• 29.11.2001, 12:32:37
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  • OTS0141 OTW0141

ÖGB-Zukunftskonferenz beschäftigt sich mit dem Thema Bildung

Erstes Referat zu "Herausforderungen für das österreichische Bildungssystem"

Salzburg (ÖGB). 150 TeilnehmerInnen fanden sich heute, Donnerstag
im Salzburger Brunauer-Zentrum ein, um im Rahmen der dritten
Konferenz der ÖGB-Veranstaltungsreihe "startschuss.zukunft" über das
Thema Bildung zu diskutieren. Als erster Programmpunkt des Tages
stand nach der Begrüßung der KonferenzteilnehmerInnen durch
ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch und Vizepräsident Fritz Neugebauer,
der den Vorsitz dieser Konferenz übernahm, ein Referat von Kurt Mayer
vom Institut für Höhere Studien zum Thema "Bildung für die
Wissensgesellschaft - Herausforderungen für das österreichische
Bildungssystem" am Plan.++++

Mayer meinte einleitend, die wesentlichen Problemlagen der
österreichischen Bildungspolitik und des Bildungssystems seien vor
dem Hintergrund fundamentaler sozioökonomischer und
gesellschaftspolitischer Veränderungen zu sehen, die mehr oder
weniger in allen OECD Staaten Platz greifen. "Seit den späten 70er
Jahren zeichnet sich ein Umbruch von der 'fordistischen'
Industriegesellschaft hin zu einer wissensbasierten Gesellschaft ab,
deren politische und ökonomische Eckpunkte jedoch noch weitgehend
unbestimmt und umkämpft sind. Fest steht allerdings, dass
Bildungssysteme und die Bildungspolitik angesichts dieses Übergangs
vor völlig neuen Herausforderungen stehen", so Mayer.

Vor dem Hintergrund von Internationalisierungsprozessen und in
Zusammenhang mit der rasanten Entwicklung und Verbreitung der
Informations- und Kommunikationstechnologien, seien in den 80er und
90er Jahren der Umgang mit Information und ihrer Verwandlung in
Wissen durch permanente Innovations- und Lernprozesse zu zentralen
Aspekten des wirtschaftlichen Erfolgs einerseits und der
gesellschaftlichen Integration andererseits geworden. "In der
Wissensgesellschaft steht Innovation im Zentrum der
Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Korrespondierend dazu stehen
Lernkompetenz, Grundkompetenzen und die Fähigkeit und Möglichkeit zu
lebenslangem Lernen im Zentrum der Beschäftigungsfähigkeit und der
Lebenschancen als Individuen", erklärte Mayer.

Diese neuen Anforderungen and Qualifikations- und
Kompetenzentwicklung würden auch die Bildungssysteme vor völlig neue
Herausforderungen stellen, erstens auf Ebene des direkten
Lernprozesses, zweitens auf Ebene der im Bildungssystem tätigen
Akteure (Schulen, Universitäten, Firmen, halböffentliche und private
Bildungsträger) und drittens auf Ebene der institutionellen und
rechtlichen Rahmenbedingungen.

Das österreichische Bildungssystem weist für Mayer unumstritten
Stärken auf: einen hohen Grad an Inklusion und einen geringen Anteil
der Bevölkerung ohne Berufsausbildung; insbesondere auf Ebene der
mittleren Qualifikationen mit der Lehre als wesentlichen Bestandteil;
flächendeckender Ausbau des Ausbildungssystems mit klaren
Karrierepfaden; hohe Transparenz der Abschlüsse in der
Erstausbildung; hoher Konsens über die öffentliche Verantwortung von
Bildung und Ausbildung insbesondere im Bereich der Jugendlichen und
eine starke Einbindung der Sozialpartner in die Lehrlingsausbildung.

Diesen Stärken stehen für Mayer jedoch unzweifelhaft Schwächen
gegenüber. Wesentliche Schwächen liegen dabei im Bereich der
Beziehungen zwischen dem betrieblichen Innovationsverhalten und dem
Qualifizierungssystem (für eine innovationsorientierte
Bildungspolitik muss die Frage der Kooperation zwischen dem
Bildungswesen und den Unternehmen eine Schlüsselfrage darstellen).
Weiters scheint das System der Lehrlingsausbildung nicht in der Lage
zu sein, aus sich heraus die mit dem Übergang zur Wissensgesellschaft
verbundenen Prozesse der Höherqualifizierung zu generieren. Durch die
starke Umschichtung der Qualifikationsentwicklung von der Lehre zu
den BHS droht die Lehre noch stärker an den unteren Rand der
Hierarchie in der oberen Sekundarstufe zu driften.

Weitere Probleme sieht Mayer in den langen Planungs- und
Dispositionsspielräumen seitens der Schulverwaltung im Bereich der
BHS, in den geringen Anreizen von finanziellen und rechtlichen
Restriktionen der Schulen bei der Entwicklung von eigenständigen
Schulprofilen und den gravierenden quantitativen und qualitativen
Problemen auf Hochschulebene. Mayer: "Zwei Lösungsstrategien sollten
hier diskutiert werden. Erstens der Ansatz der Modularisierung auf
Ebene des Dualen Systems um den Anforderungen der Wissensgesellschaft
nach flexiblen Berufsprofilen nachzukommen und der Marginalisierung
der Lehre angesichts der massiven Drift zu den BHS gegenzusteuern.
Und zweitens das Modell der 'lernenden Organisation' der Schule auf
Ebene der oberen Sekundarstufe um einerseits Flexibilitätsreserven
und Gestaltungsressourcen auf Ebene der einzelnen Schulen besser zu
nutzen und andererseits einer möglichen neoliberal inspirierten
Privatisierung des Schulwesens ein aktives Alternativmodell
entgegenzuhalten." (aw)

ÖGB, 29. November 2001
Nr. 1028

Rückfragehinweis: ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Alice Wittig
Telefon: (01) 534 44/353
Fax: (01) 533 52 93

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