• 01.08.2001, 11:33:06
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  • OTS0076 OTW0076

Mythos von 70.000 "Scheininskribierten"

ÖH bezeichnet Einschätzung des Ministeriums als "naiv"

Wien (OTS) - Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) erkennt
in der von Ministerin Gehrer geäußerten Ansicht, dass 70.000
"Scheininskribierende" im Herbst nicht mehr studieren werden, eine
gehörige Portion Naivität. Zwar geht auch die ÖH davon aus, dass
70.000 StudentInnen im nächsten Semester ihr Studium nicht
fortsetzen; diese jedoch als "Scheininskribierende" zu betrachten,
grenzt an Realitätsverweigerung. Gestützt auf den Bericht zur
sozialen Lage der Studierende aus dem Jahr 1999 ist die ÖH vielmehr
der Ansicht, dass die 5.000 im Semester zu zahlenden Schilling, den
Großteil der 70.000 Personen aus finanziellen Gründen die Fortsetzung
ihres Studiums verunmöglicht.

"Den Mythos der 'Scheininskribierten' ständig neu aufzuwärmen, ist
kontraproduktiv", so ÖH-Vorsitzende Anita Weinberger. "Die Rechnung,
keine Prüfung im Semester ist gleich Scheinstudentin oder
Scheinstudent, ist zu einfach. Da gibt es berufstätige Studierende,
DoktoratsstudentInnen, solche, die ein Semester oder Studienjahr im
Ausland studieren, Präsenz- oder Zivildiener, erkrankte Personen und
viele andere Gruppen, die ihr Leben nicht ausschließlich ihrem
Studium widmen können." Und weiter: "Es ist müßig, aber
offensichtlich notwendig, ständig darauf hinzuweisen, dass
Studierende zu zwei Drittel erwerbstätig sind - die Hälfte davon in
Vollzeit", zitiert Weinberger aus dem Bericht zur sozialen Lage der
Studierenden.

Andrea Mautz, die zweite Frau im ÖH-Vorsitzteam, wirft der Ministerin
ein Spiel mit den Zahlen vor: "Frau Gehrer scheint es nur wichtig zu
sein, die Studierendenzahlen - wie sie es nennt - zu 'bereinigen'.
Die Menschen dahinter sind ihr egal. Als wir sie bei unserem
letztwöchigen Treffen auf einen konkreten Fall ansprachen, reagierte
sie reichlich kühl und abweisend." Abschließend weist Mautz auf zwei
Widersprüchlichkeiten in der ministeriellen Argumentation hin: "Das
lebenslange Lernen zu propagieren und insbesondere Berufstätige auf
diese Art und Weise von universitärer Bildung auszuschließen,
entbehrt jeglicher Logik. Und wenn von Seiten des Ministeriums mit
derart großartigen Vergünstigungen argumentiert wird, die Heerscharen
von 'Scheininskribierten' an die Universitäten treibt, sollten diese
konkretisiert werden. Freifahrt, Grundgebührenbefreiung und
ähnliches, gibt es schon lange nicht mehr. Förderungen sind nur mit
Leistungsnachweis zu erreichen."

Rückfragehinweis: Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH)

Pressesprecher Answer Lang
Tel.: 0664/528 51 90
[email protected]

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