• 03.01.2002, 20:37:36
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"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Alles auf einmal geht nicht

Ausgabe vom 04.01.2002

So ernst die Ängste der Menschen genommen werden müssen, politisch
ist es ein einziger Eiertanz. Das Thema Atomstrom und grenznahe
Atomkraftwerke wird, wenn"s nicht so traurig wäre, zur Farce.
Hauptdarsteller sind alle Parteien querdurch. Was gestern von der
österreichischen Innenpolitik präsentiert wurde, ist eine Entlarvung.

Während die Parteien durch die Bank die Bevölkerung ermuntern,
möglichst laut gegen den bösen Atomstrom - vor allem den aus dem
Osten - zu schreien, macht die Regierung den Atomstrom aus
"Kraftwerksruinen" in Österreich per Verordnung "salonfähig". Es ist
dabei aber keineswegs so, dass die Linke nicht weiß, was die Rechte
tut - es weiß offenbar niemand mehr, was wer tut. Oder es darf halt
nicht öffentlich gewusst werden, was ja ohnehin alle wissen, die noch
bei Sinnen sind. Nur, wer ist bei Sinnen?

Gleichzeitig werden die Österreicher angehalten, gegen den Atomstrom
von Temelin volkszubegehren, und der Wirtschaftsminister verordnet
genau jenen Atomstrom-Import, vor dem die Temelin-Bewegten Angst
haben. Es ist mehr als grotesk. Die tatsächlichen Probleme der
Atomenergie werden bei all dem nicht nur nicht angesprochen, sondern
verschleiert. Warum? Nur so kann die Politik ihre eigene Unfähigkeit
verschleiern, eben diese Probleme auf europäischer Ebene wirklich zu
lösen. Die politischen Parteien sehen sich mehr oder weniger hin und
hergerissen zwischen Vernunft und Populismus, zwischen Angst und
Ignoranz. Alles auf einmal geht nicht. Auch die Politik wird sich
entscheiden müssen.

Rückfragehinweis: Kärntner Tageszeitung

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