ORF-LANDESSTUDIO NIEDERÖSTERREICH

INS LAND EINISCHAUN: DER RAXKÖNIG - DER MANN AUS DEM HOLZ Ein Film von Detlev Schürr und Dr. Alois Hawlik Sendetermin: Samstag, 22. September 2001, 17.05 ORF 2

St. Pölten (OTS) - Die fast unglaublich anmutende Geschichte eines verfolgten protestantischen Holzfällers, der zum Schwemmmeister und Unternehmer wurde. Georg Hubmer, wurde 1755 in Gosau am Fuße des Dachsteins geboren. Als Protestant wurde er verfolgt und beschloss mit seinem Bruder Johann als Holzfäller auf Wanderschaft zu gehen. 1781 hatte das Hammerwerk in Hirschwang Bringungsprobleme. Tausende Festmeter Holz waren aus dem damaligen Urwald an der Naß nicht aus dem Höllental herauszubringen. Hubmer bot seine Hilfe an. Niemand glaubte daran, dass er eine Lösung finden würde. So arbeitete er vorerst ohne Bezahlung - und machte das Unmögliche möglich. Aus Naßwald konnte das Holz direkt über die Schwarza zum Wiener Neustädter Kanal und von dort aus nach Wien geschwemmt werden.

Kurz darauf holte Hubmer weitere Protestanten aus seiner ehemaligen Heimat und gründete so die Ortschaft Naßwald. Hubmer war ein Patriarch, vom alten Schlag, der sich auch gern und erfolgreich der Obrigkeit widersetzte. Er hatte aber ein hohes soziales Engagement: Er, der selbst weder schreiben noch lesen konnte, gründete eine Schule, ein Bethaus und ließ eine Kirche errichten. Als tiefgläubige Menschen scheuten er und die seinen nicht den Fußmarsch von Naßwald nach Mitterbach - immerhin 11 Stunden - um die Sonntagsmesse zu besuchen.

Trotz seiner Erfolge hatte er auch Neider. Als einmal ein amtliches Schreiben, das ihn anschwärzen sollte, am Schreibtisch von Kaiser Joseph II. landete, schrieb der Kaiser als Vermerk: "Laß Er mir meinen Raxkönig in Ruhe. Joseph." Kurz vor seinem Tod 1833 ließ Hubmer einen Tunnel 80 Meter unterhalb des Gscheid-Sattels graben, der 4 Meter breit und 450 Meter lang war. Damit überwand er die natürliche Wasserscheide zwischen Stiller Mürz und Preinbach. Es war dies wahrscheinlich der erste Tunnel in der Forstgeschichte Europas. Dazu entwarf er auch einen Holzaufzug, der mit Wasserkraft betrieben wurde und das Holz zum Tunneleingang schaffte. Eine technische Meisterleistung, die heute noch für Erstaunen in der Fachwelt sorgt.

Schon zu Lebzeiten eine Legende, wird der "Raxkönig" in der Gegend heute noch sehr verehrt und sein Andenken hochgehalten. Die Menschen in Naßwald machen heute fast dasselbe wie vor 200 Jahren, sie halten das Wasser in Ordnung. War vor 200 Jahren Holz wichtiger als Wasser, hauptsächlich als Brenn- und Baumaterial, ist heute der Wald wichtig für die Reinerhaltung des Wassers. Mittlerweile ist die Stadt Wien Eigentümer dieser Gründe und profitiert, nicht zuletzt durch den Pionier Georg Hubmer, bis heute vom Hochquellwasser, das große Teile der Stadt mit dem besten Wasser versorgt.

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