Industriekonjunktur im Abwärtstrend

Auftragseingänge schmelzen weg - Export auf Talfahrt

Wien (PWK615) - "Die internationale Konjunkturabschwächung hat die österreichische Industrie nun voll erfasst. Das Exportklima ist so schlecht wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Grund für die trüben Aussichten der Exportwirtschaft ist die anhaltende Konjunkturflaute auf den wichtigsten Absatzmärkten. Im Euroland steht die österreichische Industrie daher weiterhin einer schwachen Auftragslage gegenüber. Die inländische Nachfrage kann das Minus nicht ausgleichen", beschreibt Joachim Lamel, Syndikus der Bundessektion Industrie, die düstere Stimmungslage .

Die Unternehmer blicken wesentlich pessimistischer in die Zukunft, als sie dies noch im letzten Quartal getan haben. Die Auftragseingänge schmelzen weg. Investitionen werden dementsprechend angepasst. Die Inflationsrate dürfte allerdings ihren Höhepunkt überschritten haben. Dämpfend wirkt sich auch die verschlechterte preisliche Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Exporteure aus. Es ist zu befürchten, dass das Konjunkturtief in Österreich noch nicht erreicht ist, daher muss man für die nähere Zukunft mit einem noch schlechteren Abschneiden rechnen. Der Pessimismus, der sich breit gemacht hat, wird noch länger erhalten bleiben.

Nur mehr 6 Fachverbände melden eine befriedigende Produktionsentwicklung, 10 Fachverbände eine stagnierende, und 4 Fachverbände (Papierverarbeitung, Stein-Keramik, Holzindustrie, Metallwarenbereich) berichten sogar über rückläufige Produktionsentwicklungen. Eine zufriedenstellende Situation melden noch die Stahlerzeugung, der Chemiebereich, die Nahrungs- und Genussmittelindustrie, die Maschinenindustrie, die Fahrzeugindustrie und eine marginale Verbesserung auf tiefem Niveau Teile der Bauindustrie. In allen anderen Fachverbänden herrscht Stagnation vor.

Bei den Auftragseingängen melden 10 Fachverbände eine stagnierende und 8 Fachverbände eine rückläufige Entwicklung. Nur die Stahl- und chemische Industrie sprechen noch von einer befriedigenden Situation. Rückläufige Auftragseingänge verzeichnen: Stein- und keramische, Papier erzeugende, Papier und Pappe verarbeitende, Holz-, die NE-Metall-, die Maschinen-, die Elektro- sowie die Textilindustrie.

Wichtig für die Entwicklung in Europa wird es sein, inwieweit sich die USA wieder erholen kann. Durch die antizyklische Wirtschaftspolitik (massive Senkung der Leitzinsen, Senkung der Einkommenssteuern) könnte in diesem Jahr der Tiefststand mit 1,5% Wirtschaftswachstum erreicht sein. Die Reaktion der EZB auf den Konjunkturrückgang ist wesentlich weniger dynamisch. Für die EU rechnet man mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7%.

Konnte im Vorjahr der Welthandel noch um 13% zulegen, so ist für dieses Jahr nur mehr mit einer Zuwachsrate von 5% zu rechnen.
Für Österreich rechnet man nach einem Anstieg von 11% im Jahr 2000 heuer nur mehr mit einem Plus von 4%, bedingt durch die Länderstruktur des österreichischen Außenhandels. Damit wird die Zuwachsrate praktisch gedrittelt. Die Auswirkungen auf das Investitionsklima sind fatal: Wuchs die Investitionstätigkeit im Vorjahr noch um 14,6%, so wird für 2001 nur ein Anstieg von 0,7% erwartet.

Die Erwartungen für das Produktionswachstum in der Industrie sind dem gemäß sehr gedrückt. Man rechnet mit einer Zunahme der Produktion (gemessen am realen Nettoproduktionswert) um etwa 2,7 %. Dies liegt signifikant unter der Zunahme um 8,3 % des vergangenen Jahres. Das wird den Beschäftigtenstand von rd. 410.000 im Vorjahr (ohne Bauindustrie) voraussichtlich mit einen Minus von rd. 0,5% belasten.

Der massive Konjunktureinbruch ist gleichzeitig durch gestiegene Kosten und weiterem Preisdruck auf der Absatzseite gekennzeichnet. Eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ist daher dringend geboten, denn auf Grund der geringeren Produktivitätssteigerung und der stärker gestiegenen Bruttolöhne in der Sachgütererzeugung verschlechtern sich auch die relativen Lohnstückkosten gegenüber unseren Handelspartnern um 0,6 %. "In diesem Konjunkturumfeld ist nun zweifellos konjunkturpolitisches Handeln angesagt. Budgetpolitische Spielräume müssen ausgenutzt werden, insbesondere im Vollzug und bei den Ermessensausgaben- trotz Beibehaltung des grundsätzlichen Konsolidierungskurses. Die Debatte darüber kann sich aber nicht auf "Nulldefizit aufgeben oder beibehalten" verkürzen", stellt Prof. Werner Clement, Vorstand des Industriewissenschaftlichen Institutes, fest. Hier wären, so Clement weiter, vor allem bei Investitionen im Baubereich mit wesentlichen Multiplikatoren zu rechnen. Der vorrangige Einsatz öffentlicher Investitionen im Tiefbau wäre auch volkswirtschaftlich insofern gerechtfertigt, da dadurch dringend notwendige Maßnahmen im Straßen- und Eisenbahnbau durchgeführt werden könnten.

Die Industrie erwartet daher nicht nur die bereits zugesagte Senkung der Lohnnebenkosten, sondern auch eine substanzielle Entlastung bei der kommenden Steuerreform. "Es kann nicht sein", so Lamel, "dass die Industrie zwar einen wesentlichen Beitrag zur Sanierung des Bundeshaushaltes leisten darf, die damit verbundene Zusage über eine Senkung der Abgaben aber einfach wieder vergessen wird". (mh)

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Syndikus Dkfm. Joachim Lamel
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