"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Kriegsstrategie mit "lieben Grüßen"

Ausgabe vom 11.10.2001

Nennen wir die "dauerhafte Freiheit" beim Namen - und sagen wir Krieg. Denn es ist Krieg. So hässlich das Wort sein mag. Ein Krieg, über den hinwegzutäuschen kein chiffrierter Operationsbegriff vermag. Auch keine Hilfspakete, die nach den Bomben für das flüchtende Volk vom Himmel fallen - "mit lieben Grüßen aus Amerika"...

Es mag - für die Betroffenen - ein Schnalzer ins wunde Gesicht sein. Für die USA sind die Lebensmittelrationen Teil ihrer Kriegsstrategie. Vielleicht sogar der wichtigste. Der islamischen Welt wird mit jedem Care-Paket eingehämmert: "Ihr seid nicht Ziel unseres Vergeltungsschlages. Ihr seid unsere Freunde." Wie lange sind "Freunde" bei Laune zu halten? Vor allem, weil "die Laune" ohnehin nie eine glorreiche war: Kein einziger arabischer Staat hat den USA seine lückenlose Solidarität versprochen. Die amerikanische Vergeltung wurde nur toleriert. Wird NOCH toleriert...

Wie lange aber duldet die arabisch-moslemische Welt einen Kampf gegen den Terrorismus, der bislang sein Ziel verfehlte? Einige verlassene Taliban-Stellungen auszuräuchern und Hunderttausende Menschen in die Flucht zu treiben, war nie erklärtes Ziel des Rachefeldzuges. Nein. Der Rachefeldzug sollte den Terrorismus zur Strecke bringen. Auch "wenn es Jahre dauert" (wie US-Präsident George W. Bush oft und oft betonte). So viel Zeit aber ist Bush nicht gegeben. Die unsichtbaren Feinde schlafen nicht. Unter dem Kugelhagel der USA rekrutieren sie ihre neue Anhängerschaft. Und diese ist bereit, für ihre Idee - und für den Todfeind Amerika - zu sterben.

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