Gesundheitsmanager 2: Zivilisationskrankheiten im Vormarsch

Fatale Kombination von Bluthochdruck, ungesunder Ernährung, Fettsucht, Bewegungsmangel, Rauchen und psychosozialem Streß

Wien (OTS) - Vor allem bei den Herz-Kreislauferkrankungen sind die Zahlen alarmierend. Herz-Kreislauferkrankungen sind mit mehr als 50 Prozent nach wie vor Todesursache Nummer 1 in Österreich. Darauf verwies die Fachärztin für Physikalische Medizin im Donauspital / SMZ-Ost und Leiterin des neuen Ärztekammer-Präventionslehrgangs, Univ.-Doz. Dr. Renate Petschnig. ****

Laut Statistischem Zentralamt ist das Risiko, an einer Herz-Kreislauferkrankung zu sterben, in Wien am größten. Auch die Wiener Rettung verbucht die meistens Einsätze aufgrund von Herzpatienten. Die Aufenthaltsdauer von Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen in den Wiener Spitälern liegt mit 31 Tagen weit über der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 12,8 Tagen. Darüber hinaus zählten 1998 Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems zu den zweithäufigsten Spitalsentlassungsdiagnosen, gefolgt von den Krankheiten des Skeletts und der Muskulatur.

Hauptrisikofaktor Bluthochdruck

Die internationale Heart Health Conference 1992 hat festgestellt, daß die meisten kardio-vaskulären Erkrankungen durch eine Kombination von Bluthochdruck, Hypercholesterinämie, ungesunde Ernährung, Fettsucht, Bewegungsmangel, Rauchen und psychosozialem Streß ausgelöst werden. Ein Hauptrisikofaktor von Herz-Kreislauferkrankungen ist nach wie vor der Hochdruck. Experten schätzen, daß in Österreich 15,6 Prozent der Männer und 13,6 Prozent der Frauen an Bluthochdruck leiden.

Darüber hinaus hat die Zahl der Fettsüchtigen in den letzten Jahren drastisch zugenommen. Die Österreicher essen viel zu fett und bewegen sich zu wenig. Die Gesundenvorsorgeuntersuchung im Jahr 1999 zeigte auf, daß insgesamt 33,4 Prozent der Frauen und 39,3 Prozent der Männer übergewichtig sind. Adipositas ist ein Wegbereiter für Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall und Zuckerkrankheit und begünstigt Brust-, Gebärmutter- und Darmkrebs. Auch Rückenschmerzen und Gelenksschäden sind häufig mit Übergewicht verbunden. Es wird geschätzt, daß die "Volksseuche" Übergewicht derzeit ungefähr 20 Milliarden Schilling an Gesundheitskosten verursacht.

Aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung steigt auch die Anzahl der Personen, die an Altersdiabetes leiden. Laut Fachleuten wird mit einer Verdoppelung der Erkrankung innerhalb von 20 Jahren gerechnet. 1900 gab es eine Million Diabetes-Patienten weltweit. Derzeit leiden bereits 200 Millionen Menschen an der Zuckerkrankheit. Am Ende des 21. Jahrhunderts werden zwischen 750 Millionen und einer Milliarde Menschen an Diabetes erkrankt sein.

Petschnig: "Die steigende Zahl der Erkrankungen, die durch Kombinationen von Bluthochdruck, Hypercholesterinämie, ungesunder Ernährung, Adipositas, Bewegungsmangel, Rauchen und psychosozialem Streß ausgelöst werden, ist somit nicht nur ein Problem der Gegenwart, sondern vielmehr ein Problem der Zukunft." Ein gesünderer Lebensstil hinsichtlich Bewegung, Haltung und Ernährung könnte durch Einsparung bei den Krankenhausaufenthalten das Gesundheitsbudget erheblich reduzieren, betonte die Expertin.

Erkrankungen durch Bewegungsmangel

Schon lange liegen den Wissenschaftern genügend gesicherte Ergebnisse über den Stellenwert der körperlichen Aktivität im Rahmen der Prävention vor. Männer, die in ihrem Job körperlich aktiver sind, erkranken beispielsweise mit geringerer Wahrscheinlichkeit an einer Herz-Kreislauferkrankung als körperlich inaktive Personen. Darüber hinaus ist der Verlauf der Erkrankung bei körperlich aktiven Personen günstiger.

Trotzdem nehmen die Erkrankungen, die man dem Bewegungsmangel anlastet, weiterhin zu. Petschnig: "Obwohl der positive Effekt präventiver Maßnahmen im Sinne von regelmäßiger körperlicher Aktivität und gesunder Ernährung eindeutig bewiesen ist, sprechen die Statistiken leider eine andere Sprache."

Schon im frühen Schulalter zeigten in etwa 50 Prozent der Kinder Auffälligkeiten am Stütz- und Bewegungsapparat, ungefähr ein Drittel der Bevölkerung leide an chronischen Rückenschmerzen. 70 Prozent der Erwachsenen seien mindestens einmal im Leben von Kreuzschmerzen betroffen. Erkrankungen des Bewegungsapparats sind laut Petschnig in Österreich die zweithäufigste Ursache von Krankenständen sowie die häufigste Ursache für Frühpensionen.

Für Ärztekammerpräsident Dorner ist damit jede Investition in die Prävention und somit in die Gesundheit eine Investition in die Zukunft. Viele Krankheiten könnten vermieden beziehungsweise hinausgezögert werden, wenn der Einzelne eigenverantwortlich die richtigen präventiven Maßnahmen frühzeitig ergreifen würde. "Es sind daher alle im Gesundheitswesen tätigen Personen und die Medien aufgerufen, die Auswirkungen der Prävention mit allen ihren Facetten noch stärker publik zu machen und alle notwendigen Maßnahmen zu unterstützen", so Dorner abschließend. (bb/hpp)

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