- 27.06.2001, 11:04:47
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Einigung über Trasse für zweigleisigen Bahnausbau im Gasteiner Tal=
Schausberger: Modell der Mediation hat sich hervorragend bewährt / Blachfellner: Wichtiger Impuls für die Gesamterneuerung der Bahn
Salzburg (OTS) - Die Österreichischen
Bundesbahnen (ÖBB), das Land Salzburg, das
Verkehrsministerium und Gemeinde- und
Interessensvertreter des Gasteiner Tales präsentierten
heute, Mittwoch, 27. Juni, die gemeinsam mittels eines
Mediationsforums erzielte Trassenfestlegung für den
zweigleisigen Ausbau der Tauernbahn durch das
Gasteiner Tal. Die vorliegende Trassenlösung zeichnet
sich durch die optimale Anpassung an die lokalen
topographischen und sozioökonomischen Gegebenheiten
aus. In den Kur- und Ortsgebieten wird die
zweigleisige Bahnstrecke in Tunneln verschwinden.
Damit ist der Lärmschutz für die touristisch wichtigen
Kurorte gesichert. Für den Bahnbetrieb ergeben sich
dadurch große Vorteile, dass durch größere
Kurvenradien und reduzierte Neigungsverhältnisse kann
die Fahrgeschwindigkeit deutlich gesteigert werden
kann.
In der Diskussion um den Ausbau der Tauernbahn
zur Hochleistungsstrecke standen sich einerseits die
Schönheit der Kur- und Nationalparkgemeinden des
Gasteiner Tals mit ihrer mehr als 100-jährigen
Fremdenverkehrstradition und andererseits die wichtige
Nord-Südachse im europäischen Bahnverkehr, die den
Anforderungen des Verkehrsaufkommens des 21.
Jahrhunderts genügen soll, gegenüber, so
Landeshauptmann Dr. Franz Schausberger. "Unter diesen
Voraussetzungen war ein Interessenkonflikt und waren
Emotionen vorhersehbar. Die Salzburger Landesregierung
hat dabei immer versucht, die Mittlerposition zwischen
den Bürgerinitiativen des Gasteiner Tals und den ÖBB
bzw. dem Ministerium auszufüllen."
Landeshauptmann Schausberger hat daher bereits am
30. Jänner 1998 zu einem "Tauernbahn-Gipfel"
eingeladen, der als Ergebnis die Einigung auf wichtige
Grundsätze gebracht hat. Besonders wichtig war, dass
sich das Land und die Gemeinden grundsätzlich für die
Errichtung der Tauernbahn als HL-Strecke ausgesprochen
haben und dass ein Variantenvergleich durch
unabhängige Sachverständige durchgeführt werden
sollte. In der darauf folgenden Diskussion über die
Notwendigkeit eines UVP-Verfahrens kam es jedoch
wieder zu grundsätzlichen Auffassungsunterschieden,
die das Gesamtprojekt in Gefahr brachten. Im
Bewusstsein um diese heikle Situation konnte eine
Einigung auf ein gemeinsames Mediationsverfahren
erzielt werden. "Das Modell der Mediation, das wir in
Salzburg ja bereits erfolgreich vom Bürgerbeirat der
Zementfirma Leube in Grödig kennen, hat sich auch hier
hervorragend bewährt", betonte der Landeshauptmann.
Die Einigung, die gefunden werden konnte, stützt
sich nunmehr auf mehr als 15 Gutachten unabhängiger
Experten und konnte in verbindlichen Vereinbarungen
zwischen ÖBB und den Gemeinden und zwischen den
Gemeinden und den Bürgerinitiativen festgehalten
werden. "Mit diesem Ergebnis haben wir nicht bloß eine
Absicherung des Status Quo erreicht, sondern werden
bei Umsetzung der Pläne Verbesserungen für die
Bürgerinnen und Bürger und natürlich für den Freizeit-
und Erholungswert des Gasteiner Tals erzielen", zeigte
sich Landeshauptmann Schausberger zufrieden.
Blachfellner: Neue Tauernbahn ist zentrales
standortpolitisches Anliegen
Für Verkehrsreferent Landesrat Walter
Blachfellner sind die Ergebnisse des Mediationsforums
- der Konsens über die "Bahntrasse Gasteiner Tal" -
ein bemerkenswerter erster Schritt in Richtung einer
Erneuerung der gesamten Tauernbahn. Ab sofort gehe es
nun darum, auch den zweiten Schritt, den Bau der
Trasse im Gasteiner Tal, möglichst rasch zu setzen. In
der Folge müsse aber dem schwerpunktmäßigen Ausbau der
Tauernbahn insgesamt Priorität zukommen.
Die Tauernbahn erfülle eine zentrale Funktion
innerhalb der Transeuropäischen Netze ("TEN"). Ihr
rascher zweigleisiger Ausbau bringe zusätzliche
Kapazitäten für den Schienen-Güterverkehr und entlaste
einerseits die Brenner-Bahnroute, andererseits
indirekt auch die Tauernautobahn. Bereits im EU-
Beitrittsvertrag habe sich Österreich verpflichtet,
wesentlich mehr Trassen als heute für den Bahn-
Transitverkehr über die Tauernroute zur Verfügung zu
stellen. Österreich ist damit aber noch wesentlich im
Rückstand.
Die geplanten - aber im bisherigen SCHIG-Rahmen
nicht finanzierbaren - weiteren Linienverbesserungen
auf der Tauernbahn zwischen Golling, Schwarzach und
Spittal bzw. Villach würden auch wesentliche
Verbesserungen im Schienen-Regionalverkehr erlauben,
der derzeit stark vom internationalen Verkehr
überlagert ist. Dieser Streckenabschnitt sei zudem von
einer Reihe von Langsamfahrstrecken gekennzeichnet,
die aus dem Dampflok-Zeitalter stammen, von der HL-
Tauglichkeit aber weit entfernt sind. "Eine
Hochleistungsstrecke im Gasteiner Tal, die von
Langsamfahrstrecken eingerahmt ist, macht wohl
verkehrspolitisch wenig Sinn. Das HL-Niveau ist daher
für die gesamte Tauernbahn anzustreben", bringt
Blachfellner das infrastrukturpolitische Ziel aus
Landessicht auf den Punkt. Damit würden auch die
zentralen Orte in der Region (Golling, Bischofshofen,
St. Johann, Schwarzach) und die Tourismusregion
Gasteiner Tal in punkto Standortqualität
(internationale Anbindung, Fahrzeiten, Kapazität,
etc.) insgesamt wesentlich aufgewertet. Ferner würde
die Verwirklichung des Projektes "Gesamterneuerung der
Tauernbahn" dem Arbeitsmarkt neue, nachhaltig wirksame
Impulse geben. "Bei der Modernisierung der Tauernbahn
geht es um einen zweistelligen Milliardenbetrag",
schätzt Blachfellner.
Da die Schiene an Attraktivität gegenüber der
Straße gewinnt und nur durch Investitionen
Umschichtungen im Verkehrsaufkommen zu erreichen sind,
ist eine Aufstockung des Gesamtbetragsvolumens der
SCHIG dringend geboten, zumal für das Gesamtprojekt
"Neue Bahn" rund 300 Milliarden Schilling an
Investitionen erforderlich sind. "Langfristige
Infrastrukturerfordernisse dürfen nicht einer
kurzfristigen Budgetsanierung geopfert werden. Gerade
im Schienenbereich geht es bei den bekannt langen
Lebenszyklen der Bahninfrastruktur bereits heute um
Investitionen für die nächsten zwei bis drei
Generationen", so der Verkehrsreferent.
Eine weitere wesentliche Infrastrukturmaßnahme
stellt der Ausbau der Strecke Wien-Salzburg- München
als Hochleistungstrecke dar. Landesrat Walter
Blachfellner: "Ich stehe zum Beschluss der
Landesregierung vom vergangenen Herbst, dass eine
Trasse nicht gegen den Willen der betroffenen
Bevölkerung ‚von oben' verordnet wird, sondern eine
gemeinsame Lösung gefunden werden muss". Aber: "Die
Zeit drängt, wenn wir nicht standortpolitisch den
Anschluss verpassen wollen", so Blachfellner
abschließend.
Die neue Trasse im Gasteiner Tal -
Streckenabschnitt Bad Gastein
Rund 1,5 Kilometer nördlich von Bad Gastein
werden die Gleise bei Krallbach in einem Tunnel im
Stubnerkogel verschwinden. Westlich des derzeitigen
Bahnhofes Bad Gastein werden unterirdische
Kavernenbahnsteige mit Ausgängen zum neuen
Bahnhofsgebäude und zur Stubnerkogel-Talstation
errichtet. Vorgesehen ist hier auch eine direkte
Verbindung von den Kavernenbahnsteigen zur
Stubnerkogel-Talstation. Durch den Neubau des
Kavernenbahnhofes wird im Bereich des bestehenden
Bahnhofes Bad Gastein eine bebaubare Fläche von rund
100.000 Quadratmetern frei, die über einen
Architekturwettbewerb einer neuen Nutzung zugeführt
werden kann.
Südlich von Bad Gastein wird die neue Trasse das
Nassfeld Tal mit der Gasteiner Alpenstraße in Form
eines Talüberganges queren und anschließend durch den
Böckwaldtunnel in Richtung Bahnhof Böckstein
verlaufen.
Streckenabschnitt Bad Hofgastein
In Haitzing, rund 1,5 km nordwestlich von Bad
Hofgastein, zweigt die neue Trasse von der alten ab
und führt durch einen 2,8 km langen Tunnel, bis etwa
700 Meter vor der Angertalbrücke die Einbindung in die
Bestandsstrecke erfolgt. Durch diese Tunnelvariante
ist auch der Lärmschutz für den Ortskern von Bad
Hofgastein optimal.
Erfolgreiche Trassenfindung durch
Mediationsverfahren
1996 stellten die ÖBB das Projekt des
zweigleisigen Ausbaues der Tauernbahn im Gasteiner Tal
vor. Teile der Gasteiner Bevölkerung äußerten
daraufhin ihre Bedenken, dass die sensible
Tourismusregion durch Ausbau der Bahn vor allem durch
Lärmbelästigung beeinträchtigt werden könnte. Die
Notwendigkeit des zweigleisigen Ausbaues wurde zwar
von niemandem in Frage gestellt, durch die
Diskussionen über die Trasse kam es jedoch zu
Verzögerungen in der Planung. In einem
beispielgebenden, erstmals in Österreich für
Großprojekte angewendeten Mediationsverfahren
(Mediationsteam: Thomas Flucher, Ursula König, Stefan
Kessen, Horst Zilleßen) konnte nach den
vorangegangenen Meinungsverschiedenheiten nun eine für
alle Beteiligten optimale Trassenvariante gefunden
werden.
Im Mediationsforum wurde eine Trasse erarbeitet,
die einem von allen Beteiligten erstellten
detaillierten Kriterienkatalog entspricht. Das
ausverhandelte Ergebnis kann sich sehen lassen: eine
vertragliche Vereinbarung über die Trasse sowie die
Festlegung der weiteren Vorgangsweise. Sämtliche am
Mediationsforum beteiligten Verhandlungspartner
bezeichnen den Erfolg als "einen Meilenstein in der
positiven Bürgerbeteiligung bei
Infrastrukturprojekten".
Der Ausbau der Tauernbahn
Die Tauernbahn ist eine der wichtigsten
alpenquerenden Nord-Süd-Verbindungen Europas. 1989
wurde sie von der Bundesregierung per Verordnung zur
Hochleistungsstrecke erklärt. Das bedeutete für die
ÖBB, den durchgehenden zweigleisigen Ausbau der 1909
in Betrieb gegangenen und teilweise noch eingleisig
geführten Tauernachse zu planen und umzusetzen. Bisher
konnten vor allem auf der Tauernsüdrampe (Mallnitz,
Lindisch, Kaponig- und Ochenigtunnel) schon einige
Streckenabschnitte erfolgreich fertig gestellt werden.
Momentan wird zwischen Schwarzach/St. Veit und
Loifarn mit Hochdruck am zweigleisigen Ausbau
gearbeitet (Investitionsvolumen rund 850 Millionen
Schilling). Für den Lückenschluss des Gesamtausbaus
der Tauernachse fehlte bisher eine Festlegung der
Trasse durch das Gasteiner Tal. Mit der im
Mediationsverfahren einvernehmlich bestimmten
Streckenfixierung kann die Korridorfindung für alle
Teilabschnitte der Tauernbahn abgeschlossen werden.
Für die Umsetzung des Projektes bedarf es noch einer
Übertragungsverordnung des Verkehrsministeriums
(BMVIT).
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Dr. Roland Floimair
Tel.: (0662) 80 42 / 23 65
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