Brust werden dagegen nur moderat belastet.

Während Toyota Yaris und Opel Corsa besser liegen als der VW Polo, liegen Fiat Punto, Renault Clio und Skoda Fabia mit 26 Punkten bei Front- und Seitencrash jeweils 2 Punkte zurück.

Der Fiat Punto leistete sich in keinem Bereich gravierende Schwächen. Zum Test musste er noch ohne Seiten-Airbags antreten, denn die gab es nur als kostenpflichtiges Extra. Besonders eindrucksvoll das exzellente Verhalten des Punto im Seitencrash, der ohne Seiten-Airbags hier die Idealnote 16 erreichte.

Auch der Renault Clio bewährt sich im Seitencrash - ohne Seiten-Airbags - und schneidet recht gut ab. Ein Schaumstoffblock in der Tür bremst die Belastungen im Beckenbereich. Im Frontalaufprall ist die Brustbelastung des Fahrers, und wie beim Polo die des linken Beines, ziemlich hoch. Besonders lobenswert: die speziellen Renault-Kindersitze.

Der Skoda Fabia schützt seine Insassen im Frontalaufprall ausgezeichnet, lediglich die Oberschenkel des Fahrers werden durch harte Strukturen unter dem Armaturenbrett verletzt. Auch im Seitencrash verhält sich der Fabia recht gut, der Kopf des Fahrers bekommt nur schwach Kontakt mit der gut gepolsterten Türsäule. Bauch und Becken werden durch die eindringende Türverkleidung etwas belastet.

Mit 25 Punkten im Front- und Seitencrash erreicht der Peugeot 206 nur knapp den vierten Stern. Trotzdem bietet er insgesamt einen sehr guten Unfallschutz, lediglich die Knie können auf härtere Teile unterm Armaturenbrett aufschlagen. Trotz Gurtkraftbegrenzern waren die Belastungswerte für die Brust etwas hoch. Das Bremspedal gefährdet die Füße. Auch beim Seitencrash bleibt das Verletzungsrisiko bis auf etwas erhöhte Werte im Beckenbereich relativ niedrig.

Aviso an die Redaktionen:
Grafiken und Fotos zu den Crashtests finden Sie im ÖAMTC-Foto-Service, das Sie ebenso wie die ÖAMTC-Presseaussendungen im Internet unter www.oeamtc.at/presse abrufen können.

(Schluss)
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