- 04.01.2002, 16:29:46
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WirtschaftsBlatt-Kommentar: Haider führt unverdrossen die Kriege von vorvorgestern (von Erwin Frasl)
Wien (OTS) - Nahezu mit Verbissenheit sucht der Kärntner
Landeshauptmann nach Möglichkeiten der Selbstzerstörung. Jüngstes
Beispiel dafür ist der Wirbel, den Jörg Haider in Sachen
zweisprachiger Ortstafeln für Kärnten inszeniert. Mittlerweile dürfte
er der Einzige sein, der nicht merkt, wie er sich mit der Absicht
lächerlich macht, auf Autobahnschildern Ljubljana zu Laibach zu
machen. Während Haider unverdrossen die politischen Kriege von
vorvorgestern führt, zeigt die jüngste gelungene Einführung des
Euro-Bargeldes, dass die Österreicher mit Freude und Engagement an
der Modernisierung Europas teilnehmen wollen. In diesem modernen
Europa zählen die kulturellen Fähigkeiten der Minderheiten zu den
ungehobenen Schätzen dieses Kontinents. Das weiss die Wirtschaft nur
allzu gut. Denn zahlreiche Unternehmen suchen intensiv nach
Mitarbeitern, die sowohl Deutsch als auch eine osteuropäische Sprache
wie Tschechisch, Slowakisch, Ungarisch, Kroatisch, Slowenisch oder
Polnisch sprechen, um von den Chancen der Ost-Erweiterung der
Europäischen Union profitieren zu können. Schon jetzt können
Unternehmen zu viele Geschäftsmöglichkeiten gar nicht nützen, weil
ihnen Mitarbeiter fehlen, die Slowenisch, Tschechisch oder eine
andere osteuropäische Sprache beherrschen, wie etwa ein Exportseminar
von WirtschaftsBlatt und Wirtschaftskammer deutlich gezeigt hat. Um
diesem Mangel abzuhelfen, startet etwa der Präsident des Freien
Wirtschaftsverbandes, René A. Haiden, einen Grenzland-Verein, der in
den Grenzregionen unter anderem Sprachkurse organisiert, um gemeinsam
mit den Nachbarn Vorteile aus der Ost-Erweiterung der EU ziehen zu
können. Mit seinen slowenisch sprechenden Kärntnern hat das
wirtschaftlich ohnehin schwache Kärnten einen enormen
Wettbewerbsvorteil, der durch den Beitritt Sloweniens zur EU noch
verstärkt wird. Immerhin müssen Ober- und Niederösterreicher erst
mühsam Tschechisch lernen, um mit den Nachbarn ins Geschäft zu
kommen, weil hier entsprechende zweisprachige Minderheiten als
Brückenbildner fehlen. Vielleicht könnten die Landeshauptleute der
anderen Bundesländer ihrem Kärntner Kollegen die Absurdität seines
Ortstafelkampfes klarmachen, indem sie alle Ortstafeln nicht zwei-,
sondern sogar dreisprachig beschriften und Haider damit zeigen, dass
das im Europa von heute gar nicht wehtut. (Schluss) ejf
Rückfragehinweis: WirtschafsBlatt
Redaktionstel. 91919-305
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