Neuer Kollektivvertrag für das Arbeitskräfteüberlassungsgewerbe

Arbeitgeber und Arbeitnehmer sprechen von "großem Durchbruch" -Leitl und Verzetnitsch als Taufpaten für das erste "Baby" der Sozialpartnerschaft im Jahr 2002

Wien WKÖ/GMT-ÖGB (PWK026) - Nach mehrjährigen Verhandlungen präsentierten Vertreter der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer des Gewerbes für Arbeitskräfteüberlassung den neuen Kollektivvertrag für die betroffenen Arbeiter.

Bisher galt für die Grundentlohnung der überlassenen Arbeiter das Arbeitskräfteüberlassungsgesetz. Der neue Kollektivvertrag tritt mit Übergangsfristen in einigen Bereichen am 1. März 2002 in Kraft. Wesentliche Inhalte des neuen Kollektivvertrages sind: Die Bezahlung der überlassenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird durch den Kollektivvertrag erstmals ganz klar geregelt.

Auch für die Stehzeiten wurden klare Regelungen vereinbart, einerseits bezüglich der Entlohnung, andererseits haben die KV-Partner ein Kündigungsverbot von 5 Tagen ab Ende einer Überlassung vereinbart. Weitere klare Regelungen gibt es im Bereich der Dienstreisen, wobei die bisherige Benachteiligung der überlassenen Arbeitnehmer bezüglich der Besteuerung beseitigt werden konnte.

Bisher gab es für überlassene Arbeiterinnen und Arbeiter von Einsatz zu Einsatz schwankende Regelungen über Sonderzahlungen. Der neue Kollektivvertrag regelt nun erstmals einheitlich für diese Beschäftigtengruppe Weihnachts- und Urlaubsgeld. Die Sonderzahlungen werden auf Basis des Durchschnitts der letzten 6 Monate, beides jeweils inkl. Überstunden, berechnet. Der Kollektivvertrag tritt mit 1. März 2002 in Kraft.

Der Kollektivvertrag gilt für rund 27.300 Arbeiter im Arbeitskräfteüberlassungsgewerbe.
Von den 12.766 überlassenen Arbeiterinnen und Arbeitern der Industrie waren 9.916 oder 77,7% in den Branchen Metall, Erdöl, EVU, Bergbau, Textil, Bekleidung, Leder tätig (die Kollektivverträge dieser Branchen liegen allesamt im Zuständigkeitsbereich der Gewerkschaft Metall -Textil). 1.035 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wurden in der Chemischen Industrie eingesetzt. Im Gewerbe waren von 9.755 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern 5.368 oder 55% in Branchen des Metallgewerbe-Kollektivvertrages, 1.941 wurden in der Baubranche überlassen.

"In einem konstruktiven Gesprächsklima haben die Berufsgruppe der Personalbereitsteller im Allgemeinen Fachverband der Wirtschaftskammer Österreich und die Gewerkschaft Metall - Textil einen richtungsweisenden Kollektivvertrag für die Berufsgruppe der Arbeitskräfteüberlasser erarbeitet, der maximale Transparenz und soziale Absicherung für die Arbeitnehmer und die Kunden der Arbeitskräfteüberlasser bietet", erklärte Hermenegilde Fucker, Vorsitzende der Berufsgruppe der Personalbereitsteller im Allgemeinen Fachverband. Metallervorsitzender Rudolf Nürnberger sprach von einem "großen Durchbruch, sowohl für die Unternehmen wie auch für die Beschäftigten. Es gibt erstmals ganz klare und unmissverständliche Regelungen".

Die Kollektivvertragspartner stellten nach der Unterzeichnung übereinstimmend fest, dass der Abschluss kein leichter war. Nürnberger: "Wir haben viele Jahre, oft unter schwierigen Bedingungen, um den Abschluss dieses für über 27.000 Arbeiter so wichtigen Kollektivvertrages gerungen. Der heute vorliegende Vertrag ist eine gute Basis für eine gesunde Entwicklung der gesamten Branche - Unternehmen und Beschäftigte".

Die Vertreterin der Arbeitgeberseite wies besonders auf die richtungsweisenden Vereinbarungen über flexible Arbeitszeiten hin und zeigte sich zuversichtlich, dass mit dem neuen Kollektivvertrag auch das noch gelegentlich bestehende negative Image der Branche verbessert und eine neuerliche Marktbereinigung in Gang gesetzt wird. "Denn der Kollektivvertrag schafft Rechtssicherheit für beide Seiten. Dem Aufschwung dieser Branche in Österreich, die europaweit noch eines der Schlusslichter darstellt, sollte nun nichts mehr im Wege stehen", so Fucker.

Prominente Taufpaten für das erste "Baby" der Sozialpartnerschaft im Jahr 2002 waren Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl und ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch. Leitl wies darauf hin, dass gerade auch mit dem Instrument des Kollektivvertrages eine offensive Standortpolitik betrieben werden kann. Den richtungsweisenden Abschluss bezeichnete der Wirtschaftskammer-Präsident als "Beispiel einer soliden, seriösen Arbeit der Sozialpartner, auf die sich die Menschen verlassen können". Für ÖGB-Präsident Verzetnitsch ist das Verhandlunsgergebnis ein "gerade auf europäischer Ebene herzeigbarer Kollektivvertrag", der nicht nur Sicherheit für die Beschäftigten, sondern auch einschätzbare Parameter für eine Branche mit besonders hohem Flexibilitäts-Potential schaffe. Gleichzeitig sei man der Angleichung Arbeiter/Angestellte wieder einen Schritt näher gekommen. (MH)

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