- 26.10.2001, 18:19:11
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4.000 bei Antikriegsdemonstration in Wien
Wien (OTS) - 4.000 Menschen haben sich heute in Wien an einer
Antikriegsdemonstration beteiligt. Heidi Ambrosch, Frauenvorsitzende
der KPÖ, hat in ihrer Rede wie folgt zu
den aktuellen Ereignissen Stellung genommen:
"Viele Argumente gegen den Krieg sind in den letzten Woche schon
vorgetragen worden. Eines noch nicht, dass vor allem beim Einsatz von
Bodentruppen zu beachten ist: Vergewaltigung ist ein Mittel jeder
Kriegsführung. Sexueller Terror gegen Frauen, die in Afghanistan oder
anderen islamischen Staaten fundamentale Unterdrückung erfahren,
denen Bildung untersagt ist; deren Schwestern ausgepeitscht und
gesteinigt werden, die mit ihren Kindern am meisten unter
Unterentwicklung leiden und jetzt von Hunger oder Kältetod in den
Flüchtlingslagern bedroht sind. Frauen und Kinder, die auf keine
Aufnahme in den EU-Ländern, in Österreich hoffen können. Das ist das
wahre Gesicht der Wertegemeinschaft des Herrenhauses, der Festung EU
nach Schengen, mehrheitlich - und das muss auch gesagt werden,
sozialdemokratisch geführt, mit Applaus von großen Teilen der Grünen
in Europa samt Voggenhuber. Jedes Anziehen der Gewaltspirale trifft
vor allem Frauen und Kinder. Um so empörter bin ich über die
Männerrunden in den Medien, die über diesen Krieg wie über ein neues
Computerspiel reden. Bush oder Taliban? Terror oder Krieg? Einem
Vortrag von Claudia Krieglsteiner, langjährige Aktivistin der
Friedensbewegung entnehme ich die treffende Antwort: Schon im
Jugoslawien-Krieg haben wir dem entgegengehalten: der Feind meines
Feindes ist noch lange nicht mein Freund. Sieht frau von der
menschen- und frauenverachtenden Rüstungslobby ab, die Bomben als ihr
Baby bezeichnen, gibt es in keinem Krieg Gewinner, Gewinnerinnen
schon überhaupt nicht. Krieg bedeutet Militarisierung der
Gesellschaft. Die phallische Symbolik der Kriegsmaschinerie samt
ihrer angeschlossenen kriegsgeilen Medien bleibt nicht ohne
Konsequenzen für patriarchale Herrschafts- und Gewaltverhältnisse im
eigenen Land. Wir erleben, wie die Situation ausgenutzt wird, um
Entdemokratisierung durchzusetzen, den repressiven Staat auszubauen.
Aber weder Militär, noch Geheimdienste und Rüstungsindustrie bringen
Sicherheit, wie man gesehen hat, auch nicht den Menschen in den
kapitalistischen Zentren. Sie sind ursächlich und zum Teil ganz
konkret die Väter des Terrorismus. Empörend ist, dass die SPÖ die
Situation nützt, um ihren Rückzug von der immerwährenden Neutralität
weiter zu gehen. Erfreulich ist, dass die Bevölkerung sich mit großer
Mehrheit für die strikte Neutralität ausgesprochen hat.
Neutralität ist nicht Indifferenz, sondern ermöglicht aktiv an
Lösungen zu arbeiten und in Konflikten zu vermitteln. Das erfordert
nach den Ursachen solcher Anschläge zu fragen, die doch
offensichtlich in der neoliberalen, kapitalistischen Globalisierung
und ihren Folgen zu finden sind, in Hunger, Unterdrückung, Ausbeutung
und Ausplünderung, ökologischer Zerstörungen.
Eine sichere Welt erfordert die Einhaltung des Prinzips der
Gewaltfreiheit in den internationalen Beziehungen, erfordert die
Entmilitarisierung und Entwicklung nicht-militärischer
Konfliktlösungen, soziale Gerechtigkeit und Entwicklungschancen für
alle Menschen, Demokratisierung statt Bespitzelung und Repression.
Am Ende werden Frauen vor den Trümmern stehen und wieder aufbauen
- müssen, Frau lässt ihre Kinder nicht auf verbrannter Erde zurück.
Uns wird der Haupt-Mann, weiteren Sozialabbau verordnen, damit die
Aktienkurse wieder steigen und der unermessliche Reichtum einiger
weniger noch gigantischer wird. Jener Reichtum, der die Grundlage von
Fanatismus letztlich abgibt, weil er Armut erzeugt. Bischof Krenn
wird seinen Segen zu allem geben und die Fristenregelung der
Endlösung zuführen, denn neue Soldaten braucht das Land.
Niemals vergessen, dieser Auftrag heißt Anfang des 21. Jhdt.:
Der Kampf der Antikriegsbewegung ist untrennbar verbunden mit dem
Kampf um soziale und politische Gerechtigkeit der Völker oder
ethnischer Minderheiten in welchen Teilen der Welt auch immer, und -
dem Befreiungskampf der feministischen Frauen und Lesbenbewegung.
ß
Rückfragen: KPÖ
Tel.: 0676/696 90 02
e-mail: [email protected]
Internet: http://www.kpoe.at
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