• 20.09.2001, 14:13:37
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DIE FINANZSCHULD WUCHS IM JAHR 2000 DEUTLICH LANGSAMER Schuldenzuwachs ging um mehr als 50 Prozent zurück=

Wien (PK) - Die bereinigte Finanzschuld erreichte auf Bundesebene zu
Jahresende 2000 einen Betrag von 1.660,9 Mrd. S. Dies geht aus dem
Bericht über die Finanzschuld des Bundes 2000 hervor, den
Finanzminister Karlheinz Grasser dem Nationalrat kürzlich vorlegte
(III-117 d.B.). Mit 37,6 Mrd. S oder 2,3 % sank der Zuwachs der
Finanzschuld deutlich, um mehr als die Hälfte, unter den
Vergleichswert des Vorjahres (87,7 Mrd. S oder +5,7 %). Der
Budgetabgang, der 1999 noch 68,2 Mrd. S betragen hatte, machte 39,3
Mrd. S aus, wobei die Differenz zwischen Nettodefizit und Zunahme der
Finanzschuld im Wesentlichen aus ultimoübergreifenden Transaktionen
resultiert. Denn obwohl Wechselkursschwankungen die
Fremdwährungsschuld um 0,8 Mrd. S erhöhten, drückten unechte
Pensionsgeschäfte über den Jahresultimo die Zunahme der bereinigten
Finanzschuld unter den Budgetabgang des Bundes.

Der Zinsaufwand für die Finanzschuld lag im Berichtsjahr bei 93 Mrd.
S und überschritt damit den Vorjahreswert um 1,7 Mrd. S oder 1,8 %.
Die Nominalverzinsung der Bundesschulden betrug Ende 2000 unverändert
5,4 %. Steigende kurzfristige Zinsen wirkten sich wegen des hohen
Fixzinsanteils, geringer Geldmarktfinanzierungen, Tilgungen von
Schuldkategorien mit hohen Zinssätzen und infolge von
Anleiheaufstockungen auf die Nominalverzinsung nicht aus.

Das Finanzschuldenmanagement steht weiterhin im Zeichen der
veränderten Marktgegebenheiten im Euroraum. Die Nachfrageseite des
Eurorentenmarktes wird von international agierenden
Finanzintermediären geprägt, die dem Kriterium "Liquidität" sehr hohe
Bedeutung beimessen. Kleinere Länder wie Österreich verfügen nach
internationalen Maßstäben weder über einen breiten und tiefen
heimischen Finanzplatz noch über hohe Finanzierungserfordernisse.
Zugleich segmentieren Zutrittsbarrieren zu Börsen, Primärmärkten und
Derivativmärkten sowie steuerliche Unterschiede den Eurofinanzmarkt,
sodass die Währungsunion ihre positiven Wirkungen nur eingeschränkt
entfalten kann. In den nächsten Jahren wird aber eine zunehmende
Verschmelzung der Finanzmärkte im Euroraum erwartet.

Der Zinsabstand österreichischer Bundesanleihen gegenüber jenen von
Deutschland weitete sich - trotz liquiditätsfördernder Maßnahmen des
Debt-Managements in Österreich - im ersten Halbjahr 2000 weiter aus.
Im Jahresdurchschnitt erreichte die Renditendifferenz zu Deutschland
bei 10-jährigen Anleihen bereits 29 Basispunkte. Im
Vergleichszeitraum des Vorjahres war noch ein Zinsabstand von 19
Basispunkten zu verzeichnen. Das Zinsdifferenzial aller WWU-Staaten
(ohne Griechenland) stieg im Jahresdurchschnitt um 4 Basispunkte auf
25 Basispunkte und bewegte sich in einer Bandbreite von 13
(Frankreich) bis 34 Basispunkten (Portugal).

Trotz dieser Rahmenbedingungen war die Nachfrage nach
österreichischen Bundespapieren weiterhin hoch und überstieg das
Tenderanbot des Bundes bei weitem. Die Käufer der Bundesanleihen
waren - wie bereits in den beiden vorangegangenen Jahren - vorwiegend
ausländische Primärhändler, die diese Papiere im Ausland (vorwiegend
im WWU-Raum) platzierten. Die Auslandsverschuldungsquote des Bundes
stieg seit 1999 von 47,8 % auf 52,9 %.

Die Struktur der Finanzschuld des Bundes in Österreich verschob sich
im Jahr 2000 weiter in Richtung titrierter Euro-Schuldformen, wobei
klassische, im Auktionsverfahren (Renditentender) begebene Anleihen
mit fixer Verzinsung und Endfälligkeit dominierten. Daneben
beauftragte der Bund auch Bankenkonsortien im Rahmen eines
Syndikatsverfahrens, die Platzierung von Bundesanleihen vorzunehmen.
Zu Jahresende 2000 finanzierten titrierte Schuldformen 84,9 % der
Finanzschuld des Bundes (1999: 83,7 %).

Die Fremdwährungsschuld des Bundes unter Berücksichtigung der
Währungstauschverträge setzt sich seit Beginn der WWU aus zwei
Währungen (Yen und Schweizer Franken) zusammen. Ihre Anteile an der
bereinigten Finanzschuld des Bundes beliefen sich zu Jahresende auf
13,9 % (1999: 14,2 %). Im Bereich der Fremdwährungsverschuldung des
Bundes wurden im Berichtsjahr fällige Verbindlichkeiten durchwegs nur
durch Neuaufnahmen refinanziert.

Das Volumen an Währungstauschverträgen (einschließlich
Devisentermingeschäften) nahm zum zweiten Mal in Folge sowohl bei der
Fremdwährungsschuld als auch bei der Euro-Verschuldung deutlich zu.
Die Schulden des Bundes aus WTV erhöhten sich im Berichtsjahr um
insgesamt 16 Mrd. S oder 12 % und 1999 um 33,3 Mrd. S oder 33,2%. Zu
Jahresende 2000 betrugen die WTV-Verbindlichkeiten der Finanzschuld
bereits 149,6 Mrd. S und der Nominalwert der Zinsswaps
(einschließlich Rechtsträgerfinanzierungen) 116,2 Mrd. S. Der Einsatz
von Derivativgeschäften ermöglicht dem Debt-Management, auf Zins- und
Wechselkursentwicklungen rasch zu reagieren, Arbitragemöglichkeiten
zu nützen und die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer (Duration)
des Schuldenportefeuilles losgelöst von den Schuldaufnahmen zu
steuern. Die Finanzierungskosten und das Risikoprofil der
Verschuldung können damit im Zeitablauf aktiv gesteuert werden, was
im Regelfall Kosteneinsparungen nach sich zieht. Allerdings erhöhen
Derivativgeschäfte durch das Ausfallrisiko der Vertragspartner, aber
auch durch Abwicklungsrisiken grundsätzlich das Risikoprofil des
Schuldenportefeuilles.

Das Laufzeitenprofil der bereinigten Finanzschuld des Bundes verschob
sich abermals in Richtung mittelfristige Finanzierungen mit
Restlaufzeiten zwischen einem und fünf Jahren. Ende 2000 waren 156
Mrd. S oder 9,4 % (1999: 145 Mrd. S oder 8,9 %) der aushaftenden
Verbindlichkeiten des Bundes mit einer Restlaufzeit von weniger als
einem Jahr, 733 Mrd. S oder 44,1 % (1999: 675 Mrd. S oder 41,6 %) mit
einer Bindungsdauer von einem Jahr bis fünf Jahre und 772 Mrd. S oder
46,5 % (1999: 804 Mrd. S oder 49,5 %) mit einer Fristigkeit von mehr
als fünf Jahren versehen.

Dem Finanzschuldenausschuss erscheint die Fristigkeits- und
Verzinsungsstruktur der Finanzschuld des Bundes hinsichtlich
Veränderungen des Marktzinsniveaus und eventueller kurzfristiger
Finanzmarktstörungen weiterhin relativ robust. Kritischer wird die
dynamische Entwicklung der Derivativgeschäfte (im wesentlichen Swaps,
aber auch Devisentermingeschäfte) gesehen, die mit dem Ausfallrisiko
des Vertragspartners behaftet sind. Zur Reduktion dieses Risikos
werden Swaptransaktionen seit dem Jahr 2000 mit Collaterals
(Besicherungsinstrumenten) unterlegt. (Schluss)

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