Wien.at print: Umweltstadträtin & Parteien zum Thema Pflichtpfand

Wien, (OTS) Die Abfallmengen pro Haushalt nehmen zu, die Mehrwegflaschen werden weniger, Getränkedosen, PET-Flaschen und andere Einwegverpackungen für Getränke dagegen werden immer mehr. Wiens Umweltstadträtin Isabella Kossina verlangt daher vom Bund, österreichweit und verpflichtend ein Pfand für Getränke in Einweg-und in Mehrwegverpackungen einzuführen.

Der Anteil der Mehrwegflaschen nimmt in Österreich drastisch ab:
Er sank zum Beispiel bei Mineralwasser im Lebensmittelhandel in Wien von 81,2 Prozent im Jahr 1997 auf nunmehr 26 Prozent. Für die Mineralwasserflasche wird ein Pfand eingehoben - für andere Getränkeverpackungen wie Dosen und PET-Flaschen aber nicht.

Mit der Frage eines Einsatzes für alle Getränkeverpackungen beschäftigt sich die Zeitschrift wien.at print in ihrer aktuellen Ausgabe, die derzeit an alle Wiener Haushalte versendet wird. Umweltstadträtin Kossina (SPÖ) ist natürlich klar für ein Pflichtpfand - "weil es eine gute Möglichkeit wäre, Abfall zu reduzieren, Ressourcen zu schonen, die Rücklaufquote zu erhöhen und Straßenmüll zu vermeiden", betont Kossina. 1997 gab es nur 19 % Einweggebinde und Dosen bei Getränken, heute sind es 74 %. Dieser Trend muss gestoppt werden. Ein Pflichtpfand schafft einen Anreiz, die Verpackung zurück in den Handel zu bringen - in Skandinavien beträgt die Rücklaufquote bei Mehrwegverpackungen dank Pfand 98 %. Kossinas Ziel ist es, die Müllvermeidung voranzutreiben und den Mehrweganteil bei Getränkeverpackungen zu steigern.

Die Frage nach einem Pfand muss sich nicht stellen, meint dagegen Stadträtin Karin Landauer (FPÖ). Die WienerInnen sind bei der Mülltrennung äußerst vorbildlich. Das Bewusstsein, dass etwa Plastik, Glas oder Biomüll getrennt werden sollten, ist längst vorhanden. Nicht immer, meint Landauer, gibt es dazu allerdings ausreichend Gelegenheiten. Landauer spricht sich dafür aus, zuerst daran zu arbeiten, im öffentlichen Raum und in den Hausanlagen verstärkt Möglichkeiten zur Mülltrennung anzubieten. Erst wenn sich herausstellt, dass dies nicht genutzt werde, sollte man über Pfandmodelle nachdenken. Sie sei aber überzeugt, dass die WienerInnen verantwortungsbewusst handelten und sich die Pfandfrage daher gar nicht stellen müsse.

Als "Unsinn" bezeichnet ÖVP-Stadträtin Herlinde Rothauer die Diskussion über die Einführung eines Zwangspfandes auf Einwegverpackungen. Dies bedeutet nur eine neue Belastung für die BürgerInnen; Zwangsregulierungen und neue Belastungen sind nicht zielführend und daher abzulehnen. Es gibt ein funktionierendes Sammelsystem, das auf Freiwilligkeit beruhe. Am Beispiel Schweden zeigt sich auch, sagt Rothauer, dass ein Zwangspfand die Wirtschaft kaum dazu motiviert, umweltfreundlichere Verpackungen zu erzeugen. Die Vorstellung Kossinas, auf jede Bierdose sieben Schilling Pfand aufzuschlagen, sei realitätsfremd und würde niemandem Nutzen bringen.

Grundsätzlich sei er für die Einführung von Abgaben auf Einweggebinde und gegen die Abfallpolitik der Bundesregierung, unterstreicht Umweltsprecher Rüdiger Maresch von den Grünen: Das Abgehen von Mehrweggebinden führt zu einer explosionsartigen Vermehrung von Plastikmüll, z.B. allein bei PET-Flaschen von rund 4.900 auf rund 57.000 Tonnen. Damit wird, so Maresch, die Errichtung von Mega-Müllöfen geradezu gefördert. Die Verstärkung oder Wiedereinführung von Mehrwegsystemen reduziert aber nicht nur die Müllmengen nachhaltig, sondern schont Ressourcen. Einweggebinde ließen die Gewinne in privaten Händen, die Entsorgung aber zahle der Steuerzahler. Ökologisch und privatwirtschaftlich gesehen gebe er somit Mehrwegverpackungen klar den Vorzug. (Schluss) hrs/wien.at

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