• 14.01.2002, 16:45:02
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"Testlauf für den Autokauf via Supermarkt" von Erwin Frasl

Kommentar - WirtschaftsBlatt

Wien (OTS) - Die ersten Vorboten einer Revolution im Autohandel
erreichen in diesen Tagen die Konsumenten in Österreich. Die zum
deutschen Rewe-Konzern gehörende Lebensmittelkette Merkur will ihre
450.000 Stammkunden in diesem Jahr mit einem Kaufangebot für einen
besonders preisgünstigen VW Golf belohnen. Im benachbarten
Deutschland hatte die Edeka-Gruppe, die in Österreich mittlerweile
Adeg aufgekauft hat, im Vorjahr mit dem Autoverkauf im Supermarkt
begonnen und prompt einen Aufstand von Autoindustrie und -handel
ausgelöst. Der Widerstand wurde so gross, dass Edeka den Autoverkauf
in seinen Diskontmärkten wieder eingestellt hat.

Nun testet die BML-Gruppe (Mondo, Billa, Merkur, Bipa und Andert)
über den Kundenclub "Friends of Merkur" erstmals die Bereitschaft der
Österreicher, über eine Lebensmittelkette auch Autos zu erwerben.
Denn auf Dauer wird diese Vertriebsform nicht aufzuhalten sein.
Schliesslich verstärkt die EU-Kommission den Druck auf die
Autobranche in der EU. Ihr sind die extremen Preisunterschiede bei
Autos in Europa, die nur bedingt durch unterschiedliche Steuersätze
erklärt werden können, schon lange ein Dorn im Auge. Mit der
nunmehrigen Vollendung der Euro-Einführung in den zwölf Ländern der
Eurozone werden diese Preisunterschiede natürlich jetzt besonders
deutlich sichtbar.

Die EU-Kommission steuert daher verstärkt auf eine Lösung hin, bei
der Autohändler in der EU letztendlich möglichst viele verschiedene
Marken verkaufen können, ohne von der Autoindustrie behindert werden
zu dürfen. Mit dem Ende des Gebiets- und Markenschutzes im
Autohandel, wie er derzeit de facto besteht, wird der Autoverkauf
natürlich für die Lebensmittelketten besonders attraktiv.

Auf Grund ihrer Nachfragemacht werden sie in der Lage sein, Autos
von der Industrie zu Konditionen einzukaufen, die der traditionelle
Autohandel nicht schaffen kann (es sei denn, er bündelt seine
Kräfte). Denken wir nur kurz an die Grössenordnungen, um die es hier
geht: Allein die Rewe-Gruppe verfügt in Europa über 12.000 Märkte mit
rund 180.000 Mitarbeitern und einem Gruppenumsatz von 37 Milliarden
Euro. Wenn derartige Handelsunternehmen in den Autoverkauf
einsteigen, dann bleibt im europäischen Autohandel kein Stein auf dem
anderen.

Rückfragehinweis:

WirtschaftsBlatt
Tel.: 01/919 19-305

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/PWB/OTS

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