• 18.12.2001, 08:13:13
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"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Seine Masche" (Von Günther Schröder)

Ausgabe vom 18. 12. 2001

Innsbruck (OTS) - Jörg Haider bleibt auch nach dem
Regierungseintritt seiner Partei derselbe, seine Masche ist ebenso
alt: Man entdecke ein Thema, das bei der Bevölkerung vermeintlich
Resonanz findet und tief im Bauch sitzt. Man breche alle möglichen
Tabus, schlage wild um sich - um am Ende, wenn die Empörung so
richtig hochkocht, das Opfer zu geben. Am besten ist es, wenn die
Kritik flächendeckend ist, dann ist man so richtig arm und
alleingelassen. Das weckt Sympathien. Ziel der Aktion: Vor der bald
anstehenden Landtagswahl soll die nicht eben glorreiche Rolle der FPÖ
in der Regierung kaschiert werden.

Längst sollte man Haider politisch nicht mehr Ernst nehmen. Da
will der Mann vor knapp zwei Jahren tatsächlich mit Sanktionen gegen
Politiker vorgehen, die ihren Amtseid brechen, etwas später wird dann
ein Urteil eines Höchstgerichts missachtet. Und nicht nur das: Eines
der höchsten Staatsorgane dieser Republik wird auch noch als
Faschingsveranstaltung lächerlich gemacht. Haider bekleidet ein
Regierungsamt - und deswegen ist das Ganze alles andere als lustig.
Nicht minder bedenklich ist, mit welcher Hemmungslosigkeit in der so
sensiblen Volksgruppenmaterie gezündelt wird. Obwohl das
Zusammenleben in Kärnten längst in normalen Bahnen läuft, tut die
Kärntner FPÖ so, als sei der Abwehrkampf erst gestern gewesen. Dabei
ist es über 80 Jahre her, einige zweisprachige Ortstafeln zusätzlich
sollen da ernsthaft ein Problem sein?

Es wird interessant sein, wie heute Dienstag der für
Minderheitenfragen zuständige Kanzler reagiert. Er hat klare Worte
angekündigt. Das wäre auch das Mindeste.

Rückfragehinweis: Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion
Tel.: 0512/5354 DW 601

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT/OTS

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