- 22.08.2001, 16:39:13
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Kommentar - WirtschaftsBlatt
"Neuer Herr über 90 Milliarden Schulden" von Christoph Polster
Wien (OTS) - Konsequenz kann man dieser Regierung in einem Punkt
sicher nicht absprechen. Und zwar dann, wenn es um die Entfernung von
roten Spitzenmanagern in staatsnahen Betrieben geht. Jüngstes
Beispiel ist die Vorstandsbestellung beim bundeseigenen
Strassenfinanzierer Asfinag: Dass dem neuen Vorstand kein SP-naher
Manager mehr angehört, dürfte kaum noch jemanden wundern. Dass
Ministerin Monika Forstinger samt Aufsichtsräten über allem
Lobbyismus für ihre Kandidaten auf die eigentlichen Probleme dieses
Unternehmens vergessen hat, lässt sie neuerlich in einem ziemlich
schiefen Licht erscheinen. Denn die Probleme der Asfinag heissen
nicht Lkw-Maut, Erhöhung der Sicherheit oder
Verkehrsinformationssysteme - sie heissen 90 Milliarden Schulden,
vier Milliarden Zinsen und zu guter Letzt die tickende Zeitbombe
namens Fremdwährungskredite, die mittlerweile stolze 50 Prozent des
Gesamtvolumens betragen. Und da ist noch eine milliardenschwere
Kleinigkeit: Wer mit Fremdwährungen Kredite finanziert, muss auch mit
Währungsschwankungen und Wertberichtigungen rechnen. Zuweilen haben
diese bei der Asfinag acht Milliarden betragen, derzeit sind es etwa
vier. Das sind die wahren Probleme des Strassenfinanzierers.
Bauprogramme und Sicherheitskonzepte werden wohl auch unbedarfte
Kaufmänner über die Bühne bringen, professionelles Schuldenmanagement
wohl kaum. Alleine dafür wäre Forstinger samt Aufsichtsräten gut
beraten gewesen, einen fachkundigen Manager als kaufmännischen
Direktor zu holen - selbst wenn er mangels einschlägiger FP-Bewerber
aus der SPÖ stammt. Wenn sich ein solcher gar nicht beworben und
Consulter Jenewein keinen empfohlen hätte, wäre das etwas anderes.
Doch unter den 100 Bewerbern war auch ein ehemaliger Manager der
Bundesfinanzierungsagentur, der in den vergangenen Jahren sein Geld
ausschliesslich mit Schuldenmanagement verdient hat. Er blieb mit
seiner Bewerbung aber ebenso erfolglos wie der bisherige SP-Vorstand
Bernhard Engleder, der sich erneut beworben hatte. Keine Chance hatte
auch der SP-nahe Abteilungsleiter des Finanzministers, Christian
Trattner, der auch als Aufsichtsrats-Vorsitzender gehen musste. Statt
den Kandidaten aus der roten Ecke kommt der Start-Up-Finanzierer
Walter Hecke. Start-Up ist die Asfinag keines mehr. Denn hier gibt es
schon Probleme - 90 Milliarden schwer. (Schluss) pol
Rückfragehinweis: WirtschaftsBlatt
Tel.: (01) 919 19/0
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