WirtschaftsBlatt-Kommentar: Zartes Pflänzchen Neoliberalismus von Jens Tschebull

Wien (OTS) - Der Neoliberalismus als Bannerträger wirtschaftlicher Vernunft und Lehrmeister der Selbstverantwortung für Unternehmer und Bürger ist ein zartes Pflänzchen. Sobald ein kühler Konjunkturwind aufkommt, sind die Lippenbekenntnisse zur Risiko- und Leistungsgesellschaft rasch vergessen. Alte Götzen von Marx bis Keynes werden aus dem Restmüll der Wirtschaftsgeschichte gebuddelt und es beginnt eine ängstliche Massenflucht aus der Selbstverantwortung nach links an die Kittelfalte von Mutter Staat. Und zwar nicht nur bei traditionell risikoscheuen Gewerkschaftern und Pensionisten oder bisher beamteten Professoren, die sich vor der Hochschulautonomie fürchten, sondern auch bei so genannten Selbstständigen - von Baumeistern bis zu Rechtsanwälten. Alle wollen finanzielle oder gesetzliche Staatshilfe zur Bewältigung wirtschaftlicher Wechselfälle des Lebens. Selbst der lokale Fremdenverkehr, der sich ohnehin als Terror-Gewinner erweist, wünscht sich "Herbstferien" zur besseren Auslastung der Zwischensaison.

Manche Bauunternehmer denken wie Gewerkschafter, die sich einbilden, der Zweck der Wirtschaft sei nicht die kostengünstige Produktion von Gütern (z.B. Wohnungen), für die Nachfrage besteht, sondern die Beschäftigung möglichst vieler Arbeiter. Kammerfunktionäre, die gegen Erwerbsfreiheit und freie Ladenöffnungszeiten argumentieren, scheinen zu glauben, ein einmal errungener Gewerbeschein sei ein Rentenbescheid. Bei einer Diskussion in Niederösterreich war zu hören, die Schliessung von Bezirksgerichten werde den Notaren mehr Geschäft bringen, den Anwälten aber weniger Gerichtstermine. Da müsse der Staat für ein Äquivalent sorgen. - Das wäre dann eine Art "aussergerichtlicher Einkommensausgleich" für Anwälte. Bleibt nur zu hoffen, dass Böhmdorfer, Bartenstein und Grasser nicht auch noch umfallen, wenn es um staatliche Sparsamkeit, bürgerliche Selbstständigkeit und Erwerbsfreiheit geht. "Landgrafen werdet hart!" und sagt den würdelos andrängenden Untertanen, die des Liberalismus weder würdig noch fähig zu sein scheinen, aus therapeutischen Gründen endlich einmal beinhart: "Macht euch euren Dreck alleene!" (Schluss) JT

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt
Redaktionstel.: (01) 91919-305

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/OTS