• 18.06.2001, 19:44:17
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  • OTS0215 OTW0215

Offener Brief an alle österreichischen Bischöfe

Die Unterzeichneten registrieren mit Bestürzung, dass das
Medienbüro der Österreichischen Bischofskonferenz zur Jahresmitte
liquidiert werden soll. Diese Vorgangsweise droht die Medienarbeit
der Kirche nachhaltig zu beschädigen.

Das "Katholische Zentrum für Massenkommunikation" war eine Gründung
im Gefolge des Zweiten Vatikanischen Konzils. Das Dekret "Inter
mirifica" verlangt ausdrücklich, dass "in den einzelnen Ländern
eigene Stellen für Presse, Film, Rundfunk und Fernsehen errichtet und
mit allen Mitteln unterstützt werden". Die Aufgaben dieser Stellen
sind in der Pastoralinstruktion "Communio et Progressio" ausführlich
dargelegt und in der Pastoralinstruktion "Aetatis Novae" mit der
Forderung nach einem "Pastoralplan für soziale Kommunikation"
bekräftigt. Erst im April 1999 hat der Kongress der Medienbischöfe
Europas in Montserrat/Barcelona die "Medien- und
Kommunikationskompetenz ist in der Kommunikationsgesellschaft" als
eine "Schlüsselqualifikation" bezeichnet und verlangt, dass

§ die nationalen Bischofskonferenzen Maßnahmen zur Förderung von
Medien- und Kommunikationskompetenz ergreifen;
§ der Dialog und eine strukturelle Vernetzung zwischen den
kirchlichen Verantwortlichen und wissenschaftlichen Institutionen,
die die Entwicklung im Medienbereich verfolgen und/oder sich mit
Medienethik befassen, gefördert wird;
§ in der Medienarbeit ökumenische Zusammenarbeit als immer
notwendiger angesehen wird.

Das "Katholische Zentrum für Massenkommunikation", das diese Aufgaben
wahrzunehmen hatte, wurde mit September 1998 in ein "Medienbüro der
Bischofskonferenz" umgewandelt. Das neue Statut sollte drei Jahre ad
experimentum gelten; es beraubte diese zentrale Stelle der relativen
Selbstständigkeit, die das "Zentrum" bei enger Bindung an die
Bischöfe gehabt hatte. Das Statut von 1998 wurde nun weder
verlängert, noch trat der frühere Rechtszustand wieder in Kraft.
Unmittelbar nach dem Rücktritt des Medienbischofs Weber wurde das
Medienbüro zur "Abwicklung" freigegeben. Die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter wurden auf die Jahresmitte 2001 gekündigt, die in
Fachkreisen anerkannte Zeitschrift "multiMEDIA" wird mit Ende Juni
eingestellt, das Schicksal anderer, z.T. in ökumenischer Dienste ist
unbekannt.

Im Zentrum für Massenkommunikation und in den Fachbeiräten des
Medienbüros haben die wichtigsten katholischen Journalisten,
Medienverantwortlichen und Publizistikwissenschafter Österreichs drei
Jahrzehnte hindurch mitgearbeitet und ihre Zeit und Energie
investiert. Noch im Dezember 2000 hat das Medienbüro in
Zusammenarbeit mit dem ORF ein erfolgreiches Internationales
Symposion organisiert. Zahlreiche Veranstaltungen, Publikationen und
Expertisen waren das Ergebnis der ehrenamtlichen Expertenarbeit des
Zentrums und des Medienbüros bis heute. Niemand von den Beteiligten
wurde über die Absichten der Österreichischen Bischofskonferenz
informiert. In einer beispiellosen Brüskierung wird die Arbeit von
Jahrzehnten durch administrative Schritte ohne Rücksprachen,
Beratungsvorgänge oder weiterführende Konzepte zunichte gemacht.

Dagegen protestieren die Unterzeichneten. Niemand verschließt sich
der Notwendigkeit von Reformen, Umstrukturierungen oder
Sparmaßnahmen; aber Abschaffung statt Neukonzeption, die Vermeidung
des Dialogs mit Fachleuten wie z.B. den Mitgliedern der bischöflichen
Medienkommission und die Beseitigung der Vorgaben des Konzils müssen
entschieden abgelehnt werden, weil dadurch professionelle Arbeit,
Medienpräsenz, Laienarbeit in der Kirche und damit die Kirche selbst
schweren Schaden erleidet.

Daher appellieren die Unterzeichneten an den zukünftigen
Medienbischof, dieser negativen Entwicklung energisch
entgegenzuwirken, den Dialog wieder aufzunehmen und ein zeitgemäßes
kirchliches Medienkonzept in Auftrag zu geben und für den Bestand der
dazu notwendigen Institutionen Sorge zu tragen.

ß
Gezeichnet:

OStR. Prof. Walter AULEHLA Wien
Dr. Wolfgang BAHR Wien

Dolores BAUER Wien
Mag. Hans BAUMGARTNER Salzburg

Eleonore BAYER Wien
Dr. Heiner BOBERSKI Wien
Mag. Josef BRUCKMOSER Salzburg
Dr. Fritz CSOKLICH Graz

Josef DIRNBECK Rotenturm/Bgld.
Bernhard DOBROWSKY Eisenstadt
Dr. Richard EMELE Wien
Maga. Elisabeth EPPL-GATTERBAUER St. Pölten

Renata ERICH Wien
Dr. Hubert FEICHTLBAUER Wien

Maria FELLINGER Linz
Mag. Matthäus FELLINGER Linz
Mag. Klaus FEURSTEIN Dornbirn
Maga. Alrun FICHTENBAUER Wien
Dr. Christoph FREUDENTHALER Linz
Dr. Otto FRIEDRICH Wien
Prof. Hubert GAISBAUER Wien
Prof. Dr. Felix GAMILLSCHEG Wien
Mag. Ernst GANSINGER Linz
Mag. Robert GERSTBACH-MUCK Wien

Rosa GRIEDER Pleißing
Dr. Alfred GRINSCHGL Graz/Wien
Mag. Andreas GUTENTHALER Salzburg
Dr. Erika HAALA Wien
Prof. Othmar HANAK Amstetten
Univ.-Prof. Dr. Philipp HARNONCOURT Graz
RegRat Josef HARTMANN Wien
Mag. Franz HASENBURGER Gnas
Univ.-Prof. Dr. Fritz HAUSJELL Wien
Dechant Engelbert HOFER Feldkirchen
Mag. Walter HÖLBLING Innsbruck
Dr. Adolf HOLL Wien
Prof. Ing. Walter KARLBERGER Wien
Dr. Peter Paul KASPAR Linz

Wolfgang KATZBÖCK Linz
Christa KOKOL Graz
Peter KOLLER Innsbruck
Dipl.-Ing. Hubert LEHNER Linz
Dr. Reinhard MAIER Feldkirch
Mag. Hannes MÄSER Dornbirn
Maga. Michaela MOSER Wien

Peter MUSYL Neustadt/NÖ
Prälat Dr. Johannes NEUHARDT Salzburg
Dr. Michaela NEUHAUSER-PFAFFENWIMMER Wien/Linz
Univ.-Prof. Dr. Josef NIEWIADOMSKI Innsbruck
Dr. Peter PAWLOWSKY Wien
Maga. Eva PETRIK Wien
Mag. Prof. Josef PETRIK Wien
Mag. Hans PFLÜGL St. Pölten

Heide PILS Wien
GR Mag. Gottfried PINTER Neudörfl/Bgld.
Mag. Gilbert ROSENKRANZ Innsbruck
Univ.-Prof. Dr. Michael SCHMOLKE Salzburg

Ana SCHORETITS Eisenstadt
Sieglinde SCHWINGENSTEIN München/Wien
Helmut SPIEGEL Dornbirn
Christel STADLER Wien
KR Dr. Oswald STANGER Innsbruck
Dr. Franz STAUBER Linz
Mag. Wolf Dieter STERKL Krems

Heinz STRICKER Linz
Prof. Hans STRÖBITZER St. Pölten

Erich TOTZAUER Wien
Dechant Mag. Franz UNGER Neusiedl a. See/Bgld.
Pater Leo WALLNER SJ Wien
Prof. Michael WEINMANN Wien
Mag. Christian WIESINGER Wien
Hofrat Dr. Josef WILHELM Graz

Karl WODITSCH Eisenstadt
Gertraud WOLFBAUER Wien
Andreas ZEINER Innsbruck
Dr. Kurt ZISLER Graz

Kommentare in:
"Die Presse": Dr. Hubert FEICHTLBAUER
"Die Furche": Dr. Peter PAWLOWSKY
"Kirche intern": Dr. Peter PAWLOWSKY
"Funkkorrespondenz"/Deutschland: Dr. Martin THULL
"multiMEDIA": Karl Volker SCHMITT
"multiMEDIA": Mag. Hannes MÄSER
"multiMEDIA": Dr. Bernhard NATSCHLÄGER
"multiMEDIA": Dr. Jan-Uwe ROGGE
"multiMEDIA": Univ.-Prof. Dr. Michael SCHMOLKE

Briefe an Herrn Kardinal Dr. Christoph SCHÖNBORN:
Publizistikbeirat beim Referat Publizistik/Grundsatzfragen
Josef KIRCHENGAST, Geschäftsführer & Pater Leo WALLNER SJ,
Geistlicher Assistent des MB
Dr. Hans WINKLER, Verband katholischer Publizisten
Arbeitsgemeinschaft der diözesanen Pressereferenten
Österreichische Kirchenzeitungskorrespondenz
Ökumenischer Rat der Kirchen (2 x)

Briefe an alle Bischöfe:
Club M, Interessenvertretung NÖ Familien

Wien, 18. Juni 2001
ß

Rückfragehinweis:
P. Leo Wallner SJ, Geistlicher Assistent des Medienbüros der Österr.
Bischofskonferenz.
Pfarrer in Lainz
Lainzer Straße 138a
A-1130 Wien

(Schluss)

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