- 24.08.2001, 10:53:38
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"Offenlegung allein genügt nicht mehr!"
Linksblock für grundlegende Reform des Funktionssystems
Wien. Die angekündigte Offenlegung der Bezüge im Bereich des ÖGB
nimmt der Gewerkschaftliche Linksblock (GLB) zum Anlass, eine
"grundlegende Reform des Funktions- und Bezügesystems" und die
"Rückbesinnung auf die ureigensten Aufgaben einer Gewerkschaft" zu
verlangen. "Gerade die Ausübung von Gewerkschaftsfunktionen setzt das
Verständnis für die Lage der Beschäftigten voraus, was sicher nicht
gegeben ist, wenn sich Einkommen und Lebensstil von ihnen abheben!",
meint GLB-Vorsitzender Manfred Groß. Und weiter: "Wir verlangen nicht
erst seit heute transparente und für die Mitglieder nachvollziehbare
Regelungen."
Manfred Groß befindet, dass es sich bei den gegebenen Zuständen um
die Symptome eines ganzen Systems handelt: "Das Privilegiensystem
entsteht in der Verflechtung von Gewerkschaftsfunktionen, politischen
Ämtern, Sozialversicherung und Aufsichtsratsposten, wie sie sich in
jahrzehntelanger sozialpartnerschaftlicher Klüngelei und
Proporzwirtschaft entwickelt hat. Das betrifft beileibe nicht nur die
Gewerkschaften, sondern das ganze politische System und feiert auch
unter der schwarz-blauen Regierung fröhliche Urständ´, wie der neu
losgebrochene Postenschacher in Ministerien, Aufsichtsräten und
wichtigen Verwaltungsbereichen zeigt. Da helfen nur harte Schnitte.
Wir verlangen für den Bereich der Gewerkschaften, dass es generell
nur eine bezahlte Funktion geben darf. Wer darüber hinaus Ambitionen
entwickelt und das mit seiner Hauptfunktion verbinden kann, soll das
- bitte schön - ehrenamtlich und unbezahlt tun, wie tausende
BürgerInnen, die sich in Vereinen und Initiativen engagieren!"
Der GLB-Vorsitzende vertritt die Auffassung, dass eine solche
Regelung natürlich nachvollziehbar sein muss, wozu die Offenlegung
des Einkommens nur eine Voraussetzung ist. Eine andere Voraussetzung
ist die Kontrolle der Einhaltung einer solchen Bestimmung. Auch auf
betrieblicher Ebene ist Handlungsbedarf angezeigt, wie der Skandal um
die Post-Personalvertretung zeigt. PersonalvertrerInnen, die sich
Sonderrechte und Privilegien mit dem Arbeitgeber über eine
Betriebsvereinbarung oder einen Individualvertrag aushandeln, die sie
von den Beschäftigten des Betriebes abheben, sollen in keine
Gewerkschaftsfunktion gewählt werden können. Wer eine
Gewerkschaftsfunktion übernehmen will, muss gegenüber der
Organisation sein Einkommen deklarieren. Wenn die Regel "nur ein
Bezug" eingehalten und überwacht wird, dann wird sich schnell die
Spreu vom Weizen trennen, und man wird sehen, wer sich auch
unbezahlter Weise zusätzlicher Aufgaben annimmt !
"Regeln und Kontrolle sind das eine - etwas anderes ist das
Selbstverständnis der Gewerkschaften als Schutz-, Vertretungs- und
Kampforganisationen. Hier orten wir einen starken Bedarf an
Rückbesinnung auf die ureigensten Aufgaben einer Gewerkschaft. Gerade
in dieser politischen Situation ist nichts anderes dringlicher
gefragt, als eine konsequente und ehrliche Interessensvertretung, in
der persönliches Vorteilsdenken weitestgehend ausgeschaltet und die
Wahrnehmung der gemeinsamen Interessen der arbeitenden Menschen
absolut im Vordergrund stehen. Wir brauchen nichts anderes als einen
klassenorientierten, kämpferischen ÖGB !", meint GLB-Vorsitzender
Manfred Groß.
Rückfragehinweis: Gewerkschaftlicher Linksblock
Pressestelle
Tel.: (01) 718 26 23
E-Mail: glb-zink@apanet.at
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