- 30.11.2001, 16:04:11
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Die Ladenschluss-Schande
WirtschaftsBlatt-Kommentar von Jens Tschebull
Wien (OTS) - Die unendliche Ladenschluss-Geschichte ist eine
Schande für Österreich. Sie stellt das Land als Heimstatt
unentschlossener Politiker an den Pranger, die sich von gewerblichen
und gewerkschaftlichen Querköpfen einschüchtern lassen, statt ihrem
liberalen Programm zu folgen.
Die von der Verfassung geschützte Erwerbsfreiheit ist unteilbar:
Warum sollte der Einzelhandel durch Arbeitsverbote gegenüber
Tischlern, Rechtsanwälten, Bauern, Friseuren, Grosshändlern oder
Kfz-Mechanikern diskriminiert werden? Dass manche Unternehmer die
Freiheit fürchten, als wären sie seit Generationen gefangene,
degenerierte Vögel, die auch im geöffneten Käfig hocken bleiben, ist
kein Grund, die Scherengitter vor den Läden mit einem amtlichen
Bogenschloss zu versehen und damit auch die flugwilligen Kaufleute
daran zu hindern, sich vorbildhaft zu entfalten.
Im übrigen werden "Nesthocker" auch in der Natur - etwa bei
Tauben, die in hohen Mauern nisten - im Interesse der Arterhaltung
zum freien Flug gezwungen, nämlich aus dem warmen Nest geworfen. Im
Handel sind die Interessen der Anrainer (Lärmbelästigung) und der
Angestellten (Arbeitszeit) durch die einschlägigen Gesetze
hinreichend gewahrt. Der Freiheit des Einzelhandels steht nur die
kampfesfreudige Fantasielosigkeit von Gewerkschaftern und
Zunftmeistern entgegen. Und unentschlossene Politiker: Sie versuchen
die Freiheit nur scheibchenweise - eine Stunde da, eine Stunde dort -
einzuführen. Das macht die Verwaltung komplizierter und schränkt die
Entfaltungsfreiheit weiterhin ein, statt zu bekennen, dass es nicht
Aufgabe des Staates ist, seine lange Nase in die betriebliche
Organisation von Unternehmen zu stecken. Der unzeitgemässe
Kräfteverschleiss zur Verhinderung der Öffnungsfreiheit wird
letztlich genauso erfolglos sein, wie es der Kampf um das anonyme
Sparbuch war. In der Zwischenzeit können mutige Bürgermeister die
Öffnungszeiten in ihren Gemeinden per Verordnung verlängern. In Wien
ebenso wie in St. Anton am Arlberg.
Wer erinnert sich noch an das Theater, das um die Öffnung an
Samstagnachmittagen gemacht wurde. Würde man sie heute wieder
abschaffen, gäbe es einen Aufstand der erfolgreichen Kaufleute und
der Konsumenten. (Schluss) JT
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