• 21.11.2001, 12:28:29
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  • OTS0142 OTW0142

Dringliche Anfrage zu Rabenhof und Josefstadt: "Weh dem, der lügt"=

Tag der Wahrheit für Kulturstadtrat Mailath-Pokorny

Wien (ÖVP-Klub) "Weh dem, der lügt", sagt William Shakespeare, "weh
dem der die Unwahrheit sagt und sich dabei erwischen lässt", lautet
der politische Vorwurf, den heute die Wiener VP im Rahmen ihrer
dringlichen Anfrage gegenüber dem Wiener Kulturstadtrat
Mailath-Pokorny erhebt. "Heute ist der Tag der Wahrheit für den Herrn
Kulturstadtrat", so VP-Kultursprecher Andreas SALCHER, der diese
dringliche Anfrage gemeinsam mit Klubchef Matthias TSCHIRF
einbrachte. "Heute muss der Stadtrat klarstellen, ob er in der "Causa
Josefstadt" die Unwahrheit gesagt hat oder ob er Hans Gratzer zu
Unrecht bezichtigt, die Unwahrheit gesagt zu haben."***

Die Vorgeschichte: Wenige Stunden vor der ersten Sitzung jener Jury,
die den neuen Direktor für das Theater in der Josefstadt auswählen
sollte, hatte Mailath-Pokorny Hans Gratzer angerufen und ihm
mitgeteilt, dass er der neue Josefstadt-Direktor sei. Gratzer hatte
dieses Gespräch in einem Zeitungsinterview bestätigt, Mailath
streitet es bis heute ab. "Einer der beiden sagt also ganz
offensichtlich die Unwahrheit", so SALCHER. "Nun stellt sich die
Frage, wer dieser beiden Herren ein Motiv dafür hätte. Will Gratzer
Mailath schaden? Welchen Nutzen hätte Gratzer davon, wenn er die
Unwahrheit sagt? Ich sehe keinen einzigen Grunde, warum der neue
Josefstadt-Direktor Gratzer das tun sollte. Bei Stadtrat
Mailath-Pokorny sehe ich viele..."

Die Ausschreibung für das Theater in der Josefstadt sei aber auch
abseits dieser Diskussion nur als Debakel und als Farce zu
bezeichnen. "Publikumsliebling Hackl ist zutiefst verletzt, Helmut
Lohner sagt ‚Nie wieder Josefstadt‘, die Jury wurde desavouiert und
die internationale Theaterpersönlichkeit Hermann Beil brüskiert.
Mailath wirft Künstlern vor die Unwahrheit zu sagen und verursacht
dauerhafte Aufregung und Verunsicherung in der Künstlerszene. Wer
soll sich denn bitte künftig noch für führende Funktionen bewerben,
wenn jeder weiß, dass die SPÖ schon vorher entscheidet, wer den Job
bekommt und die Ausschreibungen nur als Vorwand und Alibiaktionen
herhalten müssen."

"Wir stellen heute keinen Misstrauensantrag aber die Medien, die
Öffentlichkeit und die Künstler fordern Aufklärung Herr Stadtrat", so
SALCHER weiter. "Sie haben ein Recht darauf, zu erfahren, was sich
hier offenbar hinter den Kulissen abgespielt hat."

Zur grotesken Bestellung des Leiters des Wiener Rabenhofes müsse man
eigentlich nicht mehr viel sagen. "Die SPÖ hat Karl Welunschek vor
den Wiener Wahlen eine Zusage gemacht, Herr Welunschek hat dann im
Wahlkampf seine Aufgabe für die SP erfüllt und wurde dafür mit der
Leitung des Rabenhofes belohnt." Pro forma wurde dann wiederum eine
Ausschreibung inszeniert, danach hatte Mailath behauptet, dass
Welunschek das beste Konzept hatte. "Ich darf hier aus der
Pressekonferenz des Herrn Welunschek zitieren, der wörtlich sagte:
‚Ich selbst bin Konzept genug!‘".

"Mailath-Pokorny hat heute die letzte Chance ausführlich über diese
Vorgänge Auskunft zu geben", so der VP-Kultursprecher. "Der Herr
Kulturstadtrat kann sich auch nicht - wie er das ja sonst so gerne
tut - auf den ‚bösen Bund‘ oder Staatssekretär Morak ausreden. Die
Desaster bei den Direktorenbestellungen in der Josefstadt und beim
Rabenhof liegen voll in seiner Verantwortung. Wir sind gespannt auf
seine heutigen Antworten."

Die dringliche Anfrage der Wiener VP im Wortlaut

Stimmt es, dass sie bereits Stunden vor der entscheidenden Sitzung
der Jury den nunmehr designierten Leiter des Theaters in der
Josefstadt Hans Gratzer von seiner Bestellung informiert haben - wie
dies Gratzer selbst in einem profil-Interview bestätigte?

Wann haben Sie erstmals Bürgermeister Häupl davon in Kenntnis
gesetzt, dass Hans Gratzer der neue Leiter des Theaters in der
Josefstadt wird?

Sie haben im Vorfeld der Ausschreibung mehrfach den Wunsch geäußert,
dass eine Frau Leiterin der "Josefstadt" werden solle. Mit welchen
weiblichen Bewerbern haben sie konkret gesprochen?

In Ihrem Auftrag wurde für die Ausschreibung der Position des Leiters
des Theaters in der Josefstadt ein Dreier-Vorschlag der Jury verlangt
- letztlich wurde ein einziger Kandidat vorgeschlagen. Wieso
akzeptierten Sie den Bruch der von Ihnen selbst aufgestellten Regel?

21 Bewerber haben sich aufgrund des Anforderungsprofils in der
Ausschreibung um die Position beworben. Warum wurden trotzdem von
vornherein zwei Persönlichkeiten, die sich nicht einmal beworben
haben, in die nähere Auswahl genommen?

Mehrfach haben Sie öffentlich Regreßklagen gegen das derzeitige
Josefstadt-Management angekündigt, was von Direktor Lohner übrigens
als Unverschämtheit bezeichnet wurde. Was haben Sie diesbezüglich
veranlaßt und wie sieht die weitere Vorgangsweise aus?

Haben Sie dem seitens der Stadt Wien in die Jury zur Besetzung des
Leiters des Rabenhoftheaters entsendeten Beamte die Weisung gegeben,
Karl Welunschek seine Stimme zu geben?

Stimmt es, dass - wie in den Medien berichtet - die Leiterfunktion
des Rabenhoftheaters von sozialistischer Seite, insbesondere von
SPÖ-Kultursprecher Woller, dem "langjährigen SP-Mitglied" Karl
Welunschek (Zitat Standard, 9.11.2001) zugesagt wurde?

Halten Sie insgesamt die Art der Abwicklung, wie sie vom
SPÖ-Kultursprecher Woller unter Umgehung der zuständigen
Kulturabteilung gewählt wurde, für vertretbar und richtungsweisend?

Was hat Sie bewogen, die notwendigen Mittel für die Entschuldung des
Rabenhoftheaters aus den Kulturförderungsbeiträgen zu beantragen,
anstatt auf dem Weg einer Zusatzdotierung seitens des Finanzressorts?

Wie können Sie es vertreten, dass - übrigens auch in Bezug auf das
Budget 2002 - diese Vorgangsweise entgegen Ihrer öffentlichen
Darstellung zu einer Verringerung der für innovative Projekte zur
Verfügung stehenden Mittel führt?
Die dringliche Anfrage der VP wird heute ab 16.00 Uhr im Wiener
Gemeinderat debattiert.****

Rückfragehinweis: ÖVP-Klub der Bundeshauptstadt Wien

Daniel KOSAK (Pressesprecher)
Tel.: (01) 4000 / 819 15
Fax: (01) 4000 / 99 819 15
Internet: http://www.oevp-wien.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | VPR/VPR

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