Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik/Terror "Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Die Gewalt hat Hochkonjunktur

Ausgabe vom 4. Dez. 2001 Klagenfurt (OTS) - Die Gewalt hat Hochkonjunktur - Die Friedensnobelpreisträger Yasser Arafat und Shimon Peres sind gescheitert, wie Menschen nur scheitern können. Beide stehen heute vor einem Blutbad, in dem kein einziger Strohhalm der Hoffnung mehr sichtbar wird. In Zeiten der Terrorkriege ist auch hier kein Platz mehr für politisches Taktieren. Die Welt ist erschreckend einfach geworden. "Das ist die Stunde der Wahrheit", sagt selbst der besonnene Diplomat, US-Außenminister Powell, als sei er im Besitz dieser. Zwischentöne gibt es nicht mehr. Eingeteilt wird in Terroristen und Selbstverteidiger. Das politische Mittel bleibt zwangsläufig die Gewalt. Die Gewalt hat Hochkonjunktur auf allen Seiten. Wie dieser Spirale ein Ende bereitet werden könnte, weiß heute in Nahost niemand. Ein Verzicht Israels auf Selbstverteidigung ist bereits erfolglos versucht worden. Die Zerstörung der palästinensischen Autonomiebehörde und Besetzung des Gazastreifens würden aus einer Million hoffnungsloser Palästinenser eine Million verzweifelter Palästinenser machen. Die Zahl potenzieller Selbstmordattentäter würde nur noch ansteigen. Die Gewalt, jede Gewalt ist ausweglos und zwar für alle. Der Ruf nach politischer Vernunft, oder gar politischer Phantasie, droht sich in einer nur noch von Gut und Böse bestimmten Zeit der Lächerlichkeit preiszugeben. "Kriegserklärungen" gehen eher locker von der Lippe, da sie sich nicht mehr gegen Staaten und Völker richten, sondern gegen das "Böse". Israel befindet sich im "Krieg gegen den Terrorismus". Doch gelitten wird nach wie vor vom Menschen.

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
E-Mail: ktzredaktion@apanet.atKärntner Tageszeitung

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI/KTI