• 30.08.2001, 12:40:21
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ORF-Dreharbeiten zu Doderer-Verfilmung "Die Wasserfälle von Slunj":

Peter Patzak verfilmt ein Stück "Literatur seiner Jugend"

Wien (OTS) - Schloss Enzesfeld, etwa 40 Kilometer südlich von
Wien: Dort findet seit 6. August 2001 der Großteil der Dreharbeiten
zur ORF-Verfilmung des Heimito-von-Doderer-Romans "Die Wasserfälle
von Slunj" statt, die Peter Patzak im Auftrag der ORF-Hauptabteilung
Kultur inszeniert. Der 1963 erstmals erschienene Gesellschaftsroman
Doderers zählt zu den größten der österreichischen
Nachkriegszeitliteratur und erzählt von einer ausgehenden Epoche und
großem Aufbruch.

Peter Patzak: "Literatur meiner Jugend"
Die Hauptrollen hat Regisseur Peter Patzak mit hochkarätigen
Darstellern besetzt: Karl Markovics, Edgar Selge, Karin Giegerich und
Alan Cox - Sohn des schottischen Hollywood-Schauspielers Brian Cox,
der selbst auch schon mit internationalen Größen wie Vanessa Redgrave
und Hugh Grant spielte - stehen noch bis Anfang September vor der
Kamera. "Die 'Wasserfälle von Slunj' gehören zur Literatur meiner
Jugend" erzählt Patzak bei einem Pressetermin am Set, der gestern,
Mittwoch, 29. August 2001, stattfand. "Das war die aktuelle Literatur
der sechziger Jahre, die ich mit viel Freude über die Sprache und die
feine Detailarbeit gelesen habe. Ich musste sie auch gar nicht selbst
entdecken, weil sie mir direkt ins Haus gebracht wurde, und zwar vom
Maler Albert Paris Gütersloh, der ab und zu zu Gast war", erinnert
sich Patzak an seine Jugendzeit. "Die Achse Güterloh/Doderer ist ja
allgemein bekannt."
Zur Verfilmung von Doderers Werk, das der Dichter selbst - trotz
"Strudlhofstiege" - als seinen gelungensten Roman ansah, sagt Patzak:
"Man muss Doderers Vorlage benutzen wie einen Steinbruch: Das heißt,
die einzelnen Steine sammeln und zusammentragen und die zahlreichen
Handlungsstränge zu einem Ganzen zusammenbauen und verdichten. Auf
Grund der beachtlichen Vielschichtigkeit des Romans besteht die
Gefahr, nicht an die Sache selbst heranzukommen und diese in der
richtigen Qualität rüberzubringen. Das Herausschälen des Kernthemas -
den Aufbruch in die Industrialisierung, den man als Aufbruch in die
Globalisierung verstehen muss -, das ist die große Herausforderung
für mich an dieser Verfilmung." Das Drehbuch zum Film, der laut
Patzak kein Historienfilm werden soll, stammt vom Wiener Autor Alfred
Paul Schmidt. "Von der Erzählenergie her wird das ein sehr moderner,
sehr heutiger Film, nicht im Salonrhythmus. Die Details sind zwar
historisch genau, die Fakten stimmen, auch die Kostüme, die Frisuren,
die Maske. Dennoch darf man sich keinen Historienfilm erwarten", so
Patzak.

Verzaubert von Doderer
Mit der Besetzung ist der Regisseur höchst zufrieden, schließlich hat
er mit allen Hauptdarstellern auch schon einmal erfolgreich
zusammengearbeitet. Edgar Selge und Alan Cox spielen Vater und Sohn -
Robert und Donald Clayton -, zwei Industrielle aus England, die sich
in Wien niedergelassen haben. Für Selge war Doderer schon immer ein
Begriff, zumal er Germanistik studierte und gerne österreichische
Literatur der Moderne liest. Cox hingegen kam im Rahmen dieser Rolle
zum ersten Mal in Kontakt mit dem Wiener Dichter. Karl Markovics, der
den loyalen und hoch begabten Wirtschafter und Prokuristen der Firma
Clayton - Josef Chwostik - gibt, hat schon vor vielen Jahren die
große Liebe zu Doderer entdeckt: "Früher war ich regelmäßig im Wiener
Café Brioni, nahe dem Franz-Josefs-Bahnhof, frühstücken", erinnert
sich der Schauspieler, der am 29. August 2001 seinen 38. Geburtstag
feiert. "Ein Freund erzählte mir, dass das einst eines der
Stammkaffeehäuser Doderers war. Da musste ich dann natürlich auch
etwas von ihm lesen. Das erste Doderer-Werk, das ich überhaupt las,
war 'Ein Mord, den jeder begeht'. Das hat mich bereits mit dem ersten
Satz gefangen genommen, den ich mir bis heute eingeprägt habe. Er
handelt von dem starken Thema Kindheit, das ja auch in den
'Wasserfällen' sowie auch in anderen Doderer-Werken vorkommt", so
Markovics.
Für Karin Giegerich, die die Technikerin Monica Bachler spielt - jene
Frau, die zwischen Vater und Sohn Clayton steht -, war die Lektüre
der "Wasserfälle von Slunj" ein verzauberndes Erlebnis: "Es war meine
erste Begegnung mit Doderer und es bedurfte einer Engelsgeduld, sich
hineinzulesen, aber dann war ich verzaubert. So ins Detail zu gehen,
wie Doderer, und die Psychologie der Charaktere so fein zu
beschreiben, ohne dabei zu psychologisieren, ist eine wahre Gabe."

ORF-Sendetermin: 2002
Gedreht wird "Die Wasserfälle von Slunj" bis voraussichtlich 3.
September 2001 vorwiegend auf Schloss Enzesfeld, ein zeitlicher und
auch budgetärer Vorteil für die Produktion. "Auf Grund der Vielzahl
der Filmschauplätze hätten wir sehr viel Zeit für die Umzüge
verbraucht. So sind wir ein einem Ort, was die Arbeit sehr
vereinfacht", erklärt Peter Patzak. "Wir sind hier recht abgeschieden
und dadurch ungestört von Passanten, Besuchern und Lärm. So können
wir auch sehr viel Originalton verwenden." Patzak kennt das Schloss
noch aus früheren Zeiten: Mit dem bereits verstorbenen Besitzer war
er zufällig in den siebziger Jahren befreundet. "Das war früher eine
alte Backgammon-Höhle, in der ich zahlreiche Stunden verbracht habe,
auch mit prominenten Kollegen aus der Branche, wie zum Beispiel Curd
Jürgens", erinnert er sich.

"Die Wasserfälle von Slunj" ist eine ORF-Produktion, mit deren
Herstellung die Wiener epo-film beauftragt ist. Unterstützt wird sie
vom Land Niederösterreich. Der Sendetermin des Films ist derzeit für
2002 geplant.

Rückfragehinweis: ORF-Pressestelle

Ruza Holzhacker
(01) 87878 - DW 14703
http://programm.orf.at
http://kundendienst.orf.at

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