Expertenmeinungen über die bevorstehende Ausgliederung der hohen Schulen Klimatisches Tief zwischen Unis und Regierung

Wien (OTS) - Doch manche Ziele werden befürwortet
Von Martina Salomon
Bericht vom 16.5.2001=

Das Ziel der Regierung sei richtig, die
Vorgangsweise nicht. "Kein Mensch weiß, wie es jetzt weitergeht", ärgert sich Jörg Hoyer, Vorsitzender des Senats an der Universität Wien. Die in zwei Jahren geplante Ausgliederung der Universitäten aus der Staatshoheit stößt auf Kritik. Inhaltlich werde mit den Universitäten darüber nicht geredet, bisher stehe lediglich der Termin der Einführung fest, sagt Mediziner Hoyer. Das Misstrauen in die Regierung sei durch überfallsartige Kürzungen - beispielsweise im Infrastrukturbereich - groß. Aber in der Umstellungsphase werde die Universität sogar mehr Geld brauchen. So sind Angestellte teurer als Beamte. Pragmatisierungen soll es an den Unis ja künftig nicht mehr geben.

Unter den Wiener Rektoren ist es vor allem Gerald Bast von der Universität für angewandte Kunst, der sich in die vorderste Reihe der Kritiker einfügt. Er, der früher selbst als Beamter im Wissenschaftsressort an Uni-Gesetzen arbeitete, wehrt sich nun gegen "Totalreformen". Die jetzt geplante Ausgliederung bringe Mehrkosten und erhöhe möglicherweise den finanziellen Druck auf die Unis. Wie Hoyer befürchtet er, dass das Vorhandene kaputtgemacht werden könnte.

Und wie ist der Blick von außen auf die hohen Schulen? Wilhelmine Goldmann ist Mitglied im Universitätenkuratorium (dem beratenden Organ des Bildungsressorts), als Vorstandsdirektorin der Postbus-AG selbst mit den Problemen eines Ausgliederungsprojekts konfrontiert und hat in ihrer früheren Arbeiterkammertätigkeit an Uni-Reformplänen mitgearbeitet. "Wir geben für die Universitäten viel Geld aus, jedoch sehr ineffizient", meint sie im Standard-Gespräch.

Das Wissenschaftsressort habe in den vergangenen Jahren einerseits "zu josephinisch" regiert, andererseits seine strategischen Planungsmöglichkeiten nicht genützt und "Wildwuchs" an den Unis zugelassen. In Zukunft werde man mehrjährige Ziele und "Leistungsverträge" formulieren müssen. Dabei sollte auch betrachtet werden, wo die besten Leute sind, um die Geldströme verstärkt dorthin zu leiten.

Allerdings produzieren manche Institute nicht aus eigener Schuld schlechte Qualität - etwa, weil sie hoffnungslos überlaufen sind. Hier müsse der Uni erlaubt werden, Zugangsbeschränkungen einzurichten. Das sei international absolut üblich.

Auch die Industrie könnte künftig mehr Verantwortung übernehmen -und beispielsweise Start-up-Firmen junger Absolventen kräftiger unterstützen.

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