OeNB - Ost/West-Konferenz 2001 OeNB Tumpel-Gugerell: Aufholprozess der EU-Beitrittskandidaten weit vorangeschritten

Basis für nachhaltiges Wachstum gegeben

Wien (OTS) - "Die Fortschritte im Aufholprozess der EU-Beitrittskandidaten sind beachtlich" betonte die Vize-
Gouverneurin der Oesterreichischen Nationalbank, Dr. Gertrude Tumpel-Gugerell, im Rahmen der Eröffnung der diesjährigen Ost-West-Konferenz der Oesterreichischen Nationalbank, die unter
dem Titel "Konvergenz und Divergenz in Europa" steht. Vor
allem im Bereich der institutionellen und strukturellen
Reformen haben die Beitrittskandidaten Erfolge zu vermelden.
Dies stelle die Grundvoraussetzung für einen nachhaltigen Wachstumsprozess dar. Die Wohlstandsunterschiede der Beitrittländer, gemessen in der Wirtschaftsleistung pro
Einwohner, seien im Vergleich zum EU-Durchschnitt zwar nach
wie vor groß, man müsse aber auch deutlich zwischen den
einzelnen Kandidatenländern differenzieren, betonte die Vize-Gouverneurin. Slowenien habe beispielsweise mit einem BIP/Kopf
in der Höhe von 73% des EU-Durchschnitts einen besseren Wert erreicht als so mancher EU-Staat.

Tumpel-Gugerell bestätigte die Position des Eurosystems (Europäische Zentralbank und nationale Zentralbanken des Euroraums), dass im Beitrittsprozess die reale Konvergenz
- also die Angleichung von Wirtschaftsleistung, Strukturen und Institution an EU-Standards - Hand in Hand gehen müsse mit
einer nominellen Konvergenz, die eine Reduktion der
Inflationsraten, Zinsen und Fiskaldefizite bedeute.
Gleichzeitig warnte die Vize-Gouverneurin der OeNB allerdings
vor zu großen Ambitionen, innerhalb kürzester Zeit die Maastricht-Kriterien erfüllen zu wollen, weil dadurch das Wirtschaftswachstum und die Umsetzung von notwendigen Strukturreformen gefährdet werden könnten.

Im Bereich der Finanzdienstleistungen sei es für die Beitrittskandidaten wichtig, die nationale Gesetzgebung den geltenden EU-Bestimmungen anzupassen. Damit sollen mehr
Transparenz und eine höhere Sicherheit für Kapitalanleger
erzielt werden. Die Finanzaufsicht müsse sich auch in den Beitrittsländern an den international geltenden Standards orientieren, da nur auf diese Weise das Vertrauen
internationaler Investoren und die Finanzmarktstabilität
erhalten werden kann.

Bereits jetzt komme ein "EU-Beitrittsbonus" zum Tragen, da
sich die fortgeschrittenen Kandidatenländer in der Entwicklung ihrer wichtigsten Finanzindikatoren (Wechselkurs, Anleihen-Zinssätze und Aktienkurse) merklich von anderen Emerging
Market Economies abgekoppelt haben und sich damit als weniger krisenanfällig erwiesen hätten. Als besonders positiv hob Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell hervor, dass es durch
erfolgreiche Sanierungsmaßnahmen im Bankensektor gelungen ist,
das Ausmaß notleidender Kredite in den Beitrittsländern im
Jahr 2000 deutlich abzusenken. Ein gesunder Bankensektor sei
eine zentrale Voraussetzung für eine nachhaltig positive realwirtschaftliche Performance, aber auch für eine bruchlose Integration der Kandidatenländer in die EU-Finanzmärkte.

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