Die Ladenschluss-Schande

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Jens Tschebull

Wien (OTS) - Die unendliche Ladenschluss-Geschichte ist eine
Schande für Österreich. Sie stellt das Land als Heimstatt unentschlossener Politiker an den Pranger, die sich von gewerblichen und gewerkschaftlichen Querköpfen einschüchtern lassen, statt ihrem liberalen Programm zu folgen.

Die von der Verfassung geschützte Erwerbsfreiheit ist unteilbar:
Warum sollte der Einzelhandel durch Arbeitsverbote gegenüber Tischlern, Rechtsanwälten, Bauern, Friseuren, Grosshändlern oder Kfz-Mechanikern diskriminiert werden? Dass manche Unternehmer die Freiheit fürchten, als wären sie seit Generationen gefangene, degenerierte Vögel, die auch im geöffneten Käfig hocken bleiben, ist kein Grund, die Scherengitter vor den Läden mit einem amtlichen Bogenschloss zu versehen und damit auch die flugwilligen Kaufleute daran zu hindern, sich vorbildhaft zu entfalten.

Im übrigen werden "Nesthocker" auch in der Natur - etwa bei Tauben, die in hohen Mauern nisten - im Interesse der Arterhaltung zum freien Flug gezwungen, nämlich aus dem warmen Nest geworfen. Im Handel sind die Interessen der Anrainer (Lärmbelästigung) und der Angestellten (Arbeitszeit) durch die einschlägigen Gesetze hinreichend gewahrt. Der Freiheit des Einzelhandels steht nur die kampfesfreudige Fantasielosigkeit von Gewerkschaftern und Zunftmeistern entgegen. Und unentschlossene Politiker: Sie versuchen die Freiheit nur scheibchenweise - eine Stunde da, eine Stunde dort -einzuführen. Das macht die Verwaltung komplizierter und schränkt die Entfaltungsfreiheit weiterhin ein, statt zu bekennen, dass es nicht Aufgabe des Staates ist, seine lange Nase in die betriebliche Organisation von Unternehmen zu stecken. Der unzeitgemässe Kräfteverschleiss zur Verhinderung der Öffnungsfreiheit wird letztlich genauso erfolglos sein, wie es der Kampf um das anonyme Sparbuch war. In der Zwischenzeit können mutige Bürgermeister die Öffnungszeiten in ihren Gemeinden per Verordnung verlängern. In Wien ebenso wie in St. Anton am Arlberg.

Wer erinnert sich noch an das Theater, das um die Öffnung an Samstagnachmittagen gemacht wurde. Würde man sie heute wieder abschaffen, gäbe es einen Aufstand der erfolgreichen Kaufleute und der Konsumenten. (Schluss) JT

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