• 23.11.2001, 17:34:27
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  • OTS0285 OTW0285

Unwetterkatastrophe auf La Palma

Natters/La Palma (OTS) - Unfallbericht für La Palma
Datum des Unfalles: 20.11.2001
Unfallzeit: ca. 14:30 Uhr
Unfallort: Barranco de las Angustias im Nationalpark der Caldera
de Taburiente

Über 140 Touristen befanden sich am Dienstag 20. November in der
Kraterregion im Nationalpark Caldera de Taburiente. Auch eine
Wandergruppe der ASI, AlpinSchule Innsbruck war mit 19 Gästen
unterwegs. Gegen 13.00 Uhr begann diese Gruppe nach einem Picknick
mit dem Abstieg. Um 14.30 Uhr wurde ein Bach erreicht, der
programmgemäß auf Trittsteinen überquert werden sollte. Während
dieser Überquerung stiegen plötzlich die Wassermassen schwallartig
buchstäblich aus heiterem Himmel an - von den weit entfernten
Regenfällen hatte die Wandergruppe nichts bemerkt. Ein Urlaubsgast
der Gruppe wurde von den Fluten mitgerissen, der hinter ihr gehende
Ehemann konnte sie nicht mehr erreichen und musste sich selbst mit
zwei anderen Gästen in Sicherheit bringen. Der erfahrene deutsche
Bergwanderführer (er lebt seit 8 Jahren auf La Palma und ist seit
1995 für die ASI, AlpinSchule Innsbruck als Wanderführer tätig) lief
sofort am Ufer der in den Fluten treibenden Frau hinterher, aufgrund
der hohen Fließgeschwindigkeit jedoch scheiterte der Versuch, ihr ein
Seil zuzuwerfen oder ihr anderweitige Hilfe zukommen zu lassen. Wegen
der entstandenen akuten Murengefahr war für den Rest der Gruppe ein
Weiterkommen unmöglich. Er suchte für die Gruppe einen steinschlag-
sowie murensicheren Platz. Auch die Restgruppe, die den Bach nicht
mehr queren konnte, musste so die Nacht im Freien verbringen. Über
das Mobiltelefon gelang es noch dem ASI-Wanderführer die örtliche
Einsatzkräfte zu alarmieren, ehe die Funkverbindung abbrach. Wegen
des anhaltenden orkanartigen Sturms war ein Hubschrauber-Einsatz aber
am Dienstag unmöglich. Erst am Mittwoch Vormittag, 21. November,
zwischen 10.00 und 12.00 Uhr konnte die Gruppe der AlpinSchule
Innsbruck unverletzt von den örtlichen Einsatzkräften mit
Hubschraubern ausgeflogen werden. Für die von der sturzbachartigen
Flutwelle mitgerissenen Frau kam jede Hilfe zu spät, sie konnte nur
mehr tot geborgen werden.

Das Unglück, von dem es heißt, dass es das schwerste seit etwa 50
Jahren war, forderte auf La Palma mindestens 4 Todesopfer.

Berichten zufolge, wie auch in der deutschen und österreichischen
Tagespresse verlautbart, wonach Meteorologen rechtzeitig vor diesem
Wettersturz gewarnt hätten, wurden im spanischen Fernsehen
dementiert. Auch seitens der Nationalparkverwaltung gab es keine
Warnungen. Bei der Einfahrt mit dem Bus passierte die Gruppe ein
Kontrollhäuschen der Nationalparkverwaltung, der einheimische Fahrer
sprach mit dem anwesenden Ranger. Bei der Wanderung im Inneren der
Caldera traf die Gruppe gegen 12:00 Uhr einen weiteren Ranger, der

Die AlpinSchule Innsbruck führt seit über 15 Jahren Wanderungen
auf der Insel. Der eingesetzte Bergwanderführer ist 53 Jahre alt,
Deutscher Staatsbürger, hat seit 14 Jahren ein Anwesen auf La Palma
und lebt seit 8 Jahren ständig dort. Er ist fachlich sehr gut
ausgebildet und verfügt auch über entsprechende Wetterkenntnisse.

Die Caldera de Taburiente, einer der größten und spektakulärsten
Erosionskrater der Welt, bildet das Herzstück der Insel La Palma. Der
zehn Kilometer durchmessende und mit Felswänden bis zu 1500 Meter
Höhe eingefaßte Krater ist nur schwer zugänglich. Lediglich im
Barranco de las Angustinas haben sich die Bäche, die sich im Inneren
der Caldera zum Rio Taburiente vereinigen, einen Durchbruch zum Meer
geschaffen. Diese tief eingeschnittene Schlucht bietet dem Besucher
die kürzeste Zu- und Ausgangsmöglichkeit zur Caldera.

Rückfragehinweis: AlpinSchule Innsbruck
Hans Wernhart
Tel.: +43/512/54 60 DW 20
Martin Rainer
Tel.: +43/512/54 60 DW 24
http://www.asi.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS

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