Bundestagung der Jungen Wirtschaft in Linz greift zentrale Zukunftsthemen auf

Pensionssystem und Vernetzung von Unternehmen im Zentrum der Diskussion

Linz (PWK736) - Unter dem Motto Zukunft machen diskutierten rund 1500 Jungunternehmer aus ganz Österreich bei der 9. Bundestagung der Jungen Wirtschaft in Linz mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. In den einzelnen Arbeitskreisen kamen unter anderem so heikle Themen wie die Finanzierbarkeit der Pensionen oder die Vernetzung von Unternehmen zur Sprache.

Wettbewerbsfähigkeit für einen Wirtschaftsstandort bedeutet auch, über ein gutes staatliches Sozial- und Gesundheitssystem zu verfügen, sagte WKÖ-Generalsekretär-Stv. Reinhold Mitterlehner im Rahmen der Podiumsdiskussion zum Thema Fair Play für Jung und Alt, in der es unter anderem um die langfristige Finanzierbarkeit der Pensionen nach dem Umlageverfahren ging. Österreich habe trotz der vorhersehbaren Bevölkerungsentwicklung lange zugewartet und mit der letzten Pensionsreform einen ersten, aber zu kleinen Schritt gesetzt, so Mitterlehner. Bis 2003 werde der staatliche Zuschuss zu den Pensionen um weitere 15 Mrd. S ansteigen. Wichtig ist es deshalb, als weitere Säulen die betriebliche und private Vorsorge aufzuwerten.

Für den Ausbau weiterer Säulen im Pensionssystem sprach sich auch WKÖ-Vizepräsident Matthias Krenn aus. Notwendig seien die Förderung privater Initiativen, Steuererleichterungen und die Schaffung einer echten Betriebspension. Krenn forderte weiters die Heranführung des tatsächlichen Pensionsalters an das gesetzliche Pensionsalter und die Einführung eines Bonus-Malus-Systems mit noch höheren Abzügen für Frühpensionisten und einem Bonus für diejenigen, die länger arbeiten.

Die Gefahr, dass in Österreich langfristig das Vertrauen in den Generationenvertrag verloren geht, sah Sozialrechtsexperte Prof. Wolfgang Mazal. Wir müssen die Säulen der privaten und betrieblichen Vorsorge stärken, ohne das Umlageverfahren krank zu reden. Der Generationenvertrag beruhe auf der Solidarität in der Gesellschaft und in dem Vertrauen, selbst im Alter eine Pension zu bekommen. Mazal: Neben der Stärkung der betrieblichen und privaten Vorsorge und der schrittweisen ständigen Reform des Pensionssystem ist es daher besonders wichtig, dass die Menschen vom Funktionieren des Generationenvertrages überzeugt sind.

In einem weiteren Arbeitskreis war die Bedeutung von Netzwerken die zentrale Frage. Wie wichtig sind Netzwerke für die Zukunft der Wirtschaft? Wie zu erwarten, waren alle Diskutanten der Meinung, dass die Unternehmen von morgen, egal wie lange es sie schon gibt, und egal ob sie sich zu der New oder Old Economy zählen, die verschiedensten Netzwerke brauchen und nutzen werden, um gemeinsam erfolgreicher zu sein.

Ein Sektor, in dem der Aufbau von Netzwerken mit Sicherheit sehr leicht geht, ist der Internetsektor. Die Wirtschaftskammer-Organisation hat bereits sehr früh erkannt, wie wichtig ein einheitlicher Internetauftritt ist und deswegen bereits vor zwei Jahren mit wko.at ein gemeinsames Internetportal ins Leben gerufen. Ein Schritt, der sich binnen kürzester Zeit ausgezahlt hat. Bereits im ersten Monat erreichte man mit dem gemeinsamen Wirtschaftsportal ein x-faches an Zugriffen und ist heute mit konstant über zehn Millionen Zugriffen pro Monat die am meisten angeklickte Homepage am
Sektor der Dienstleister;, so Christian Domany, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich.

Individualisierung ist ein mögliches Zauberwort der Zukunft. Nicht nur, dass sich die Kunden immer individuellere Leistungsangebote wünschen. Auch die Betriebe brauchen in der heutigen Zeit immer speziellere Produkte, um ihrer eigenen Arbeit nachgehen zu können. Es ist nicht mehr möglich, das Know How für alle Technologien, die man für sein Unternehmen braucht, selbst zu beherrschen. Hier sind Netzwerke unbedingt erforderlich, waren sich die Diskutanten einig.

Für Domany steht fest, dass Vernetzung ein Kulturwandel ist, der in manchen Bereichen nur sehr langsam vollzogen wird. Gerade wenn es darum geht, Firmengeheimnisse preiszugeben, stoßen Netzwerke sehr oft an scheinbar unüberwindbare Grenzen. Die Vergangenheit hat uns oft genug gezeigt, dass viele Unternehmen die nicht bereit waren diesen -zugegeben mutigen Schritt - zu gehen, alleine nicht überleben konnten. Ein Beweis, was alles durch gemeinsame Arbeit,
durch ein gemeinsames Netzwerk in dem auch Geheimnisse ausgetauscht werden, entstehen kann, ist der Automobilcluster in Graz, bei dem es viele Sieger aber keine Verlierer gibt. (MH)

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