• 01.08.2001, 13:04:28
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Pensionsversicherungsreformen weltweit

Diskussion über die Zukunft der Pensionsversicherung im soeben erschienenen Heft 4/2001 der Wirtschaftspolitischen Blätter

Wien(PWK549) Weltweit ist man sich der Tatsache bewusst, dass
insbesondere durch die demographische Entwicklung (höhere
Lebenserwartung, Rückgang der Geburtenzahlen usw.) die
Pensionsversicherungssysteme in immer größere Schwierigkeiten geraten
werden. In Ländern wie Österreich, wo ein Defizit der
Pensionsversicherung in irgendeiner Form vom Staat auszugleichen ist,
wird dieses Problem daher auch zu einem zentralen Problem der
Staatsfinanzen. Aus diesem Grund werden in den meisten Staaten
Reformen durchgeführt, geplant oder zumindest diskutiert.

In Österreich hat man in den letzten Jahren mehrmals Reformen
durchgeführt, Gutachten eingeholt und Kommissionen eingesetzt. Auch
wenn die Politik der Meinung ist, dass in der laufenden
Legislaturperiode keine weiteren Reformschritte mehr gesetzt werden
sollen, gibt es jedoch keinen Zweifel darüber, dass die bereits
durchgeführten Reformen auch in Österreich nicht ausreichen werden,
um die Zahlungsfähigkeit des Systems zu sichern. Es war daher
naheliegend, in den Wirtschaftspolitischen Blättern Reformen bzw.
Reformvorschläge in anderen Ländern Vorschlägen aus Österreich
gegenüberzustellen, um die Basis für eine weitere Reformdiskussion in
unserem Land zu verbreitern.

Die ausländischen Beispiele betreffen Schweden, Deutschland und die
USA. Ole Settergren, der an der aktuellen schwedischen Pensionsreform
mitgearbeitet hat, beschreibt, wie das neue System arbeitet, bei dem
unter anderem ein Reservefonds Finanzierungsengpässe verhindern soll.
Hans Fehr und Heinrich Jess (Universität Würzburg) analysieren die
Wirkungen der deutschen Reform, bei der das bisherige Umlageverfahren
durch eine kapitalgedeckte Säule ergänzt werden soll.

Während in den meisten europäischen Ländern die
Pensionsversicherungen bereits seit längerem die öffentlichen
Finanzen belasten, sind die USA in der an sich günstigen Lage, dass
sich ernste Finanzierungsprobleme erst in zwei Jahrzehnten abzeichnen
werden. Umso interessanter ist es daher, dass sich bereits jetzt
Politiker und Wissenschafter durchaus ernsthaft mit der künftigen
Finanzierung der Alterssicherung befassen. Als Beispiel für eine
graduelle Veränderung des Systems dient in dem vorliegenden Heft ein
Beitrag von Martin Feldstein (Harvard) und Andrew Samwick (Dartmouth
College). Die beiden Autoren weisen nach, dass unter gewissen
Voraussetzungen eine teilweise Umleitung von Beiträgen aus dem
Umlagesystem in eine Kapitaldeckung eine Finanzierung des
Pensionssystems ohne Beitragserhöhungen auch unter den zu erwartenden
ungünstigen demographischen Verhältnissen gewährleisten kann. Eine
Forschergruppe um den Nobelpreisträger Franco Modigliani präsentiert
einen anderen Reformvorschlag, bei dem es zu einem völligen Umstieg
vom Umlageverfahren zur Kapitaldeckung kommt.

Zu solch einem radikalen Vorschlag kommt keiner der Beiträge, die
sich mit der österreichischen Situation befassen. Die
Gegenüberstellung von Umlage- und Kapitaldeckung durch Ralf
Kronberger (WKÖ), macht es verständlich, dass in Österreich das
Umlageverfahren (Erste Säule) durchaus in nächster Zeit noch eine
zentrale Bedeutung haben wird, dass aber eine Ergänzung durch
kapitalgedeckte Lösungen durchaus sinnvoll und vor allem notwendig
sein wird. Wenngleich Alois Guger (WIFO) die Vermutung auspricht,
dass verschiedene Entwicklungen am Arbeitsmarkt (höhere
Erwerbsbeteiligung inbesondere von Frauen, Zuzug von ausländischen
Arbeitskräften usw.) geeignet sein können, die demographiebedingten
Probleme etwas zu verringern, verbleibt zweifellos ein dringenden
Handlungsbedarf schon für die nahe Zukunft. Eine Forschergruppe des
IHS um Bernhard Felderer präsentiert einen Vorschlag, bei dem durch
Schaffung individueller Pensionkonten auch im Umlageverfahren der
Zusammenhang zwischen individueller Beitragsleistung und
Pensionsanspruch deutlicher zum Ausdruck kommen könnte als jetzt.
Helmut Holzer (uniqa) zeigt in seinem Modell, wie eine
kapitalgedeckte Dritte Säule funktionieren könnte, und Johann Brunner
und Susanne Pech (Universität Linz) analysieren volkswirtschaftliche
Wirkungen einer derartigen privaten Pensionsversicherung.

Neben der ausführlichen Diskussion der Fragen der
Pensionsversicherung gibt es in Heft 4/2001 auch Beiträge zu anderen
wichtigen Themen. So befasst sich Anton Hauth (WKÖ) mit der
österreichischen Gründungsintensität und den Überlebensquoten
neugegründeter Unternehmungen, wobei er durchaus erfreuliche,
aktuelle Zahlen präsentieren kann.

Die den anfänglichen Erwartungen widersprechende Kursentwicklung
zwischen Euro und Dollar, die Diskussion um die Politik der
Europäischen Zentralbank (aber auch der Notenbank in den USA) und das
Herannahen der Einführung des Euro als Zahlungsmittel im täglichen
Gebrauch ließen in jüngster Zeit währungspolitische Fragen wieder
stärker in den Mittelpunkt der wirtschaftspolitischen Diskussion
treten. Aus diesem Grund bilden einige derartige Beiträge in diesem
Heft einen währungspolitischen Schwerpunkt, in dem etwa Andrew Rose
(Berkeley) aufzeigt, welche ökonomischen Vorteile Großbritannien
haben könnte, würde es der Eurozone beitreten. Christina Burger und
Heinz Handler (BMWA) behandeln die Frage, welchen Stellenwert
nationale Zahlungsbilanzen im Euroraum haben können, und der
Chefökonom der Bank of America, Mickey Levy, legt dar, warum man
Währungs- und Finanzpolitik nicht vermischen sollte.

Die Wirtschaftspolitischen Blätter können beim BUSINESS BUCHMARKT,
Nikolsdorfer Gasse 7-11, A-1050 Wien (++43(0)1/54664-272;
[email protected]) bezogen werden. Kurzinformationen über den Inhalt
der einzelnen Beiträge in den 2001 erschienenen Heften finden sich
unter http://wko.at/bw/wipo.htm. (WG)

Rückfragehinweis: Wirtschaftskammer Österreich

Christiana Pockberger
Abteilung für Bildungspolitik und Wissenschaft
Tel.: (01) 50105-4077

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK/PWK

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