Das "Jüngste Gericht" von Hieronymus Bosch: Echtheit bestätigt - BILD (web)

Die Bosch-Ausstellung in Rotterdam: Neue Erkenntnisse zu seinem Werk - Das Wiener Gerichtstriptychon nun ein zentrales Werk des eigenhändigen Oeuvres

Wien (OTS) - Seit Anfang September 2001 präsentiert Europas diesjährige Kulturhauptstadt Rotterdam eine umfangreiche Schau zu Leben Werk und Nachwirkung bis in die Gegenwartskunst hinein des wohl geheimnisvollsten Malers der spätgotischen Niederlande, von Hieronymus Bosch (s'Hertogenbosch um 1450 - 1516).

Siebzehn der bislang schon als eigenhändig geltenden Tafelbilder -von insgesamt etwa fünfundzwanzig - konnten die Ausstellungsorganisatoren in Rotterdam versammeln, dazu noch sämtliche Handzeichnungen, die mit Bosch in Beziehung gebracht wurden, sieben davon autographe Arbeiten.

Nicht möglich war es jedoch, die großformatigen Werke zu leihen, darunter vor allem die vier Flügelaltäre in Lissabon, Madrid und in Wien.

So blieb auch das "Jüngste Gericht" der Akademiegalerie in Wien an seinem angestammten Ort und gibt somit dem Wiener Publikum die Gelegenheit, eines der Hauptwerke von Hieronymus Bosch in Wien zu sehen.

Dennoch, noch nie waren so viele Arbeiten dieses immer noch geheimnisvollen Malers der Niederlande zwischen Spätgotik und Renaissance an einem Ort versammelt. Damit war auch die einmalige Gelegenheit gegeben, die unzähligen Widersprüche und Rätsel in seinem Werk auf den Prüfstand einer kunstkritischen Betrachtung zu stellen:

Die naturwissenschaftliche Untersuchung des Holzes der Bildtafeln, die Rückschlüsse auf das Alter des Holzes erlaubt, hat einige traditionelle Datierungen der Tafeln über den Haufen geworfen. Sie hat auch gezeigt, dass heute in Museen als Einzeltafeln aufbewahrte Bilder ursprünglich Teile eines Flügelaltares waren und somit zusammengehörten.

Alle diese umwälzenden Erkenntnisse wurden auf dem Kongress "Hieronymus Bosch revealed?", der rezent vom 05. bis zum 07. November in Rotterdam und in Boschs Heimatstadt s Hertogenbosch stattfand, der internationalen Fachwelt vorgestellt.

Wenn auch nicht selbst in der Ausstellung anwesend, so standen in der Diskussion über das unter den neuen Erkenntnissen nun in Umfang und Datierung zu revidierende Werk die vier großen Triptychen im Zentrum der Aufmerksamkeit: Neben der "Antoniusversuchung" in Lissabon und dem "Heuwagen" im Prado besonders der "Garten der Lüste"

ebendort und das "Jüngste Gericht" der Wiener Akademiegalerie.

Die Präsenz so vieler Tafelbilder und Handzeichnungen erlaubte nun erstmals auch eine differenzierte Analyse der unterschiedlichen Zeichen- und Malstile, die sich innerhalb des bis heute akzeptierten Oeuvres von Bosch finden und die bislang nicht erklärt werden konnten: Die Fachwelt flüchtete sich in die Feststellung unterschiedlicher "Handschriften", über die Hieronymus Bosch verfügte.

Am Ende dieses Überprüfungsprozesses von Boschs Werk liegt nun ein geringfügig erweitertes Gesamtoeuvre vor, das aller Wahrscheinlichkeit nach auf zwei Künstlerpersönlichkeiten verteilt werden muss: Auf den namentlich bekannten Meister Hieronymus Bosch selbst und auf einen jüngeren Mitarbeiter, der in seiner nächsten Nähe in seinem Stil und in seinem Sinn gearbeitet hat, aber wohl anonym bleiben wird.

In diesem Erkenntnisprozess ist das Wiener Gerichtstriptychon -das in den Dimensionen das größte erhaltene Werk von Hieronymus Bosch - in die Kerngruppe der Gemälde von Hieronymus Bosch selbst gerückt in die nächste Nachbarschaft zum rätselhaftesten Werk dieses Künstlers, des "Gartens der Lüste".

Das Wiener Publikum hat damit das Privileg, einen "echten Bosch" hier in Wien sehen und studieren zu können, und zwar jederzeit in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste, im 1. Stock am Schillerplatz.

Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Öffnungszeiten: DI-SO 10.00-16.00, MO geschl.
Eintritt: ATS 50,-- / Euro 3,63

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