- 08.11.2001, 10:32:01
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Österreichische Gesellschaft für Ernährung - Thema des Monats November 2001: Die "Anti-Pilz-Diät" - eine berechtigte Therapiemaßnahme?
Wien (OTS) - Immer wieder sind Berichte über den Benefit einer
sogenannten "Anti-Pilz-Diät" bei Candida albicans assoziierten
Beschwerden zu lesen. Die Verfechter der Theorie sind überzeugt, dass
der Nachweis von Candida albicans im Stuhl mit zahlreichen Problemen
verbunden sei: chronische Müdigkeit, Depressionen, verschiedene
abdominelle Beschwerden, Hauterkrankungen, Migräne u.s.w. Dabei soll
die Darmbesiedelung mit diesem bestimmten Hefepilz durch den Verzehr
von raffinierten Kohlenhydraten, insbesondere Zucker, gefördert
werden. Deshalb wird als Maßnahme eine zuckerfreie Kost, die
"Anti-Pilz-Diät", empfohlen.
Das Problem dabei: Diese Annahme ist durch keine wissenschaftliche
Untersuchung zu untermauern und damit als rein spekulativ zu
bewerten. Tatsächlich ist Candida albicans bei etwa 75% aller
gesunden Mitteleuropäer ein normaler Bestandteil der Intestinalflora.
Candida albicans assoziierte Beschwerden dürfen jedenfalls nicht
mit einer Candidamykose verwechselt werden. Hierbei handelt es sich
um eine ernstzunehmende Infektionskrankheit, die bei stark
abwehrgeschwächten Personen (z.B. unter einer immunsuppressiven oder
zytostatischen Therapie) auftreten kann. In solchen Fällen ist
selbstverständlich eine Therapie mit antimykotischen Medikamenten
angezeigt. Bei immunkompetenten Personen erfordert der Nachweis von
Candida albicans im Stuhl nach dem jetzigen Kenntnisstand jedoch
keine besonderen Maßnahmen. Obwohl mittlerweile allgemein anerkannt
ist, dass der Darmflora für die Gesunderhaltung des Menschen eine
wichtige Rolle zukommt, bringt eine zuckerfreie Ernährung
diesbezüglich keine besonderen Vorteile.
Was spricht gegen eine zuckerfreie Ernährung? Die "Anti-Pilz-Diät"
beinhaltet neben dem vollständigen Verzicht auf Haushaltszucker auch
das Verbot von Frischobst. Und das ist einer der Hauptkritikpunkte.
Gerade Obst kann mit einer reichen Palette an gesundheitsfördernden
Inhaltsstoffen aufwarten. Neben Vitaminen und Mineralstoffen liefert
Obst auch eine Reihe bioaktiver Substanzen, z.B. Ballaststoffe und
sekundären Pflanzenstoffe. Warum also auf diese günstigen
Inhaltsstoffe verzichten? Alle diese Komponenten sind wichtige
Voraussetzungen einer intakten Immunabwehr und dürfen in der
täglichen Ernährung nicht fehlen.
Eine vollwertige und ausgewogene Ernährung mit reichlich
Vollkornprodukten, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse sowie
Sauermilchprodukten (Joghurt, Buttermilch, probiotische
Milchprodukte) ist mit Sicherheit die beste Voraussetzung, um den
Darm gesund zu erhalten und das Immunsystem zu stärken.
Autor: Mag. Helga Cvitkovich-Steiner
Rückfragehinweis: Österreichische Gesellschaft für Ernährung
Zaunergasse 1-3, 1030 Wien
Tel.: +43/1/7147193
mailto:[email protected]
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