DER STANDARD-Kommentar: "Haltungen" (von Katharina Krawagna-Pfeifer)

Erscheinungstag 13.10.2001

Wien (OTS) - Rudolf Kirchschläger, damals Gesandter der Republik Österreich in Prag, teilte 1968 Außenminister Kurt Waldheim kurz vor dem Einmarsch der Warschauer Truppen in die CSSR mit, dass er die Absicht habe, bis zum letztmöglichen Augenblick Visa an Flüchtlinge auszustellen: "Gell, Kurt, sei so lieb und gib mir eine Zeit lang keine Weisung. Hernach werd" ich dir nicht bös" sein, wenn du mich abberufst", ließ der spätere Bundespräsident seinen damaligen Vorgesetzten, der den Schutzsuchenden die Visa verweigern wollte, wissen. Schon als Student hatte sich Kirchschläger gegen den regierenden politischen Zeitgeist gestellt. Ihm wurde sein Stipendium gestrichen, weil er nicht bereit war, der NSDAP beizutreten. Es waren diese Haltungen, deretwegen Kirchschläger, der im März 2000 gestorben ist, von vielen geachtet wurde.

Derzeit suchen wieder Flüchtlinge in einer österreichischen Botschaft Schutz. Es handelt sich um jene in Pakistan, wo Walter Howadt amtiert. Der Botschafter ließ nach Beginn der Bombardements in Afghanistan die Konsularabteilung sperren. Die Polizei wurde aufgeboten, um Schutzsuchende auszusperren. Howadt wird im "Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus" mit folgenden Überlegungen zitiert: "Einen Indianer, einen Tiroler, einen Ovambo und einen Malayen, die friedlich miteinander im Wirtshaus die Pfeife rundumgehen lassen und einander ihre Lieder beibringen, wird es nicht geben. Leben sie nebeneinander, so ergibt sich das Territorialproblem: Einer wird verdrängt, das führt zum Konflikt. Leben sie friedlich miteinander, so werden sie vermischt. Am Ende haben alle leicht geschlitzte Augen und eine milchkaffeebraune Haut." Auch Howadt wird Eindruck hinterlassen. Als Abziehbild eines Landes, in dem sich hochoffiziell Rassismus mit Feigheit paart.

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