- 01.06.2001, 11:59:37
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OeNB - 2. Teil der Volkswirtschaftlichen Tagung der OeNB: - Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell: eine effektive Finanzaufsicht ist Voraussetzung für Finanzmarktstabilität
- Weiter dominierende Rolle für Banken auf Europäischen
Finanzmärkten=
Wien (OTS) - "Eine wirksame Risikobegrenzung durch Regulierung und
eine effektive Finanzmarktaufsicht stellen eine Grundvoraussetzung
für das Funktionieren und die Stabilität der Finanzmärkte dar",
betonte Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell am Nachmittag des ersten
Tages der Volkswirtschaftlichen Tagung. Die zunehmende Komplexität
und Globalisierung der Finanzmärkte bedeuten auch höhere Ansprüche an
die Finanzaufsicht. Neue Rahmenbedingungen wie beispielsweise die
gegenwärtig in Überarbeitung befindlichen Eigenkapitalbestimmungen
(Basel II) verlangen eine Weiterentwicklung der Aufsichtsbehörden weg
von einer kennzahlenbetonten Rechtsaufsicht hin zu einer qualitativen
Aufsicht, welche die tatsächliche Risikolage und die Qualität des
Risikomanagements einer Bank einschätzen und gegebenenfalls in
zusätzliche Kapitalanforderungen umrechnen kann.
"Österreich muss mehr in die Finanzmarktaufsicht investieren. Nur
dann werden wir mit internationalen Entwicklungen Schritt halten
können", mahnte Tumpel-Gugerell eine deutliche Ressourcenaufstockung
im Bereich der Finanzmarktaufsicht ein.
Für organisatorische Ausgestaltung einer Aufsichtsbehörde gebe es
mehrere Modelle. Primär gehe es aber darum, die Effizienz und
Effektivität der Aufsichtsarbeit sicherzustellen. Zentralbanken
sollte aber im Rahmen der Finanzaufsicht in jedem Fall eine sehr
wichtige Rolle zukommen. Dafür sprechen neben positiven
Synergieeffekten aus Zentralbank- und Aufsichtsaufgaben und
geringeren Kosten für die beaufsichtigten Institute vor allem die
hohe Finanzmarktexpertise von Notenbanken sowie die Unabhängigkeit
der Zentralbank und die wichtige Funktion, die Zentralbanken -
unabhängig von der Organisation der Aufsicht - bei der Beilegung von
Finanzkrisen erfüllen.
In ihren Schlussbemerkungen am Ende des zweiten Konferenztages
zeichnete Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell ein für den europäischen
Bankensektor positives Zukunftsszenario. Trotz der zunehmenden
Bedeutung von Börsen und Risikokapital im Rahmen der
Unternehmensfinanzierung, werden die Banken in Europa ihre
dominierende Stellung im Finanzsektor auch weiterhin behalten. Für
diese Annahme sprechen einerseits die stark auf Klein- und
Mittelbetriebe ausgerichtete Unternehmensstruktur, die aufgrund
niedriger Finanzierungsvolumen und geringem Börsenbekanntheitsgrad
nur sehr schwer einen direkten Zugang zum Kapitalmarkt finden.
Andererseits zeichneten sich Banken durch ihre Kundennähe und ihre
genaue Kenntnis bezüglich der Bonitätsituation ihrer unmittelbaren
Kreditnehmer aus, was von vielen Unternehmen und Konsumenten
geschätzt wird. Insbesondere in Mittel- und Osteuropäischen Staaten,
in denen der Finanzmarkt noch nicht so weit ausgebildet ist, kommt
der Unternehmensfinanzierung über den Bankensektor eine zentrale
Funktion zu.
Tumpel-Gugerell wies weiters auf die vielen Reformansätze hin, die in
Europa zu einer besseren Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte
unternommen worden sind. In diesem Zusammenhang nannte die
Vize-Gouverneurin als Beispiele die nach ihrem Vorsitzenden benannte
"Brouwer-Group", die Vorschläge zur Vermeidung und Bekämpfung von
Finanzkrisen ausgearbeitet hat sowie den Weisenrat unter dem Vorsitz
von Baron Lamfalussy, der auf Möglichkeiten zur besseren Integration
von Wertpapiermärkten und deren Beaufsichtigung hingewiesen hat.
Während in der Diagnose meist Einigkeit besteht, treten dann
Schwierigkeiten in der konkreten Umsetzung der
Verbesserungsvorschläge auf. In diesem Zusammenhang schloss sich
Tumpel-Gugerell der Forderung nach einer raschen Implementierung des
sogenannten Financial Services Action Plan der Europäischen
Kommission an.
Abschließend kündigte Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell die baldige
Veröffentlichung des ersten "Finanzmarktstabilitätsberichts" der
Oesterreichischen Nationalbank an - eine Publikation, die sich mit
Entwicklungen auf den internationalen und dem österreichischen
Finanzmarkt auseinandersetzt und halbjährlich in deutscher und in
englischer Sprache erscheinen soll.
Rückfragehinweis: Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums /
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.Nr.: (1) 404 20 DW 6666
http://www.oenb.at
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