- 25.01.2002, 17:23:01
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DER STANDARD-Kommentar: "Auszählreime" (von Harald Fidler) - Erscheinungstag 26.1.2002=
Wien (OTS) - Von seinem Wiener Parteikollegen Hilmar Kabas
unterscheidet Peter Westenthaler offenbar das Bemühen um Sinn. Kabas
reimte zur Verteidigung eher beliebig drauflos, nachdem er den
Bundespräsidenten "Lump" geheißen hatte. Noch immer sind wir für die
Wortschöpfungen "Hump" und "Dump" dankbar.
Der FP-Klubobmann indes pfiff auf Fantasie und machte aus der
Drohung mit "Stunk" für ORF-Journalisten die angebliche "Drohung" mit
SP-Bundesrätin Melitta Trunk als Diskutantin. Nach Glaubwürdigkeit
steht es zwischen Kabas und Klubchef klar unentschieden. Darauf
deutet auch Westenthalers Wortwahl für die wehrhaften ORF-Redakteure
hin: "Irre" nennt er sie. Gemeint hat er gewiss, er wiese denen auch
bei der nächsten Einladung die Türe. Oder hat - schlag nach bei Kabas
- Knirre ins Telefon geknurrt.
Dumperweise nur ist die Causa selbst alles andere als heiter. Die
neue ORF-Generaldirektorin verhandelt gerade eifrig über jenes
Führungsteam, das sie am 8. Februar ihrem Stiftungsrat vorschlägt.
Dort braucht sie eine Mehrheit - wohl wie bei ihrer eigenen Wahl von
Schwarz und Blau. Da duckt man sich rasch, kommt es zu solchen
Gefechten.
Was danach auf den unteren Führungsebenen passieren soll, lässt
Westenthalers Ansatz zum Auszählreim im veröffentlichten Protokoll
erkennen: "Ich komme erst wieder, wenn die Frage (Redaktionsleiter
Johannes, Anm.) Fischer beendet ist."
Hätten die ORF-Redakteure doch schon früher veröffentlicht, nicht
in den vergangenen Jahren nur damit gedroht. Wir könnten ermessen,
wie brutal nun vorgegangen wird im Vergleich zu Begehrlichkeiten
früherer Regierungspolitiker. Ein Unterschied ist gewiss: Die haben
dabei wenigstens nicht gereimt.
Rückfragehinweis: Der Standard
Tel.: (01) 531 70/428
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