Dreharbeiten zum ORF-Andreas-Hofer-Film "1809 - Die Freiheit des Adlers"

Machtübernahme durch Andreas Hofer in der Innsbrucker Hofburg -Tobias Moretti und seine Aufständischen absolvierten ersten Drehtag

Wien (OTS) - Seit Dienstag, dem 2. Oktober 2001, laufen in der Innsbrucker Hofburg die Dreharbeiten zur ORF-Historienverfilmung "1809 - Die Freiheit des Adlers" - ein Film über den Freiheitskampf des Tiroler Nationalhelden Andreas Hofer, den Regisseur Xaver Schwarzenberger nach einem Drehbuch von Felix Mitterer inszeniert. Mitterer, der sich jahrelang mit der Figur und Geschichte des Andreas Hofer beschäftigt hatte, erzählt in seinem Drehbuch die Ereignisse der Jahre 1808 bis 1810, beginnend am 24. Dezember 1808 mit der militärischen Aushebung der Mitternachtsmette in St. Leonhard im Südtiroler Passeiertal, endend mit der Hinrichtung Andreas Hofers am 20. Februar 1810 in Mantua. Die Titelrolle des Freiheitskämpfers Andreas Hofer, der 1809 unter anderem am Bergisel den Truppen Napoleons die Stirn bot, ist durch einen namhaften Tiroler Schauspieler besetzt: Tobias Moretti verkörpert den Freiheitskämpfer, sein kongenialer Partner vor der Kamera, die Xaver Schwarzenberger wieder persönlich führt, ist Franz Xaver Kroetz. Er mimt den fanatischen Kapuzinerpater Joachim Haspinger, der an der Seite Hofers die treibende Kraft und maßgebender Führer des Tiroler Aufstandes war und nicht zuletzt der war, der Hofer zur Fortsetzung des Widerstands gegen Napoleon drängte.

Hochkarätige Darsteller
Auch in weiteren wichtigen Rollen agiert eine Vielzahl hochkarätiger Darsteller: Gregor Bloéb gibt den "Judas von Tirol", den Hofer-Verräter Franz Raffl, Julia Stemberger spielt Hofers Frau Anna, außerdem stehen Martina Gedeck, Peter Mitterrutzner, Manfred Lukas-Luderer, Guntram Brattia, Heio von Stetten, Günther Maria Halmer und viele andere vor der Kamera. Gestern, am Donnerstag, dem 4. Oktober, hatten Andreas Hofer und seine Widerstandstruppe den ersten Drehtag: Im prunkvollen Riesensaal der Innsbrucker Hofburg wurde die Machtübernahme Hofers und seiner Aufständischen gedreht. Hofer lässt sich dazu überreden, sein Land Tirol zu regieren, bis die Friedensverhandlungen des Kaisers in Wien abgeschlossen sind. Tobias Moretti - mit braunen Kontaktlinsen, gewaltigem Bart und in Südtiroler Schützentracht beeindruckend auf Andreas Hofer getrimmt -spricht an dieser Stelle ein Originalzitat des Helden in die Kamera:
"Also guat. Wenns Landl grad mi haben will, so solls mi haben. Aber nur im Namen des Kaisers." Mit dem Innsbrucker Bürgermeister und den bayerischen Landesbeamten, die bisher in Tirol des Amtes gewaltet haben, räumt er schleunigst auf und besetzt die wichtigsten Regierungspositionen mit seinen eigenen Leuten.

Ein großartiges Stück Geschichte
ORF-Programmintendantin Kathrin Zechner zum jüngsten Filmprojekt ihrer Unterhaltungsbeteilung: "Zunächst ist die Geschichte von Andreas Hofer für uns Österreicher ein großartiges Stück Geschichte, ein hervorragender Stoff, mit allen Zutaten eines universellen Dramas - Liebe und Zweifel, Heimat und Glaube, Hingabe und Verrat ranken sich um die Figur des Hofer. Dieser ist in Mitterers Buch ein zerrissener Held, ein 'David', der dem 'Goliath' Napoleon einige schmerzliche Schläge zufügt, und dem die Herzen zufliegen. Mitterer beschreibt, wie einer, der die Heimat liebt, diese unfreiwillig der Vernichtung preisgibt. Wie Hofer ein Getriebener in diesem mörderischen Kampf wird, dessen Dynamik bald von anderen Interessen bestimmt wird. Erschreckend ist auch, welche Parallelen zu diesem Stück österreichischer Geschichte sich auch heute noch immer wieder in unserer Welt auftun!", so Zechner. "Mit Xaver Schwarzenberger als Regisseur, Tobias Moretti, Julia Stemberger und vielen, vielen anderen haben wir auch die Idealbesetzung für diese Großproduktion gefunden."

Dreharbeiten in der Innsbrucker Hofburg
Die Innsbrucker Hofburg ist einer von vielen Originalschauplätzen, an denen "1809 - Die Freiheit des Adlers" gedreht wird. In der Innsbrucker Innenstadt, rund um das Goldene Dachl und die Herzog-Friedrich-Straße, wird ebenso gefilmt wie im Schloss Schönbrunn in Wien. Die berühmten Bergisel-Schlachten werden jedoch in Südtirol, in Mals im Vinschgau nachgestellt. Der Großteil der Dreharbeiten findet in Nord- und Südtirol statt, einzelne Drehtage führen das Filmteam nach Wien und Mantua.

Facts und Figures zum Film - Wie Innsbruck in das Jahr 1809 zurückversetzt wird
Wie aufwendig und arbeitsintensiv detailgetreue Historienverfilmungen in der Ausführung sind, zeigt sich auch bei "1809 - Die Freiheit des Adlers": So wird die Innsbrucker Innenstadt für die Schlachtenszenen, die am Wochenende des Nationalfeiertags gedreht werden, in das Jahr 1809 zurückversetzt. Dafür wurden eigens Zwischenwände konstruiert, die mit historischen Motiven bemalt bzw. bedruckt sind und als Fassaden in die Laubengänge der Herzog-Friedrich-Straße gestellt werden. Dahinter können dennoch Passanten gehen und der Zutritt zu Lokalen und Geschäften ist gewährleistet. Moderne Schriften auf den Geschäftsfassaden werden abmontiert bzw. überdeckt, Fenster und Fensterläden werden ausgetauscht - allein am Haus des Goldenen Dachls werden 88 Fensterläden gewechselt. All diese Umbauarbeiten wird das Produktionsteam der Wiener Satel-Film jeweils in der Nacht vor den beiden großen Schlachten-Drehtagen am 26. und 28. Oktober (Freitag und Sonntag) durchführen. Um den Geschäftsbetrieb in der Innsbrucker Innenstadt am Samstag, dem 27. Oktober, nicht zu stören, baut das Team nach dem Dreh am 26. Oktober alles wieder ab, um es in der Nacht des 27. Oktober wieder für den Sonntag-Dreh aufzubauen.
Um all diese Veränderungen in Innsbrucks Zentrum vornehmen zu können, musste die Produktionsleitung das Einverständnis der Eigentümer von 60 Häusern und von 95 Geschäfts- und Lokalinhabern einholen, die von der historischen Verwandlung betroffen sind. Abseits davon waren natürlich auch zahlreiche Wohnungsmieter zu kontaktieren, deren Zustimmung eingeholt werden musste. "All dies konnte nur mit der freundlichen Unterstützung der Stadt Innsbruck, der Tiroler Wirtschaftskammer und aller Geschäftsinhaber und Mieter realisiert werden", so die Produktionsleitung. "Wir danken für die freundliche Aufnahme und Hilfe."
Dieser Dank gilt auch dem Bundesmobiliendepot, das unter anderem die prächtige Innsbrucker Hofburg verwaltet. "Auch hier wurden wir ausgesprochen freundlich aufgenommen und dürfen einen großen Bereich des Gebäudes, aber auch das wertvolle Geschirr und die Möbel der Hofburg für den Film benützen." Man erhielt unter anderem die Erlaubnis, die Glühbirnen in den drei großen Lustern des Riesensaales der Hofburg - mit rund 200 Birnen pro Luster - gegen eine vorgefertigte, sichere Kerzenkonstruktion auszutauschen, um in den Nachtszenen in der Hofburg den Eindruck von echtem Kerzenlicht erwecken zu können.

Andreas-Hofer-Haus in Südtirol eigens aufgebaut
Ein wesentlicher Filmschauplatz ist auch der "Sandhof", der Gasthof Andreas Hofers, der in St. Gertraud im Südtiroler Ultental, südlich von Meran, eigens aufgebaut wurde. Das echte Wirtshaus "Am Sand" befand sich an der Jaufenstraße im Passeiertal. Das Ausstattungsdepartment leistete beim Bau des "Sandhofs" Meisterarbeit in Rekordzeit: In nur drei Wochen wurde das zweigeschoßige Haus in der Größe von 14 mal 18 Metern Grundfläche unter der Leitung des Filmarchitekten Rudi Czettel und der Baubühnenmeister Kurt Rosner und Kelvin Carter aufgebaut. Bestehend aus Holzlatten- und -platten trägt der "Sandhof" ein richtiges Dach, das mit echten zusammengesammelten Schindeln in traditioneller Südtiroler Dachbauweise gedeckt wurde. Nach den Dreharbeiten wird der Hof einem guten Zweck zugeführt: Die Ultener Freiwillige Feuerwehr benötigt dringend ein Vereinshaus und hätte dafür lange sammeln müssen. Sie wird das Haus mit einer großen Anzahl von freiwilligen Helfern aus dem Ultental auf das Feuerwehr-Gelände versetzen.

Von Komparsen, Kostümen und Kanonen
Wie opulent das Geschichtsepos um Tirols Nationalhelden ist, zeigt auch das Aufgebot an Komparsen, Kostümen und Requisiten. Insgesamt 1.600 Statisten werden für die Dreharbeiten eingesetzt, ein Großteil davon für die großen Schlachten in der Innsbrucker Altstadt und am Bergisel. Darunter finden sich auch 50 Männer von so genannten "re-inactment-groups" - Gruppen, die sich in ihrer Freizeit mit Kriegsgeschichte befassen, indem sie mit eigenen Kostümen, Waffen und Kanonen Schlachten nachstellen. Zehn Kanonen und jede Menge an Schusswaffen und Bajonetten, so genannten "Stutzen", musste die Filmrequisite für die Tiroler Schützen bereitstellen. Die Bewaffnung bestand 1809 jedoch zum Teil auch aus "unüblichen" Waffen, denn die Aufständischen kämpften mit allem, was aufzutreiben war: So agiert der taubstumme Schmied Öttl, gespielt von Manfred Lukas-Luderer, mit einem Vorschlaghammer, der ebenso organisiert werden musste wie Sensen, Rechen und sonstige Gerätschaften, die auf Bauernhöfen zu finden sind, aber auch Steinschleudern, mit denen die Kinder damals ausgestattet wurden. Mit Hilfe eines militärischen Fachberaters und historischer Beratung durch Institutionen wie das Tiroler Volkskunst-Museum, das Innsbrucker Stadtarchiv, die Bundesdenkmalämter für Tirol und Südtirol und unzählige Museen soll die Verfilmung authentisch umgesetzt werden.
Rund 1.000 Kostüme wurden für die Darsteller und Komparsen vom traditionellen Kostümverleiher Lambert Hofer angemietet. Selbstverständlich verfügt die Produktion auch über entsprechend viele Perücken und Haarteile.
Das Filmdepartment "Maske" hat auf jeden Fall alle Hände voll zu tun:
Abgesehen davon, dass den Darstellern bei jedem Dreheinsatz neue Bärte "aus der Hand" geklebt werden, also kein fertiger Bart auf Netz verwendet wird, sondern einzelne Barthaare täglich neu auf das Gesicht geklebt werden, müssen am laufenden Band Verwundungen, Einschüsse und auch "Filmtote" geschminkt werden.
Besonders actionreiche Szenen werden nicht von den Darstellern selbst gespielt: Dafür stehen der Produktion elf Stuntmen, die die Darsteller doublen und die gefährlichen Parts übernehmen, zur Verfügung. Zusätzlich gibt es zwei Stunt-Koordinatoren, die bei der Inszenierung der Schlachten- und Kampfszenen helfen und mit den Darstellern in eigens angemieteten Turnhallen trainieren. Fachberatung gibt es auch für die Gebärdensprache, die der bereits erwähnte taubstumme Schmied Öttl und der Knecht Zoderer, gespielt von Peter Mitterrutzner, im Film beherrschen müssen. Grundsätzlich sprechen die Darsteller Tiroler Dialekt - mit Rücksichtnahme auf die Verständlichkeit für die Restösterreicher und das deutsche Publikum. Ein eigener Dialogue-Coach steht für die französisch gesprochenen Szenen des Films zur Verfügung.
Auch Tiere spielen in "1809 - Die Freiheit des Adlers" mit: So gehören zum fixen Team unter anderem acht Pferde, die als Stuntpferde ausgebildet sind und im Kampfgewirr nicht erschrecken.
Für realistische Kampfdarstellungen, vor allem für Einschüsse, Kanonendonner, brennende Häuser, aber auch Schießpulver für die Waffen, Erzeugung von Schnee und vieles mehr sorgt ein vierköpfiges SFX-Department.

Die Dreharbeiten zu "1809 - Die Freiheit des Adlers" laufen bis voraussichtlich 23. November 2001, gesendet wird der rund 100-minütige Fernsehfilm im ORF am Nationalfeiertag 2002, dem 26. Oktober.

"1809 - Die Freiheit des Adlers" ist eine Koproduktion von Satel und Almaro in Zusammenarbeit mit ORF, Bayerischem Rundfunk, RAI - Sender Bozen, KirchMedia, Wiener Film Fonds, Cine Tirol, Land Tirol, FilmFernsehFonds Bayern und Land Südtirol/Autonome Provinz Bozen.

(Fotos via APA)

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