- 15.05.2001, 17:32:40
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Expertenmeinungen über die bevorstehende Ausgliederung der hohen Schulen Klimatisches Tief zwischen Unis und Regierung
Doch manche Ziele werden befürwortet
Von Martina Salomon
Bericht vom 16.5.2001=
Wien (OTS) - Das Ziel der Regierung sei richtig, die
Vorgangsweise nicht. "Kein Mensch weiß, wie es jetzt weitergeht",
ärgert sich Jörg Hoyer, Vorsitzender des Senats an der Universität
Wien. Die in zwei Jahren geplante Ausgliederung der Universitäten aus
der Staatshoheit stößt auf Kritik. Inhaltlich werde mit den
Universitäten darüber nicht geredet, bisher stehe lediglich der
Termin der Einführung fest, sagt Mediziner Hoyer. Das Misstrauen in
die Regierung sei durch überfallsartige Kürzungen - beispielsweise im
Infrastrukturbereich - groß. Aber in der Umstellungsphase werde die
Universität sogar mehr Geld brauchen. So sind Angestellte teurer als
Beamte. Pragmatisierungen soll es an den Unis ja künftig nicht mehr
geben.
Unter den Wiener Rektoren ist es vor allem Gerald Bast von der
Universität für angewandte Kunst, der sich in die vorderste Reihe der
Kritiker einfügt. Er, der früher selbst als Beamter im
Wissenschaftsressort an Uni-Gesetzen arbeitete, wehrt sich nun gegen
"Totalreformen". Die jetzt geplante Ausgliederung bringe Mehrkosten
und erhöhe möglicherweise den finanziellen Druck auf die Unis. Wie
Hoyer befürchtet er, dass das Vorhandene kaputtgemacht werden könnte.
Und wie ist der Blick von außen auf die hohen Schulen? Wilhelmine
Goldmann ist Mitglied im Universitätenkuratorium (dem beratenden
Organ des Bildungsressorts), als Vorstandsdirektorin der Postbus-AG
selbst mit den Problemen eines Ausgliederungsprojekts konfrontiert
und hat in ihrer früheren Arbeiterkammertätigkeit an Uni-Reformplänen
mitgearbeitet. "Wir geben für die Universitäten viel Geld aus, jedoch
sehr ineffizient", meint sie im Standard-Gespräch.
Das Wissenschaftsressort habe in den vergangenen Jahren einerseits
"zu josephinisch" regiert, andererseits seine strategischen
Planungsmöglichkeiten nicht genützt und "Wildwuchs" an den Unis
zugelassen. In Zukunft werde man mehrjährige Ziele und
"Leistungsverträge" formulieren müssen. Dabei sollte auch betrachtet
werden, wo die besten Leute sind, um die Geldströme verstärkt dorthin
zu leiten.
Allerdings produzieren manche Institute nicht aus eigener Schuld
schlechte Qualität - etwa, weil sie hoffnungslos überlaufen sind.
Hier müsse der Uni erlaubt werden, Zugangsbeschränkungen
einzurichten. Das sei international absolut üblich.
Auch die Industrie könnte künftig mehr Verantwortung übernehmen -
und beispielsweise Start-up-Firmen junger Absolventen kräftiger
unterstützen.
Rückfragehinweis: Der Standard
Tel. 01/531 70/0
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