"Testlauf für den Autokauf via Supermarkt" von Erwin Frasl

Kommentar - WirtschaftsBlatt

Wien (OTS) - Die ersten Vorboten einer Revolution im Autohandel erreichen in diesen Tagen die Konsumenten in Österreich. Die zum deutschen Rewe-Konzern gehörende Lebensmittelkette Merkur will ihre 450.000 Stammkunden in diesem Jahr mit einem Kaufangebot für einen besonders preisgünstigen VW Golf belohnen. Im benachbarten Deutschland hatte die Edeka-Gruppe, die in Österreich mittlerweile Adeg aufgekauft hat, im Vorjahr mit dem Autoverkauf im Supermarkt begonnen und prompt einen Aufstand von Autoindustrie und -handel ausgelöst. Der Widerstand wurde so gross, dass Edeka den Autoverkauf in seinen Diskontmärkten wieder eingestellt hat.

Nun testet die BML-Gruppe (Mondo, Billa, Merkur, Bipa und Andert) über den Kundenclub "Friends of Merkur" erstmals die Bereitschaft der Österreicher, über eine Lebensmittelkette auch Autos zu erwerben. Denn auf Dauer wird diese Vertriebsform nicht aufzuhalten sein. Schliesslich verstärkt die EU-Kommission den Druck auf die Autobranche in der EU. Ihr sind die extremen Preisunterschiede bei Autos in Europa, die nur bedingt durch unterschiedliche Steuersätze erklärt werden können, schon lange ein Dorn im Auge. Mit der nunmehrigen Vollendung der Euro-Einführung in den zwölf Ländern der Eurozone werden diese Preisunterschiede natürlich jetzt besonders deutlich sichtbar.

Die EU-Kommission steuert daher verstärkt auf eine Lösung hin, bei der Autohändler in der EU letztendlich möglichst viele verschiedene Marken verkaufen können, ohne von der Autoindustrie behindert werden zu dürfen. Mit dem Ende des Gebiets- und Markenschutzes im Autohandel, wie er derzeit de facto besteht, wird der Autoverkauf natürlich für die Lebensmittelketten besonders attraktiv.

Auf Grund ihrer Nachfragemacht werden sie in der Lage sein, Autos von der Industrie zu Konditionen einzukaufen, die der traditionelle Autohandel nicht schaffen kann (es sei denn, er bündelt seine Kräfte). Denken wir nur kurz an die Grössenordnungen, um die es hier geht: Allein die Rewe-Gruppe verfügt in Europa über 12.000 Märkte mit rund 180.000 Mitarbeitern und einem Gruppenumsatz von 37 Milliarden Euro. Wenn derartige Handelsunternehmen in den Autoverkauf einsteigen, dann bleibt im europäischen Autohandel kein Stein auf dem anderen.

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