TRAUERKUNDGEBUNG FÜR ANTON BENYA IM PARLAMENT Anton Benya, ein Baumeister der Zweiten Republik

Wien (PK) - Im Sitzungssaal des Reichrates fand heute eine Trauerkundgebung zu Ehren des kürzlich verstorbenen langjährigen Präsidenten des Nationalrates und Präsidenten des Österreichischen Gewerkschaftsbundes Anton Benya statt, zu der der Präsident des Nationalrates Dr. Heinz Fischer und der Präsident des Bundesrates Alfred Schöls geladen hatten.

Nationalratspräsident Fischer würdigte den Verstorbenen als "Baumeister des österreichischen Wohlfahrtsstaates" und "Symbolfigur der österreichischen Sozialpartnerschaft". Hinter den Stationen seiner politischen Laufbahn verberge sich eine jahrzehntelange engagierte, vielseitige, anstrengende aber erfolgreiche Arbeit im Interesse unseres Landes. Anton Benya sei wie viele seiner Zeitgenossen von den dramatischen Ereignissen der Ersten Republik geprägt gewesen, und so sei sein politisches Credo gewesen, dass man aus der Geschichte lernen müsse, dass man Probleme am Verhandlungstisch besser lösen könne als auf der Straße. Ihn habe vor allem sein sicheres Augenmaß für das Zumutbare ausgezeichnet, sagte Fischer. Am Menschen Benya habe er dessen Fähigkeit zu lebenslangen Freundschaften, sein ausgeprägtes Gefühl für Solidarität und Kameradschaft, seine sprichwörtliche Bescheidenheit und seine ungekünstelte Volksverbundenheit geschätzt.

Auch Bundespräsident Dr. Thomas Klestil reihte Anton Benya unter die großen Baumeister der Zweiten Republik, die auf Dogmen verzichtet hätten, über ihre eigenen Lager hinausgewachsen wären und den großen Sprung über ideologische und konfessionelle Schatten gewagt hätten. Diese Gemeinschaftsgesinnung sei das Vermächtnis von Anton Benya und auch heute nicht überholt, betonte der Bundespräsident. Er selbst sehe keine Alternative zum Dialog über existenzielle Fragen unserer Zukunft. Er sehe auch keine Alternative zur Sozialpartnerschaft in der Ära der Globalisierung. Österreich nehme heute Abschied von einem großen Sohn, in dessen Leben sich auch das Schicksal des Hohen Hauses widergespiegelt habe. Er habe die rot-weiß-rote Fahne wie eine Stafette aufgenommen und sie weitergetragen in all seinen verantwortlichen Funktionen des öffentlichen Lebens.

Zur Gedenkveranstaltung waren neben der Familie Anton Benyas zahlreiche Spitzenvertreter des öffentlichen Lebens und der Religionsgemeinschaften erschienen: Der Zweite und Dritte Präsident des Nationalrates DI Thomas Prinzhorn und Dr. Werner Fasslabend, der Präsident des Bundesrates Alfred Schöls und die Vizepräsidenten, Mitglieder der Bundesregierung unter Führung von Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel, ehemalige Präsidenten und Präsidentinnen des Nationalrates, ehemalige Regierungsmitglieder und Parlamentarier,der Präsident des Rechnungshofes Dr. Franz Fiedler, Volksanwalt Dr. Peter Kostelka, VertreterInnen der Landesregierungen und der Landtage, RepräsentantInnen der Kammern und des ÖGB sowie hohe kirchliche Würdenträger, unter ihnen Kardinal DDr. Franz König.

Die Trauerfeier wurde musikalisch begleitet von den Niederösterreichischen Tonkünstlern, die "Ases Tod" aus der "Peer Gynt Suite" von Edvard Grieg und Anton Bruckners "Requiem Aeternam" spielten. Den Abschluss der Trauerfeier bildete die Intonierung der ersten Strophe der Bundeshymne.

ANTON BENYA

Anton Benya, der 1912 in Wien geboren wurde, besuchte hier Volks- und Bürgerschule, ehe er 1926 eine Mechanikerlehre begann. In dieser Zeit schloss er sich der Sozialdemokratie an und wurde in den Freien Gewerkschaften aktiv.

Benya wirkte auch nach dem Verbot der sozialdemokratischen Organisationen weiter für die Interessen der Arbeiterschaft, was ihm zweimal, 1934 und 1937, Verhaftungen einbrachte. Dennoch setzte er sein Engagement für die in die Illegalität gedrängte Gewerkschaft selbst während des Zweiten Weltkriegs unbeirrt fort.

Nach Kriegsende wurde Benya Funktionär des neu formierten ÖGB und übernahm noch 1945 den Vorsitz der Gewerkschaft Metall-Bergbau-Energie. Ab 1948 fungierte er als einer der Leitenden Sekretäre des ÖGB, 1956 avancierte er zum stellvertretenden Generalsekretär, ehe er 1959 zum Vizepräsidenten und schließlich 1963 zum Präsidenten des ÖGB gewählt wurde. In dieser Funktion wurde Benya, gemeinsam mit seinem Gegenüber Rudolf Sallinger, zur Inkarnation der Sozialpartnerschaft, eine Achse, die den wirtschaftlichen Aufstieg Österreichs maßgeblich unterstützte. Mehr als 20 Jahre galten Benya und Sallinger als Garanten dafür, dass in Österreich ökonomische Interessengegensätze konsensual gelöst wurden, während es anderswo zu Streiks, Ausständen und Aussperrungen kam. Erst 1987 sollte sich Benya von der Spitze des ÖGB zurückziehen, wobei er der Gewerkschaft freilich immer noch mit Rat und Tat zur Seite stand.

Zu Beginn der VIII. Gesetzgebungsperiode im Juni 1956 zog Benya für die SPÖ in den Nationalrat ein, dem er in der Folge bis zum Ende der XVI. GP im Dezember 1986 angehörte. Im November 1971 verzichtete Nationalratspräsident Waldbrunner auf eine Wiederwahl in diese Funktion, worauf die SPÖ Anton Benya in Vorschlag brachte, der dieses Amt dann bis 1986 bekleidete. Als sich Benya 74-jährig in den Ruhestand zurückzog, konnte er auf die bislang längste Amtszeit als Nationalratspräsident zurückblicken, was sich auch darin ausdrückte, dass Benya gleich zweimal, nämlich 1974 anlässlich der Angelobung von Bundespräsident Rudolf Kirchschläger und 1986 aus Anlass der Angelobung von Bundespräsident Kurt Walheim, den Vorsitz in der Bundesversammlung führte. Bis zum Ende seines Lebens hat Anton Benya lebhaften Anteil an der aktuellen Politik - und am Schicksal "seines" Fußballvereins Rapid genommen.

Die Reden des Bundespräsidenten und des Nationalratspräsidenten werden im Wortlaut in der Parlamentskorrespondenz veröffentlicht. (Schluss)

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