Erschütterung reicht weit über den ÖGB hinaus

WirtschaftsBlatt-Kommentar - von Gerhard Marschall

Wien (OTS) - Rudolf Nürnberger sprach es in der ihm eigenen
Diktion an: Bei der Fusion der beiden Riesen Metallergewerkschaft und Gewerkschaft der
Privatangestellten (GPA) werde es gewiss “Brösel³ geben. Soll heissen, dass es genug Knackpunkte gibt und das ehrgeizige Projekt erst gelingen muss. So wollen erst einmal die Strukturen der beiden unterschiedlichen Organisationen zusammengeführt werden.
Schon jetzt hat sich freilich innerhalb des ÖGB eine radikale Machtverschiebung vollzogen. Die neue starke Achse heisst Nürnberger-Sallmutter. Offen ist aber, wie tragfähig diese Allianz über die Beteuerungen zu fairer Partnerschaft hinaus tatsächlich ist. Immerhin lag zwischen den beiden ebenso mächtigen wie machtbewussten Gewerkschaftsbossen bisher mehr Trennendes als Gemeinsames.

Dass sie jetzt überraschend zusammengefunden haben, beruht nicht nur auf sachlicher Logik. Vielmehr steckt dahinter auch kräftiger Eigennutz. Die GPA wäre in den Planspielen von Fritz Verzetnitsch in Branchengewerkschaften aufgegangen und de facto verschwunden. Ihr Vorsitzender Hans Sallmutter hat deshalb das Prestigeprojekt des ÖGB-Präsidenten stets mit Elan hintertrieben. Nun ist er wieder und sogar mehr denn je zentraler Akteur. Zugleich verleiht er seinem neuen Kompagnon Rudolf Nürnberger zusätzliches Gewicht. Und zusammen sind die zwei fast unschlagbar.

Der grosse Verlierer ist Verzetnitsch. Alleine, dass er eingestehen muss, vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein, ist peinlich. Geradezu erniedrigend ist es, wenn ihm seine beiden Vizes versichern, nicht an seinem Sessel zu rütteln. Und dass der ÖGB selbstverständlich das Dach über ihrer Super-Gewerkschaft sein werde. Um im Bild zu bleiben: Der Präsident bekommt ein Stübchen in der Mansarde, die Herren im Hause sind allerdings andere.
Diese Fusion und schon die Absicht dazu wird Auswirkungen weit über den ÖGB hinaus haben. Schon deswegen, weil das neue starke Duo ein grundsätzlich anderes Verständnis von gewerkschaftlichem Auftreten hat als Verzetnitsch. Die Zeiten, in denen der ÖGB immer noch einmal den Konsens suchte, um den Konflikt nicht wagen zu müssen, sind wohl vorbei. Die Gewerkschaft wird kantiger werden, was auch die Sozialpartnerschaft verändern wird. Von dort wird die stille Revolution im ÖGB auf die gesamte Innenpolitik ausstrahlen. (Schluss) mar

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