Die Wiener Bevölkerung in den letzten Jahrhunderten

Eine demographische Studie des Statistischen Amtes

Wien, (OTS) In den Statistischen Mitteilungen der Stadt Wien (Heft 4/2000) veröffentlicht das Statistische Amt eine demographische Studie der Bevölkerungsentwicklung auf dem Gebiet des heutigen Wien. Die demographische Entwicklung Wiens seit den städtischen Anfängen im Hochmittelalter war bis in das ausgehende 18. Jahrhundert durch durchschnittliche jährliche Wachstumsraten von unter einem Prozent geprägt. Der Bevölkerungsanstieg wäre allerdings deutlich höher ausgefallen, hätten nicht schwere Seuchenausbrüche das Wachstum immer wieder unterbrochen.

Nach dem Ende der Napoleonischen Krieg setzte eine urbane Bevölkerungsexplosion ein, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts eine Wachstumsrate von jährlich 3,5 Prozent erreichte. Nachdem schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Zuwächse geringer wurden, war nach 1918 das Wachstum beendet. Ab dem ersten Weltkrieg ging die Bevölkerungszahl langsam zurück.

Wesentliche Erkenntnis der Studie: Motor des Wiener Bevölkerungswachstums war über alle Phasen die Zuwanderung. Bedeutende Geburtenüberschüsse wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert erreicht. Und, der enorme Anstieg der Lebenserwartung in den letzten 150 Jahren ließ den Anteil der älteren Bevölkerung deutlich ansteigen.****

Einige Zahlenbeispiele - Die Bevölkerung

Im heutigen Stadtgebiet lebten um 1600 etwa 50.000, um 1800 etwa 250.000 und 1857 fast 700.000 Menschen. 1870 waren es bereits 900.000, 1890 1,4 Millionen und 1910 2,1 Millionen. Im Ersten Weltkrieg nahm die anwesende Bevölkerung durch den Zustrom von Flüchtlingen kurzfristig auf etwa 2,35 Millionen zu. Damit war der Höhepunkt des Stadtwachstums erreicht. In der Zwischenkriegszeit lebten etwa 1,9 Millionen Einwohner in Wien, 1939 nur noch 1,8, 1951 1,6 Millionen. Seitdem ist die Bevölkerungszahl langfristig betrachtet relativ konstant.

Entwicklung der Einwohnerzahlen (nach dem heutigen Gebietsstand):

o 1590: 50.000
o 1700: 123.000
o 1783: 247.753
o 1830: 401.049
o 1857: 676.434
o 1880: 1.162.591
o 1900: 1. 769.137
o 1910: 2, 083.630
o 1923: 1,918.720
o 1939: 1,770.938
o 1951: 1,616.125
o 1971: 1,627.566
o 1981: 1, 531.346
o 1991: 1, 539.848
o 2000: 1, 615.438

Altersaufbau

Seit der Altersaufbau der Bevölkerung gezählt wird (erstmals 1856) nahm der Anteil der älteren Bevölkerung stetig zu. 1856 waren lediglich 0,7 Prozent älter als 75 Jahre, das sind von einer Gesamtbevölkerung von 469.221 nur 3.489 Personen. 1951 bereits 3,8 Prozent mit 66.354 Personen, und 1999 8,1 Prozent der Bevölkerung mit 130.671 Personen.

Bevölkerungsverschiebung in den Bezirken

In den letzten 100 Jahren haben die Innenbezirke zu Gunsten der Außenbezirke deutlich an Bevölkerung verloren. Dazu einige Beispiele:

1890 1951 1999

Innere Stadt 70.167 34.654 19.039

Mariahilf 64.323 46.372 30.344

Favoriten 88.230 115.324 158.101

Simmering 27.326 43.088 76.293

Hietzing 14.520 46.995 53.513

Floridsdorf 31.937 68.204 130.271

Donaustadt 8.724 53.137 136.421

Mehr als die Hälfte der Wiener waren "Zuagraste"

Schon das Wiener Telefonbuch verrät es, und jeder von uns weiß es, viele Jahre lebten in Wien mehr "Zuagraste" als hier Geborene. (Prozentanteil der in Wien lebenden Bevölkerung, geboren in...)

Beispiele in Zahlen: 1856 1880 1900 1951 1988

Wien 43,8 44,7 46,4 64,2 63,2

andere Bundesländer 18,8 18,7 15,0 18,6 22,2

Böhmen und Mähren 22,5 26,0 24,5 17,1 2,4

Andere Staaten 11,5 16,1 14,1 n.b. n.b.

Lebenserwartung

Die durchschnittliche Lebenserwartung eines männlichen Neugeborenen betrug um 1650 rund 13 - 18 Jahre, sie stieg zur Jahrhundertwende um 1900 auf 36,7 Jahre, um 1951 auf 62,0 Jahre und beträgt 1999 74,3 Jahre.

Bei den weiblichen Neugeborenen: Um 1650 - 17 bis 22 Jahre, um 1900 41,6 Jahre, 1951 67,8 Jahre und heute 80,1 Jahre.

In den Jahren ist die Säuglingssterblichkeit deutlich gesunken. In der Barockzeit wird geschätzt, das etwa 424 von 1.000 Lebendgeborenen im ersten Lebensjahr verstorben sind. Anfang des 19. Jahrhunderts lag die Rate bei fast 350. Sie ging um 1900 auf 192 zurück und erreichte 1999 eine Rate von knapp 5.

Die Studie befasst sich auch noch mit den Haushaltsgrößen, den Fertilitätsraten, den Illegimitätsraten und der Natürlichen Bevölkerungsbewegung in den letzten zweihundert Jahren.

Die Statistischen Mitteilungen der Stadt Wien, Heft 4/2000 sind bei der MA 66, 1010 Wien, Volksgartenstraße 3 - in der Zeit von 9 bis 15 Uhr zum Einzelheftpreis von 70 Schilling ( 5,09 EURO) erhältlich. Das Heft kann auch telefonisch bestellt werden: 4000/ 88629 (Schluss) fk

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