WirtschaftsBlatt-Kommentar zur AUA von Michaela Lexa Mario Montis Kunstfliegerei

Ausgabe vom 10.05. 01

Wien (OTS) - Dass EU-Kommissar Mario Monti für genügend Wettbewerb sorgen will, ist löblich. Beim jüngsten Vorstoss gegen Austrian Airlines (AUA) und Lufthansa ist Monti aber übereifrig. Seine Kritik:
Die beiden Star-Alliance-Partner hätten auf den Flügen zwischen Österreich und Deutschland praktisch eine Monopolstellung und es versäumt, ein Konkurrenzunternehmen dafür aufzutreiben. Die beiden Carrier versuchen aber gar nicht, andere Fluglinien auf diesen Strecken aus dem Markt zu drängen oder erst gar nicht hereinzulassen. Wahr ist, dass sich niemand für diese Strecken interessiert. Schon gar nicht will irgendeine Airline die Destinationen, um die es hier geht, in ihren Flugplan aufnehmen, nur damit die AUA mit der Lufthansa weiterhin ungestört kooperieren kann. Solche Nettigkeiten sind in der freien Marktwirtschaft selten. Trotz Desinteresses der Mitbewerber werden AUA und Lufthansa nun gezwungen, einen Konkurrenten aus dem Hut zu zaubern. Touristiker sehen der möglichen Lösung schon mit Skepsis entgegen. Zwar könnte ein Ausweg auf dem Papier gefunden werden, doch würde er den Markt weder beeindrucken noch beleben: Ein Flug pro Tag, den eine dritte Airline abwickeln würde, ändert am Grundproblem nichts. Und bei den Preisen wird sich erst recht nichts ändern. Vielfliegende Geschäftsreisende werden allerdings sorgsamer als heute auf die Qualität des Angebots achten. Denn die AUA ist auf der Suche nach freiwilliger Konkurrenz schon bei den EU-Beitrittskandidaten angelangt. Auch sollen die Gespräche dort schon weit gediehen sein. Sollte nun eine Fluglinie aus dem Osten zum Zug kommen, brauchen sich AUA und Lufthansa zumindest keine Sorge um ihre Passagiere machen. Denn beim Fliegen siegen in den meisten Fällen Qualität und Sicherheit vor dem Preis. Mario Monti kann dann beruhigt sein, seine Mission erfüllt zu haben. In der Praxis wird alles beim Alten bleiben. Scherereien haben im Vorfeld nur die beiden Allianzpartner. Um ein Null-Resultat am Markt zu erzielen, müssen sie mit aller Kraft versuchen, jemandem Flugverbindungen schmackhaft zu machen, der sie nicht haben will. Mehr als eine Notlösung wird wohl nicht herauskommen. Wer dann durch den freien Wettbewerb einen Nachteil hat, darf sich bei der EU bedanken.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktion
Tel.: (1) 91919-305

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/OTS