Kommentar WirtschaftsBlatt: "Blindflug unterm Schweizer Kreuz" von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Der Zusammenbruch der stolzen Fluggesellschaft
Swissair zeigt, wie belämmert Spitzenmanager, Bankgeneräle und Politiker in der Stunde der Krise handeln können, selbst wenn sie einen Schweizer Pass besitzen. Zurzeit bringt die Swissair mit Mühe jedes zweite ihrer Flugzeuge an den Start, mehr Geld hat sie nicht. Dabei wollte sie ein europäisches Luftfahrtimperium aufbauen. Sollte in Österreich jemand zu Spottgelüsten neigen, so sei er gewarnt: So ein beschämendes Debakel wie die Schweiz bringen wir - das lehrt die reiche Erfahrung - noch allemal zusammen. Und wer weiss, was sich um die Friendly Airlines bereits alles zusammenbraut.

Von der aktuellen Blamage abgesehen ist die Schweiz aber in eine chronische Lebenskrise geraten. Mit dem privilegierten Sonderweg, den die Schweizer Bürger im Jahr 1992 durch ihr Veto gegen den Eintritt in den Europäischen Wirtschaftsraum EWR gegen den Willen ihrer Regierung erzwangen, stimmt so gut wie nichts mehr.

Geradezu Unerträgliches ist passiert. Die Europäische Kommission hat den Schweizer Botschafter dieser Tage zu sich zitiert, um sich über die 500-Millionen-Franken-Subvention für die Swissair zu beschweren. Ist die Schweiz über Nacht EU-Mitglied geworden -Natürlich nicht, aber sie ist gewissermassen im Dämmerschlaf durch eine Reihe von Sonderverträgen mit Brüssel in die europäische Dimension hineingesunken wie ins warme Bett. Ohne EU läuft auch in Bern und Zürich wenig und die EU-Kommission hat jetzt lediglich darauf hingewiesen. Man sieht: Nicht nur Riesen, auch Zwerge können Gulliver heissen und durch dünne Fäden gefesselt werden. Zwiespältig und doppelbödig geht es auch aussenpolitisch zu: im Verhältnis zur UNO (der die Schweiz nicht angehört) und in der zur Solidarität herunterdefinierten Neutralitätspolitik. Selbst das berühmte Sturmgewehr in jedem eidgenössischen Wohnzimmerschrank verheisst keine Sicherheit mehr, seit ein Amokläufer im Kantonsparlament von Zug eine Bluttat sondergleichen veranstaltete.

Der Alleingang ist keiner mehr, kostet die Schweizer aber immer mehr Geld. Da die Geldbörse ein empfindlicher Körperteil der Eidgenossen ist, könnten sie im Schmerz allmählich den politischen Kurs so auf den Boden der Realität bringen, wie es bereits mit der Swissair geschehen ist. (Schluss) wash.

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