- 03.01.2002, 16:47:55
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WirtschaftsBlatt - Kommentar: Die Lehren aus dem Fall Elsner (von Peter Muzik)
Wien (OTS) - Die Meldung, dass sich Bawag-Generaldirektor Helmut
Elsner eine Pensionsabfindung in Höhe von 3,63 Millionen Euro
auszahlen hat lassen, sorgte zwar knapp vor Jahresende für einige
Empörung - doch das Thema war rasch wieder vom Tisch. Und das ist
schade, weil es sich dabei mit Sicherheit nicht um einen Einzelfall
gehandelt hat. Vielmehr gibt es eine Reihe von durchaus bekannten und
durchaus erfolgreichen Topmanagern, die sich damals wegen des
Wegfalls steuerlicher Begünstigungen ebenfalls vorzeitig mit
namhaften Beträgen abfinden liessen. Rein rechtlich war das - das ist
hier in aller Deutlichkeit fest zu halten - in allen Fällen völlig in
Ordnung, also legal und gesetzeskonform; in moralischer Hinsicht
waren diese Aktionen allerdings nicht gerade wasserdicht.
Es schaut halt schon sehr blöd aus, wenn ausgerechnet der Boss
einer gewerkschaftsnahen Bank in so einer Affäre die Hauptrolle
spielt; und optisch macht es sich gar nicht gut, dass sich etliche
Spitzenmanager von Versicherungen, Kreditinstituten oder staatsnahen
Grossbetrieben ebenfalls an diesem Privilegienzirkus beteiligt haben.
Es geht hier - um Missverständnissen vorzubeugen - sicher nicht
darum, dass Elsner und andere steuerliche Nutzniesser überhaupt
solche Abfindungen bekamen - immerhin haben sie für ihre Unternehmen
entsprechende Leistungen erbracht; es geht auch nicht um die konkrete
Höhe der Abfindung - ein Manager, der jahrelang sein Unternehmen
erfolgreich führt, soll durchaus Länge mal Breite verdienen und
zusätzliche Privilegien haben dürfen; es geht einzig und allein um
das Faktum, WIE solche Dinge stets entschieden werden - nämlich
vollkommen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne jede
Transparenz, was sie leider automatisch mit dem Geruch von Obszönität
behaftet. Natürlich ist klar, dass man so diskrete Vereinbarungen wie
Dienstverträge von Generaldirektoren, vor allem, wenn es um
Privatfirmen geht, nicht in totaler Offenheit, quasi coram publico,
behandeln kann. Genau deshalb wäre es wichtig, wenn eine neutrale
Kontrollinstanz wie etwa der Rechnungshof in brisanten Fällen à la
Elsner eingeweiht wäre. Leider ein frommer Wunsch: Schon die rund
6000 Spitzenverdiener im öffentlichen Dienst und in staatsnahen
Betrieben, die ihre Gagen demnächst öffentlich bekannt geben sollen,
wehren sich mit allen Mitteln dagegen ...
Rückfragehinweis: WirtschaftsBlatt
Redaktion
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