DER STANDARD-Kommentar: "Auszählreime" (von Harald Fidler) - Erscheinungstag 26.1.2002

Wien (OTS) - Von seinem Wiener Parteikollegen Hilmar Kabas unterscheidet Peter Westenthaler offenbar das Bemühen um Sinn. Kabas reimte zur Verteidigung eher beliebig drauflos, nachdem er den Bundespräsidenten "Lump" geheißen hatte. Noch immer sind wir für die Wortschöpfungen "Hump" und "Dump" dankbar.

Der FP-Klubobmann indes pfiff auf Fantasie und machte aus der Drohung mit "Stunk" für ORF-Journalisten die angebliche "Drohung" mit SP-Bundesrätin Melitta Trunk als Diskutantin. Nach Glaubwürdigkeit steht es zwischen Kabas und Klubchef klar unentschieden. Darauf deutet auch Westenthalers Wortwahl für die wehrhaften ORF-Redakteure hin: "Irre" nennt er sie. Gemeint hat er gewiss, er wiese denen auch bei der nächsten Einladung die Türe. Oder hat - schlag nach bei Kabas - Knirre ins Telefon geknurrt.

Dumperweise nur ist die Causa selbst alles andere als heiter. Die neue ORF-Generaldirektorin verhandelt gerade eifrig über jenes Führungsteam, das sie am 8. Februar ihrem Stiftungsrat vorschlägt. Dort braucht sie eine Mehrheit - wohl wie bei ihrer eigenen Wahl von Schwarz und Blau. Da duckt man sich rasch, kommt es zu solchen Gefechten.

Was danach auf den unteren Führungsebenen passieren soll, lässt Westenthalers Ansatz zum Auszählreim im veröffentlichten Protokoll erkennen: "Ich komme erst wieder, wenn die Frage (Redaktionsleiter Johannes, Anm.) Fischer beendet ist."

Hätten die ORF-Redakteure doch schon früher veröffentlicht, nicht in den vergangenen Jahren nur damit gedroht. Wir könnten ermessen, wie brutal nun vorgegangen wird im Vergleich zu Begehrlichkeiten früherer Regierungspolitiker. Ein Unterschied ist gewiss: Die haben dabei wenigstens nicht gereimt.

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