Riess-Passer: Offener Brief an Löschnak

Wien, 2001-05-16 (fpd) - Einen offenen Brief richtete VK Dr. Susanne Riess-Passer heute an den Präsidenten der Österreichischen Bundes-Sportorganisation (BSO), Dr. Franz Löschnak, worin sie Stellung nahm zu seinen gestrigen Aussagen hinsichtlich einer angeblichen Gefährdung des Sports durch das neue ORF-Gesetz. ****

Der offene Brief im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Präsident!

Als für den Sport zuständiges Regierungsmitglied darf ich zu den von Ihnen in der Öffentlichkeit geäußerten Bedenken und Vorbehalten gegen das neue ORF-Gesetz klar stellen:

Ein Eckpunkt der Reform ist die Sicherstellung der Bedeutung des ORF für den österreichischen Sport, wobei beide Säulen, also sowohl der Spitzen- als auch der Breitensport, in den Reformüberlegungen eine wesentliche Rolle spielen.

Diese politische Vorgabe der Bundesregierung wurde in der Regierungsvorlage vollständig umgesetzt, weswegen es bei Sportübertragungen oder Sportsendungen in den Programmen des ORF entgegen Ihren Befürchtungen zu keinerlei Einschränkungen oder Änderungen gegenüber der derzeitigen Regelung kommen wird. Die für den Sport eminent wichtigen Sonderwerbeformen sind daher weiter möglich, was im Übrigen auch in den Erläuterungen zu den entsprechenden Gesetzespassagen eindeutig klar gestellt wird.

Nicht zuletzt in Kenntnis der schwierigen Lage des Breitensports und der sogenannten Randsportarten hat sich die Bundesregierung entschlossen, hinkünftig die Spartenprogramme des ORF für Werbung zu öffnen, um Sportübertragungen vor allem aus diesen Bereichen zu erleichtern und finanzieren zu können. Mit der Möglichkeit, in den Spartenprogrammen des ORF bis zu 144 Minuten täglich werben zu können, sollte dieses Vorhaben jedenfalls leichter umsetzbar sein als derzeit. Nach dem geltenden Rundfunkgesetz ist dem ORF, wie Sie sicher wissen, jegliche Form von Werbung in seinen Spartenprogrammen vollständig untersagt.

Sie sehen also, daß die Bundesregierung den Anforderungen im Bewußtsein der Bedeutung des ORF für den österreichischen Sport durch das neue ORF-Gesetz vollständig Rechnung trägt.

Darüber hinaus darf ich auch darauf verweisen, daß das neue Privatfernsehgesetz, das bereits im kommenden Jahr zu einem zusätzlichen Österreichweit empfangbaren Fernsehprogramm führen wird, weitere attraktiven Möglichkeiten für den österreichischen Sport bringen wird.

Entgegen den von Ihnen geäußerten Befürchtungen, die sich aus den Formulierungen der Gesetzesvorlage weder herauslesen noch hineininterpretieren lassen, werden sowohl die Reform des ORF als auch die Zulassung von Privatfernsehen in Österreich zu Rahmenbedingungen für den österreichischen Sport führen, die in den meisten anderen europäischen Ländern längst selbstverständlich sind.

Der einzige Wermutstropfen aus der Sicht des Sports ist daher nicht der Inhalt der Reformen sondern die Tatsache, daß sie um zumindest 10 Jahre zu spät erfolgen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Susanne Riess-Passer

(Schluß)

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