- 20.09.2001, 11:00:36
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Mikado mit Stabstahl
Deutliche Erhöhung der betriebswirtschaftlichen Effizíenz von Stahlwerken durch den Stabselector der ARCS
Seibersdorf (OTS) - Experten der Austrian Research Centers
Seiberdorf (ARCS) und Böhler Edelstahl Kapfenberg ist es gelungen,
einen arbeitsintensiven und gefahrenreichen Verfahrensschritt in der
Stahlerzeugung zu automatisieren. Eine Digitalkamera mit
nachgeschaltetem Rechner sendet Anweisungen an den Greifroboter, die
verhedderten Stahlstäbe einzeln aus dem Bündel herauszuziehen und in
die weiterführende Produktionslinie zu bringen. Damit wird eine
unfallträchtige manuelle Schwerstarbeit ersetzt und die
betriebswirtschaftliche Effizienz deutlich erhöht. Nach einer
fünfjährigen, erfolgreichen Testphase im Kapfenberger Werk startet
jetzt eine Verkaufsoffensive für den "Stabselector SL-1" in
Österreich, Deutschland, Italien und Schweden.
Experten der Austrian Research Centers Seiberdorf (ARCS) und von
Böhler Uddeholm haben gemeinsam in intensiver Entwicklungsarbeit ein
Verfahren entwickelt, das eine der härtesten und gefahrenreichsten
manuellen Arbeitsvorgänge in der Stahlindustrie überflüssig macht.
Das "Stabselector-System" ist in der Lage, Stahlstäbe, die nach der
Wärmebehandlung gekrümmt und verheddert aus der Produktion kommen,
zu vereinzeln und der nachgeschalteten Produktionsanlage, der
"Richtmaschine" zuzuführen. Die Stahlstäbe kommen in der Regel
verkrümmt aus der Wärmebehandlung und tendieren dazu, sich
untereinander zu verheddern. In der Vergangenheit mussten die Stäbe
manuell entwirrt, aufwändig vereinzelt und in die Einzugrinne der
Richtmaschine gebracht werden. Das neue System von ARCS und Böhler
verbindet eine Bildverarbeitungs-Lösung mit einer mechanischen
Transportanlage. Dabei werden bündelweise die Stäbe mittels Kran auf
einen Hubtisch verbracht und einem Elektromagneten zugeführt. Der
Magnet hält die obersten Stäbe fest, Laserlinien werden auf die Stäbe
projiziert, die Bildverarbeitungskamera überträgt die abgebildeten
Halbmonde an den nachgeschalteten Rechner. Dieser verarbeitet die
überspielten Daten und ermittelt dann die Reihenfolge, in der die
Stäbe von den Robotergreifern aufgenommen werden können. Der Roboter
"erfährt" die ideale Greif-Position anhand der Laserabbildungen am
Werkstück und kann es jetzt ähnlich wie beim "Mikadospiel" ergreifen
und den ausgewählten Stab dem Elektromagneten entreissen,
herausziehen und auf einen Querförderer ablegen, der den Stab in den
Einwurfschacht der Richtmaschine weiter transportiert.
Der Einsatz des "Stabselectors SL-1" bringt eine Reihe von
Vorteilen. Betriebswirtschaftlich relevant ist die hohe
Geschwindigkeit, mit der die Stäbe vereinzelt werden können. Während
bei manueller Arbeit pro Stab etwa 40 Sekunden notwendig sind,
erledigt das die Anlage in 10 Sekunden. Bei Böhler in Kapfenberg, wo
während der letzten fünf Jahre ein "Dauertest" durchgeführt wurde,
kann ein Mitarbeiter gleichzeitig zwei Stabselectoren-Anlagen
bedienen. 95 Prozent des minimalen Wartungsaufwandes wird hausintern
durchgeführt. Für die MitarbeiterInnen bedeutet der Einsatz der
vollautomatischen Anlage den Wegfall einer körperlichen
Schwerstarbeit mit hohem Unfallrisiko aber auch große Motivation beim
Bedienpersonal, das nun als Operator tätig ist und nicht mehr der
Gefahr von Verletzungen durch Quetschungen ausgesetzt ist.
Nicht vergessen werden darf auch der mit dem Stabselector
verbundene Zusatznutzen für den Unternehmer: die raschere Abwicklung
von Kundenaufträgen; der Wegfall von Sonderschichten, die verbesserte
Auslastung der Richtmaschine, geringere Lagerbestände und dadurch
geringere Logistikprobleme. Wenn all diese Vorteile in
Amortisationsüberlegungen einfließen, ergibt sich eine höchst
interessante Investition.
Die Experten der ARCS planen jetzt mit dem ausgereiften Modell
nicht nur eine Verkaufsoffensive am kleinen österreichischen Markt,
sondern wollen auch in den europäischen Raum exportieren, beginnend
mit Deutschland, Italien und Schweden. Technische Details zum
Stabselector SL-1: *
- Der Stabselector ist für die automatische Vereinzelung von
magnetischen Stäben mit einem Durchmesser zwischen 10 und 38 mm
ausgelegt. Auch Rohre können damit vereinzelt werden.
- Die erreichte Richtgeschwindigkeit beträgt bis zu 32 Meter/min.
- Die durchschnittliche Anlagenkapazität beläuft sich auf 300
Stäbe/Stunde.
- Die Länge der Stäbe kann zwischen 2 und 6,5 m variieren.
- Die Stahlstäbe müssen nicht gerade sein, sondern dürfen eine
Krümmung von bis zu fünf Prozent ihrer Gesamtlänge aufweisen.
- Das maximale Gewicht eines Stabes kann bis zu 40 Kilogramm
betragen.
- Die Taktzeit eines Vereinzelungsvorganges beträgt zwölf
Sekunden.
- Stäbe müssen magnetisch sein, Rohre nicht.
Die weitere Entwicklung geht in Richtung Vereinzelung von
Flachstahl. Dazu sind bereits erfolgreiche Vorversuche angelaufen.
*) Die Angaben beziehen sich auf die Standardversion des AL-1, die
jedoch an die individuellen Kundenwünsche angepasst werden können.
Rückfragehinweis: Reinhard Zeitlhuber
Bereich Produktionstechnik
Austrian Research Centers Seibersdorf
Tel.: 050550/2047
Email: reinhard.zeitlhuber@arcs.ac.at
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