Hauptverband: Bittner betroffen über Kandidatenaussagen

Kommen Selbstbehalte und Spitalsschließungen?

Wien (OTS)- Sollten die heute von den Medien kolportierten Aussagen der Geschäftsführer-Kandidaten stimmen, drohen schwerwiegende Verschlechterungen für die Versicherten: Selbstbehalte von 1000 Schilling aufwärts, Beitragserhöhungen für Pensionisten weil sie ein höheres Krankheitsrisiko haben, Schließung von Spitälern und Kündigung tausender MitarbeiterInnen, etc. "Hier zeigt sich, wie sich die Ausschaltung der Selbstverwaltung als Interessenvertretung der Versicherten und die Gleichschaltung des Hauptverbandes mit der Regierungspolitik für die Menschen in unserem Land auswirken wird. Ich bin in großer Sorge um den Hauptverband" sagte der Vorsitzende der Hauptversammlung im Hauptverband Franz Bittner. ****

Klares Anforderungsprofil erforderlich

Bittner definiert ein klares Anforderungsprofil für die Geschäftsführer im Hautverband:

+ Neben Erfahrung im Umgang mit der Selbstverwaltung, sehr guten Kenntnissen des Sozialversicherungsrechts, großer Management-, Mitarbeiterführungs- und Verhandlungserfahrung und umfassendem Wissen über die Bedürfnisse der Versicherten, sollten neue Geschäftsführer kein Naheverhältnis zu einem bestimmten Träger, einem Zulieferunternehmen oder zu Vertragspartnern (Pharmaindustrie, Ärztekammer, etc.) haben.

+ Geschäftsführer des Hauptverbandes haben - entsprechend dem Prinzip der Selbstverwaltung - die Interessen aller Versicherten in den Mittelpunkt zu stellen und nicht die Interessen einzelner Gruppen oder Wirtschaftsbereiche.

+ Von den 5,5 Millionen Versicherten sind rund 80 Prozent nach dem ASVG versichert (Arbeiter, Angestellte, Pensionisten) und nur etwas über 4 Prozent nach dem Bauern-Sozialversicherungsgesetz. Einen exponierten Repräsentanten von Partikularinteressen - etwa der Bauern - zum geeignetsten Sprecher für die Interessen von über 4,5 Millionen ASVG-Versicherten zu stilisieren, ist bei nüchterner Betrachtung äußerst unglaubwürdig.

Massive Bedenken zum Auswahlverfahren

Das Verfahren der Geschäftsführersuche läuft bisher völlig abseits der üblichen Regeln einer professionellen Personalauswahl:

+ Es wurden Geschäftsführerposten ausgeschrieben ohne vorher die zu besetzenden Geschäftsbereiche zu definieren und ohne die für den jeweiligen Bereich passenden Anforderungsprofile entwickelt zu haben. Es sollen offensichtlich zuerst die Personen ausgewählt werden, um diesen dann im Nachhinein die passende Jobdescription anzupassen. So eine offensichtlich unseriöse Vorgangsweise legt den Verdacht des parteipolitischen Postenschachers nahe.

+ Bis zum heutigen Tag gibt es nicht einmal eine Festlegung auf die Anzahl der gesuchten Geschäftsführer!

+ Selbst der Bundesminister hat in einem Brief festgestellt, dass die Ausschreibung nicht den gesetzlichen Anforderungen genügt. Diese Kritik wurde vom neuen Präsidenten des Hauptverbandes Frad (ÖVP) zurückgewiesen ohne in irgend einer Weise Konsequenzen zu ziehen.

+ Das Hearing war nicht ordnungsgemäß vorbereitet, da weder Bewertungsbögen für das Kandidatenhearing vorgelegt, noch ein Entscheidungsfindungsprozess vorab festgelegt wurde. Alle sonst bei Auswahlhearings üblichen Methoden und Standards wurden völlig außer Acht gelassen.

+ Noch während die Hearings gelaufen sind, haben Parteipolitiker der ÖVP ihren Kandidaten als "die beste Wahl" präsentiert.

+ Es ist unüblich und bedenklich, dass Kanditaten noch während der Hearings, vor Abschluss des Auswahlverfahrens, Zeitungsinterviews geben.

"Diese Vorgangsweise gefährdet die Qualität der anstehenden Personalentscheidungen und stellt ein Sicherheitsrisiko für den Hauptverband und die gesamte Sozialversicherung dar. Es fragt sich, warum das Ministerium um teures Geld eine Consultingfirma für die Prozessbegleitung der Bildung des "Hauptverbandes-Neu" engagiert hat, wenn solche haarsträubenden und in der Privatwirtschaft völlig unüblichen Ausschreibungsvorgänge möglich sind" schloss Bittner.

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im Hauptverband der Sozialversicherungsträger
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Tel.: 60 122 - 2254, 0664 - 31 31 794
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