- 22.12.2001, 18:54:45
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Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik
Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Wir haben uns losgekauft
Utl.: Ausgabe vom 23. Dez. 2001=
Klagenfurt (OTS) - Wir haben es überstanden. Wer morgen noch
Geschenke einkaufen muss, dem ist nicht zu helfen. Aber im Großen und
Ganzen ist mit dem heutigen vierten Adventsonntag das öffentliche,
allgegenwärtige, alles vereinnahmende Nächstenliebe-Leben gelaufen.
Wir haben gefressen und gesoffen, gespielt und ersteigert und alles
für wohltätige Zwecke. Das Christkind kann wieder einmal zufrieden
sein mit uns. Wir sind die Spenden-Weltmeister.
Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Geld da zusammenkommt. Und das
ist gut und schön so, denn es gibt genug benachteiligte Menschen, die
dieses Geld bitter benötigen. Aber die Frage ist auch, warum sich
immer weniger die Sozialpolitik und immer mehr das Sozailtainment
darum kümmern soll. Soziales Engagement und Solidarität werden als
massenmediale Unterhaltung angeboten. Den meisten Spaß macht
offenbar, sich gegenseitig beim feuchtfröhlichen Spenden zuzuschaun.
Die Hilfe für Arme ist selbst zum Konsumartikel pervertiert.
Das öffentliche Wohlwollen, das diesem Spendenspaß gezollt wird,
erklärt sich einfach: der Staat erspart sich Sozialleistungen im
Ausmaß des Spendenaufkommens. Förderungen werden in dem Maß
reduziert, in dem "Licht ins Dunkel" erfolgreich ist. Das Recht auf
Hilfe wird zur Hoffnung auf die Spende. Und uns allen ersparen diese
wunderbaren, glänzenden, rührenden, entsetzlich schönen
Benefizveranstaltungen den direkten Blick auf die Armut. Die Spende
befreit uns vor der Peinlichkeit, dem Elend ins Gesicht zu sehen. Wir
haben uns wieder einmal losgekauft.
Rückfragehinweis: Kärntner Tageszeitung
Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
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