Steuer-Splitting: Wie mit Steuerprivilegien die Gattung der Alleinverdiener vor dem Aussterben bewahrt werden soll

Linz (AKO) Immer wieder lancieren in letzter Zeit konservative Familienpolitiker die Behauptung, Alleinverdiener wären in unserem Steuersystem eklatant benachteiligt. Ein Steuer-Splitting nach deutschem Vorbild brächte nach Ansicht der AK-Frauenredaktion allerdings gravierende Nachteile.

In kaum einem anderem Land werden Familien so stark gefördert wie in Österreich. Das geschieht in erster Linie über direkte Geldleistungen (z.B. Familienbeihilfe samt Kinderabsetzbetrag) und Sachleistungen (z.B. beitragsfreie Mitversicherung oder Kindergärten). Dem gegenüber hat das System der Familienförderung über Steuer-Splitting große Nachteile: Es kommt Besserverdienenden mehr zu Gute als Ärmeren, und es ist ein deutliches Signal gegen die Berufstätigkeit von Frauen.

Als "Beleg" für die angebliche Benachteiligung der Alleinverdiener werden immer wieder Rechenbeispiele präsentiert, die zeigen, dass eine Alleinverdiener-Familie mit - sagen wir einmal - 30.000 Schilling-Monats-Brutto-Einkommen deutlich mehr Lohnsteuer zahlen muss als eine Doppelverdiener-Familie, in der beide Ehepartner zusammen 30.000 Schilling verdienen. Das ist schon richtig. Nur: Für das Familieneinkommen der ersten Familie werden vielleicht 40 Stunden Arbeitszeit eingebracht, für das der zweiten vielleicht 60 oder 70 Stunden.

Ein Ehegatten-Splitting brächte vor allem Alleinverdienern gewaltige Vorteile. Ein verheirateter Alleinverdiener, der z.B. 60.000 Schilling versteuern muss, müsste nach diesem Modell zwei mal 30.000 Schilling versteuern - durch die geringeren Steuersätze wäre die Ersparnis enorm. Eine Doppelverdiener-Familie, in der beide 30.000 Schilling verdienen, hätte dagegen überhaupt keinen Vorteil. Total benachteiligt wären außerdem Alleinerziehende.

Überhaupt wirkt sich das Steuer-Splitting dort am stärksten aus, wo die Einkommens-Unterschiede zwischen Männern und Frauen am größten sind. Männer würden dafür belohnt, dass Frauen wenig (oder gar nichts) verdienen. Auch würde es sich für viele Frauen finanziell weniger auszahlen, überhaupt arbeiten zu gehen.

Dazu ein Beispiel: Herr B., verheiratet und Alleinverdiener, hat ein steuerpflichtiges Einkommen von 30.000 Schilling. Er bezahlt derzeit 6702,80 Schilling Lohnsteuer. Mit dem Ehegatten-Splitting müsste er nur noch 3019,60 Schilling Lohnsteuer zahlen, Ersparnis:
fast 3700 Schilling. Angenommen, seine Frau nimmt einen Teilzeit-Job mit einem steuerpflichtigen Einkommen von 10.000 Schilling an. Derzeit müsste sie dafür überhaupt keine Lohnsteuer bezahlen. Mit dem Splitting (30.000 Schilling plus 10.000 Schilling, macht ein zu versteuerndes Einkommen von 2 mal 20.000 Schilling) würde sich die Lohnsteuer auf 6406,60 Schilling belaufen, das sind um 3387 Schilling mehr. Von den 10.000 Schilling würden in diesem Fall nur 6613 Schilling überbleiben.

Wir meinen: Hinter der Forderung nach Steuer-Splitting steckt in Wahrheit ein Gesellschafts-Modell der Alleinverdiener-Ehe, das die Frauen auf Heim und Herd verweist. Dieses Modell wird von den Frauen zunehmend abgelehnt. Alleinverdiener brauchen keinen Artenschutz. Berufstätige Frauen aber brauchen Unterstützung bei der Kinderbetreuung, eine bessere Berücksichtigung familiärer Bedürfnisse in der Arbeitswelt und eine partnerschaftliche Aufteilung der Hausarbeit.

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