- 14.01.2002, 17:49:49
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KORRIGIERTE NEUFASSUNG der OTS0161 von heute - DER STANDARD-Bericht: "Wie man zu EU-Geldern kommt - Ausgliederung der Artothek: Die Grünen vermuten Missbrauch" - Erscheinungstag 15.1.2002 - (von Thomas Trenkler)
Wien (OTS) - Die Öffentlichkeit wurde nicht informiert, es gab
auch keine echte Ausschreibung: Im Mai 2001 suchte das
Kunststaatssekretariat einen Interessenten für die Verwaltung der
Artothek (26.000 Objekte mit einem Wert von 13,6 Millionen Euro). Bis
Ende Juni war das Anbot zu stellen.
Wie berichtet, erhielt die Gesellschaft zur Förderung der
Digitalisierung des Kulturguts den Zuschlag. Dieser Verein existierte
aber zum Zeitpunkt der Interessentensuche noch gar nicht: Die
Gründung fand erst am 11. September statt. Zudem ist er bis heute
nicht aktiv: Die Statuten werden derzeit ausgearbeitet, die
Gründungsversammlung erfolgt erst in einigen Wochen. Die Gesellschaft
hat aber bereits mit 1. Jänner die Digitalisierung der Kunstwerke
übernommen, wie Geschäftsführer Christian Pultar bestätigt.
Pultars Verein erhielt den Zuschlag, weil er Mittel aus dem
EU-Programm Equal lukrieren konnte. Und zwar 50.000 Euro für die
Startphase - mit guter Chance, in den nächsten drei Jahren 500.000
bis eine Million Euro zu erhalten. Sofern er von einem Sozialpartner
unterstützt wird.
Die Standard-Recherche animierte den Grünen Abgeordneten Karl
Öllinger, der Sache nachzugehen: Er vermutet einen "Missbrauch einer
EU-Initiative", die in erster Linie den Sinn hat, neue Arbeitsplätze
ohne Diskriminierung zu schaffen.
Als Partner gibt das CV-Mitglied Pultar die WWV Partner
SteuerberatungsgmbH an. Sie hat die gleiche Adresse und Telefonnummer
wie der ominöse Digitalisierungsverein, der laut Einreichung 10 bis
50 Mitarbeiter hat, tatsächlich aber nur aus den sechs
Gründungsmitgliedern besteht. Pultar ist Teilhaber der WWV.
Als dritter Partner wird Kucera"s Fotostudio in der Wiener
Porzellangasse angeführt. Der Ansprechpartner ist ein Teilhaber
namens Kurt Pultar, die Telefonnummer aber wieder die gleiche: Alle
Fäden enden bei Christian Pultar.
Zudem seien das Fotostudio und die WWV "private Organisationen
ohne Erwerbscharakter". Was Karl Öllinger nicht glauben kann, da sie
doch GmbHs sind. Was aber notwendig ist für das EU-Geld: Das Projekt
läuft unter dem Strang "Stärkung der Sozialwirtschaft/Dritter
Sektor". Die Grünen bringen eine parlamentarische Anfrage ein.
Rückfragehinweis: Der Standard
Tel.: (01) 531 70/428
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