OeNB - Gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung für das Jahr 2000

Wien (OTS)

- Das Geldvermögen der privaten Haushalte betrug zum 31. Dezember 2000 277,1 Mrd EUR (3.814 Mrd ATS); das entspricht einem Pro-Kopf Geldvermögen von 34.400 EUR (473.350 ATS).

- Die Geldvermögensbildung der privaten Haushalte war im Jahr 2000 sowohl von geänderten konjunkturellen Rahmenbedingungen als auch durch die Aufhebung der Anonymität bei Sparbüchern geprägt, sie fiel insgesamt geringer aus als im Vergleichszeitraum 1999.

- Die Kreditaufnahmen, vor allem bei inländischen Banken, führten zu einer Verschuldungsposition der privaten Haushalte in Höhe von 82,1 Mrd EUR (1.130 Mrd ATS).

- Das Nettogeldvermögen der Haushalte betrug zum 31. Dezember 2000 195 Mrd EUR (2.684 Mrd ATS).

In der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung werden sowohl die finanziellen Investitionen als auch die Finanzierungen der gesamten Volkswirtschaft gemessen. Sie komplettiert damit die Informationen über Investitionen, Konsum und Einkommen. Als eines ihrer wichtigsten Ergebnisse zeigt die Gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung das Geldvermögen (finanzielle Investitionen) und die Verschuldung (Finanzierung) der privaten Haushalte.

Das Geldvermögen der privaten Haushalte betrug zum 31. Dezember 2000 277,1 Mrd EUR (3.814 Mrd ATS) und stieg damit um rund 6% gegenüber Ende 1999 an.Wie in den letzten Jahren schon zu beobachten war, gab es auch im Jahr 2000 eine geringfügige Verschiebung in der Struktur des Geldvermögens der privaten Haushalte. Nach wie vor dominierten mit rund 55% des gesamten finanziellen Geldvermögens die Einlagen bei Banken und die Bargeldhaltung, dies bedeutet eine leichte Reduktion des Anteils im Vergleich zum Jahr zuvor, als er noch 57% ausmachte.

Gleichzeitig nahm der Bestand an höherwertigen Finanzprodukten zu. Sowohl der Besitz an Aktien und Investmentzertifikaten als auch Lebensversicherungen und Produkte für die Pensionsvorsorge zeigte einen - im Vergleich zum Jahr davor - leicht höheren Anteil an den gesamten Finanzanlagen der privaten Haushalte. Der Besitz an Aktien und Investmentzertifikaten erreichte zum Stichtag 31.12.2000 einen Anteil von 5% bzw. von 12%. Die Ansprüche aus Lebensversicherungen und gegenüber Pensionseinrichtungen hatten zum 31. Dezember 2000 ein Volumen von 57,4 Mrd EUR, womit rund 21% des gesamten Geldvermögens in diese Vorsorgeprodukte investiert wurden.

Die gesamte Geldvermögensbildung betrug im Jahr 2000 rund
15,7 Mrd EUR, wovon 13,8 Mrd EUR auf transaktionsbedingte Nettoneuinvestitionen entfielen. Die privaten Haushalte reduzierten die Spareinlagen, während sie die liquideren Sichteinlagen bei inländischen Banken in fast gleicher Höhe ausbauten. Der Erwerb von in- und zunehmend mehr ausländischen Investmentzertifikaten war nicht mehr so stark wie in den Jahren zuvor. Der Aktientausch von Aktien der Bank Austria in Aktien der Hypo-Vereinsbank verstärkte dabei noch das gestiegene Interesse der privaten Haushalte an ausländischen Investitionen im Euroraum. Der Börsengang der Telekom Austria fand hingegen einen relativ geringen Niederschlag. Die Konjunktur-abkühlung, die auch zu einem Nachgeben der internationalen Börsenkurse führte, sowie das Ende der Anonymität dürften Einflüsse auf die Auswahl der Finanzprodukte gehabt haben.

In der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung für das Jahr 2000 wurden neben dem Geldvermögen für private Haushalte auch deren Finanzierung (finanzielle Verpflichtungen) erhoben. Diese bestanden fast ausschließlich aus Krediten bei Banken bzw. bei öffentlichen Stellen in Form von Wohnbauförderungsdarlehen. Die Verpflichtungen beliefen sich zum 31. Dezember 2000 auf 82,1 Mrd EUR (1.130 Mrd ATS), 58,7 Mrd EUR davon entfielen auf Bankkredite, wovon ein zunehmender Anteil auf Fremdwährungsfinanzierungen zurückzuführen ist. Die finanziellen Verpflichtungen stiegen insgesamt um 7,3 Mrd EUR, wovon die Nettoneuverschuldungen transaktionsbedingt 4,9 Mrd EUR ausmachten. Die privaten Haushalte beanspruchten dabei fast ausschließlich den inländischen Bankenapparat für die neuen Kreditaufnahmen.

Das für den Haushaltssektor (inklusive Organisationen ohne Erwerbszweck) ermittelte Nettogeldvermögen (Finanzvermögen abzüglich der finanziellen Verpflichtungen) erreichte zum Stichtag
31. Dezember 2000 einen Wert von 195 Mrd EUR (2.683 Mrd ATS). Die transaktionsbedingte Veränderung des Nettogeldvermögens (Finanzierungssaldo) ergab einen Überschuss für das Jahr 2000 von 8,9 Mrd EUR und fiel damit geringer aus als der Vergleichswert für das Jahr 1999.

Im Statistischen Monatsheft 9/2001 der Oesterreichischen Nationalbank werden als Beilage die Ergebnisse der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung für alle volkswirtschaftlichen Sektoren für das Jahr 2000 vorgestellt. Die entsprechenden Tabellen sind auch im Internet über die Homepage der OeNB unter www.oenb.at/Pressedienst/OeNB-Publikationen/sonstige Dokumente/Gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung im Jahr 2000 abrufbar.

Anhangstabelle 1:

Gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung für das Jahr 2000

Haushalte 1) Werte in Mio EUR 1999 2000

Bargeld und Einlagen ................... 149.067 151.339 Wertpapiere ohne Anteilsrechte ......... 17.659 20.466 Aktien und sonstige Anteilsrechte
(ohne Investmentzertifikate) ........... 11.807 14.902 Investmentzertifikate .................. 29.577 32.736 Ansprüche gegenüber Lebensversicherungen 33.273 36.416 Ansprüche gegenüber Pensionseinrichtungen 8.840 9.397 sonstige Versicherungsforderungen ...... 11.083 11.569 sonstige Forderungen ................... 146 333 ------------------------- Geldvermögen ........................... 261.452 277.158 h.v. gegenüber inländischen Banken ..... 154.534 155.873 h.v. gegenüber dem Ausland ............. 10.166 15.250

Kredite ................................ 74.806 81.978 sonstige Verbindlichkeiten ............. 65 159 ------------------------- Verpflichtungen ........................ 74.871 82.137 h.v. gegenüber inländischen Banken ..... 53.428 58.771 ------------------------- Nettogeldvermögen ...................... 186.581 195.021 -------------------------

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